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Lauschen und Singen wie am Lagerfeuer in Wuppertal

Kultur am Ostersbaum : Lauschen und Singen wie am Lagerfeuer in Wuppertal

Autorin und Singer-Songwriterin sorgten am Ostersbaum für einen unterhaltsamen Krimi-Abend.

Erst Sommer, dann Sterben: „Das ist doch eine gute Überleitung - bei mir geht es um unaufgeklärtes Ableben.“ Launig verknüpft kamen die Lesebeiträge von Petra Pallandt daher, die sich mit den teils ernsten Songs von Franzi Rockzz abwechselten. Die Krimiautorin und die Singer-Songwriterin gestalteten die Oktoberausgabe beim „Ostersbaumer Lagerfeuer“, dem kleinen feinen Kulturformat, das stets zwei verschiedene Künstler vor Publikum bringt.

Inzwischen im Nachbarschaftsheim zu finden, fand die Reihe früher in der nahen Huppertzberg-Fabrik statt, und ob deren heimelige Enge sich auch hier einstellen würde, mochten Fans erst bezweifeln. Was aber unnötig war: Nicht in den großen Saal lädt man am Platz der Republik, sondern den Vorraum, der auch wider Erwarten keine Durchgangs-Atmosphäre verströmt. Die Akteurinnen saßen umrahmt von Klavier und dem beim Titel unverzichtbaren Feuer (einer in Plexiglas züngelnden Flamme) vor hübsch retro-gemusterter Wand - eine passable Bühne.

„Dunkle Geheimnisse“ heißt der bereits vierte Krimi der Wuppertaler Schriftstellerin, und er spielt in einem hiesigen Altenheim. Welche Rolle dieser Schauplatz für den Fall spielen würde, dazu gab Pallandt heute unterschiedliche Signale. Alt-Nazis im Heim? Demenz? In ihren gelesenen Passagen schien beides möglich und blieb es bis zum Schluss - wer „Blut geleckt“ hatte, konnte sofort ein Exemplar des Buchs erwerben.

Pallandts zwei Kommissare lernten Neulinge beim Untersuchen der (ersten) Leiche gleich als scharfsinnige Beobachter kennen. Bei dem tot auf seinem Bett liegenden Senior fällt Santori und Bellers der zu große Mantel auf: „Wie bei jemandem, der in kurzer Zeit stark abgenommen hat. Aber eigentlich sah er nicht danach aus.“ Einfallsreich, auf welche Art hier die erwähnte Altersverwirrung hinein spielte: Der alte Herr pflegte sich in andere Zimmer zu verlaufen und dort fremde Kleidung anzuziehen. Nahm er auch fremde Tabletten?

Vom Sterben hatte auch ein Lied von Franzi Rockzz zwar gehandelt, doch es endete keineswegs trist, sondern mit der Zeile „I‘ll keep on breathing, that‘s for sure“. Wie sich überhaupt so manches Stück der Gitarristin und Sängerin um Optimismus drehte: „A Fine Day“ war nicht eigentlich die Beschreibung eines schönen Tages, vielmehr aber die Aufforderung, sich von Rückschlägen nicht irritieren zu lassen. Nach dem Lied gab sie humorig zu, wie schwer derlei positiver Blick oft sei: „Arbeite doch gern! Steh‘ doch gern im Stau!“ Dass es aber gehen und sich außerdem toll anhören kann, zeigte ihr Song.

Locker im Plauderton, lässig im Outfit - und in der Musik doch anders: So war Franzi Rockzz hier einmal mehr zu erleben. Ab dem ersten Ton war sie konzentriert im Stück, mit kehliger Stimme, die kraftvoll die Melodik hielt. Im Entstehen, erzählte sie später, ist ihr neues Album „Keep on Rocking“, und zum zeitweise stockenden Fortgang habe der Abend sogar einen kleinen Beitrag geleistet: „Ich werde am Album weiter arbeiten können... danke dafür!“ Wie immer endete das „Lagerfeuer“ mit gemeinsamem Singen, wozu diesmal „Franzi“ selbst einsprang, und im ausliegenden Textheft fand sie „Lemon Tree“ - im Lockdown demnach ihr Lieblingslied. Vielleicht wegen der Zeile „Isolation is not good for me“? Das Publikum mochte das nachempfinden und gab den Dank gern zurück - mit verdientem Applaus plus etwas „Hutgeld“. hag