Bürgerbudget stärkt das Projekt Taschengeldbörse

Bürgerbudget stärkt das Projekt Taschengeldbörse

221 Wuppertaler haben ihre Stimme für das Angebot abgegeben. Das Team freut sich jetzt auf 15 300 Euro aus dem städtischen Geldtopf.

Wuppertal. Glückwunsch, Taschengeldbörse! Sie gehört zu den sechs Projekten, die künftig mit Geld aus dem Wuppertaler Bürgerbudget gefördert werden. Das ist ein Ergebnis des Abstimmungsverfahrens, bei dem insgesamt 1627 Wuppertaler Stimmzettel für ihre Lieblingsprojekte abgegeben haben — im Internet, bei einer Wahlparty oder im Verlauf der Wahl im Rathaus.

221 Bürgerbudget-Wähler stimmten für die Zukunftssicherung der Taschengeldbörse. Deshalb bekommt das Projekt 15 300 der insgesamt 150 000 Euro, die die Stadt im Doppelhaushalt 2018/ 2019 erstmalig für Bürgerbeteiligungsprojekte bereitstellt. Die Taschengeldbörse vermittelt kostenlos den Kontakt zwischen Jugendlichen, die ihre Finanzen aufbessern möchten, und Senioren über 55 Jahren, die sich Unterstützung bei einfachen, haushaltsnahen Tätigkeiten wünschen.

Sie und ihr Team hätten sich „riesig gefreut“, sagt Projektleiterin Manuela Salem. Zur Gewinnerfreude kam ein Gefühl der Erleichterung. Seit 2015 betreiben ausschließlich Ehrenamtler die Taschengeldbörse im Nachbarschaftsheim, da der Landeszuschuss ausgelaufen ist. „Das Geld vom Bürgerbudget sorgt für Sicherheit und Stabilität“, erklärt Salem. So kann sie als hauptamtliche Projektleiterin weiterarbeiten. Außerdem sind nun Mittel da, um stärker als bisher Werbung für die Taschengeldbörse zu machen.

Für die Diplom-Sozialarbeiterin ist das Projekt deshalb so „gut und wichtig“, weil es mit einfachen Mitteln Kontakte zwischen den Generationen knüpfe. Dauerhafte Unterstützung für die einen, Taschengeld für die anderen — „es ist eine Win-Win Situation für beide Seiten“, betont Salem. Auch die Teilnahme sei einfach.

Da braucht es nur ein persönliches Aufnahmegespräch, um sich zu registrieren. Bietet ein Senior einen Job an, wählt das Team der Taschengeldbörse aus der Datenbank den passenden Helfer aus. Mittlerweile gibt es 270 „Tandems“ und rund 250 Jobs wurden vermittelt. Wie die Hilfsarbeiten organisiert und ausgeführt werden, machen Teenager und Senioren untereinander aus. Am häufigsten nachgefragt, sagt Salem, werde die Hilfe bei der Bedienung von Computern oder Unterstützung bei der Gartenarbeit.

Eines dieser typischen Tandems besteht aus Waltraud Mauelshagen und Amir. Auch wenn beide nur ein paar Straßen voneinander entfernt wohnen — ohne die Taschengeldbörse wären sie sich wohl nicht begegnet. „Der ist mir eine große Hilfe“, sagt die ältere Dame über den 16-Jährigen. Immer wenn sie Schwierigkeiten mit Computer oder Drucker hat, bekommt sie Besuch von Amir.

Anderthalb Jahre kennen sie sich und Mauelshagen hat mit Interesse verfolgt, wie sich Amir in dieser Zeit entwickelt hat. „Der hat sich gemacht, der ist ein richtiger junger Mann geworden“, sagt sie. „Ich fühle mich ihr verbunden“, erklärt Amir. Auch sonst habe er gute Erfahrungen mit der Taschengeldbörse gemacht. „Das sind alles nette Leute.“

Große Computerprobleme hat Waltraud Mauelshagen eigentlich nicht mehr. Doch seitdem sie sich ein Smartphone angeschafft hat, hat Amir einen Grund, wieder öfter vorbeizukommen. Schließlich möchte sie ja gern lernen, wie sie mit dem neuen Gerät gute Fotos von Kindern und Enkeln macht.

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