Horst Wegener: Seine Musik will in keine Kategorie

Horst Wegener: Seine Musik will in keine Kategorie

Der Wuppertaler Horst Wegener tritt mit seiner Band in Berlin auf — als Preisträger beim Bundeswettbewerb „Treffen junge Musik-Szene“.

Wuppertal. „Ich mache jeden Tag Musik, das beflügelt. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als mit dem, was mich glücklich macht, Geld zu verdienen.“ Horst Wegener ist 20 Jahre jung und steht vor dem musikalischen Durchbruch. Gerade wurde er mit seiner Band von einer Jury zu Gewinnern des Bundeswettbewerbs „Treffen junge Musik-Szene“ (Kasten) ausgewählt. Vom 8. bis 13. November fahren die neun Musiker im Alter von 17 bis 26 Jahre nach Berlin, um beim Konzert der Preisträger aufzutreten und sicherlich auch ihr Siegerlied zu spielen: „Deutschen Land“. Unabhängig davon werden eine EP und eine Tournee vorbereitet. Kein Wunder dass der junge Mann auf eine musikalische Karriere hofft.

Der Weg in die Musik zeichnet sich bei dem Sohn einer Ecuadorianerin und eines Deutschen schon früh ab. Im Alter von fünf, sechs Jahren beginnt der Klavierunterricht, den Horst Jesué (so der komplette Vorname) — mit kurzer Unterbrechung in der Pubertät — bis zum Schulabschluss 2016 nimmt. „Das Klavier ist die Basis für das, was ich heute mache.“ Nebenbei komponiert er eigene Melodien, wird ihm die Musik immer mehr zur „Herzensangelegenheit“. Als er der Schüler mit 15/16 Jahren an einem Aufklärungsfilm für das Blaue Kreuz mitwirkt, wird auch sein Interesse am Film geweckt. Er schlüpft (natürlich) in die Rolle eines Rappers, und knüpft wichtige Kontakte zum Medienprojekt Wuppertal, mit dem er weitere Filme dreht. Und wichtige Erfahrungen sammelt, wenn er Nazidemos, zum Beispiel der Pegida in Dresden, filmt. Er erlebt Rassismus hautnah, wird wegen seines Äußeren beschimpft und abgelehnt. Da er aber in einem toleranten Umfeld aufwächst, das ihn unterstützt, kann er damit umgehen: „Ich war immer der einzige Dunkelhäutige, meine Andersartigkeit war mir immer bewusst“, sagt er selbstbewusst. Horst Jesué erwirbt den Berufsabschluss als Gestaltungstechnischer Assistent im Bereich Medien und Kommunikation. Mittlerweile studiert er im dritten Semester, Film und Sound an der Fachhochschule Dortmund.

Zum Rap findet der junge Mann durch das Album „SchwarzWeiss“ von Samy Deluxe. In der Kombination mit dem Klavier entwickelt er seine eigene musikalische Form für seine engagierten Texte, nimmt an Jamsessions teilt, lernt so den Musiker und Produzenten N’Golo Zerbo kennen. Sie tun sich zusammen, es entstehen sieben Lieder, die sich zwischen Hip-Hop, Jazz, Funk und Pop bewegen und bewusst eine Stil-Einordnung verweigern. Basis für eigene Konzerte, zu denen ihm sein Kindergarten-Freund und Gitarrist Julius Krämer rät.

Die aber will Wegener nicht allein bestreiten, baut sich gezielt eine Band auf, mit der seine „akustische Live-Musik mit beatlastigem Hip-Hop“ aufführen kann. Der Erfolg lässt nicht auf sich warten: Anfragen für weitere Auftritte folgen (etwa beim Luisenfest), schließlich kommt der Tipp, es mit dem Bundeswettbewerb zu versuchen. Im Juli reicht er „Deutschen Land“ ein. Der Song thematisiert den Widerspruch zwischen Wohlstand und Unzufriedenheit in Deutschland einerseits sowie Armut und Lebensfreude in Südamerika andererseits.

Anfang Oktober kommt der Bescheid aus Berlin. Derzeit wird eifrig geprobt, die Zugfahrt ist gebucht. Aufgeregt ist Wegener nicht, „ich habe ja acht Leute mit auf der Bühne, die mir durch ihre Musik Kraft geben“. Außerdem wird an der halbstündigen EP gearbeitet, die im Frühjahr erscheinen soll — Basis für eine Deutschlandtournee mit neun Städten, für die noch Sponsoren gesucht werden. Wegener will weiter Akustikauftritte bestreiten — und seinen eigenen Weg weitergehen, ohne in eine Schublade gesteckt zu werden.