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Luisenviertel will sich selbst Regeln geben

Luisenviertel will sich selbst Regeln geben

Beim Dialog zwischen Anwohnern und Gastronomen gibt es zwar noch keine Lösung — aber Vorschläge für ein besseres Miteinander.

Luisenviertel. Mitunter herrschte auch mal eine hitzige Atmosphäre am Dienstagabend in der Sophienkirche. Doch es wurde deutlich, dass allen Beteiligten an einer Lösung des Problems gelegen ist. Die Bezirksvertretung Elberfeld hatte Anwohner und Gastronomen des Luisenviertels zum Dialog eingeladen. Das Ziel: Wie kann ein besseres Miteinander erreicht werden? Eine Patentlösung könne man sicher nicht anbieten, hatte Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Vitenius (SPD) schon bei der Begrüßung erklärt — und die gab es am Ende der Veranstaltung auch nicht. Aber einige Ideen, die zu einer Entspannung der Situation beitragen sollen.

Viel Anklang fand zum Beispiel der Vorschlag von Selly Wane, Besitzerin des Swane Café, eine Task Force einzurichten: Eine Gruppe, zu der Vertreter der Wirte und Anwohner gehören, solle einen Plan entwickeln, die Lärmproblematik etwas einzudämmen. Man dürfe sich nicht gegenseitig Vorwürfe machen. Dass es das Problem gibt, konnten und wollten auch die Wirte nicht verhehlen. Wenn Bewohner aber von einem reinen Wohngebiet sprechen würden, sei das töricht. „Es ist nun mal nicht so ruhig wie auf dem Dönberg.“

Man habe trotzdem ein Recht auf Nachtruhe, so die Anwohner, die teils mit drastischen Worten von ihren Erfahrungen berichteten: schlaflose Nächte, gröhlende Kneipenbesucher und Partygänger, am nächsten Morgen Müll auf den Straßen oder Erbrochenes im Hauseingang. Sprüche wie „Wer ins Luisenviertel zieht, weiß, was da los ist“, könne man nicht mehr hören, ärgerte sich eine Nachbarin. „Wir sind hier nicht hingezogen — wir wohnen hier seit Jahrzehnten.“ Damals habe es praktisch kaum Kneipen gegeben. Das Luisenviertel werde jetzt aber bewusst als Feierort beworben.

Ein weiteres Problem: In diesem Jahr sei die gerade zurückliegende Erlebniswoche der Studienanfänger eskaliert. Die „Erstis“ hätten in Massen und mit Trinkspielen das Luisenviertel unsicher gemacht.

Auch das bestätigten die Wirte, die selbst die Studenten kritisierten. Allerdings verwehrten sich die anwesenden Vertreter unter anderem des Café Congo, der Viertelbar, Katzengold oder Köhlerliesel gegen den Vorwurf, nicht selbst alles dafür zu tun, dass spätabends kein Lärm mehr von den Kneipen ausgeht. Draußen werde zum Beispiel nicht mehr bedient ab einer bestimmten Zeit. Doch man habe nicht Einfluss auf alle Gäste, die das Lokal verlassen, nach Hause gehen oder weiterziehen, und dann laut sind. Und viele, die draußen im Viertel anzutreffen seien, „sind gar nicht unsere Gäste“. Dass wirklich so viele „Partyreisende“ durchs Luisenviertel ziehen, zweifelten die Anwohner allerdings an. „Die kommen aus den Lokalen.“

Das Problem, wie auch ein Anwesender erwähnte: Von denen, die nachts für den Stress sorgen, dürfte in der Sophienkirche keiner gewesen sein. „Die Feiernden wissen gar nicht, dass hier Leute wohnen und denken nicht daran.“ Deshalb soll die Task Force eine Kampagne entwickeln, Besucher des Viertels drauf hinzuweisen. Mit Bannern, Flyern und Ähnlichem. Jetzt gelte es, Ideen zu entwickeln. Die Kneipiers, das wiederum gaben ihnen die anwesenden Politiker mit auf den Weg, sollten dauerhaft versuchen, auf ihre Gäste einzuwirken — auch wenn sie sicher nicht alle erreichen könnten. Bei vielen, die für Ärger sorgten, sei es aber einfach eine „schlechte Erziehung“, wie ein Anwohner mutmaßte.