Patricia Nicholson Parker: „Ich passe in keine Schublade“

Patricia Nicholson Parker: „Ich passe in keine Schublade“

Die Tänzerin lebt seit September als „Artist in Residence“ in Peter Kowalds „Ort“. Heute lädt sie zur Abschlussperformance ein.

Wuppertal. Im "Ort" der Peter Kowald Gesellschaft weilt ein künstlerischer Hochkaräter: Seit September ist Patricia Nicholson Parker zu Gast. Die New Yorkerin ist eine der renommiertesten zeitgenössischen Tänzerinnen und hat sich als Improvisationskünstlerin ebenso einen Namen gemacht wie als Aktivistin und - zusammen mit Ehemann William Parker - als federführende Leiterin des Vision Festivals.

Dieses ist besonders der afroamerikanischen Improvisationskunst gewidmet, man sieht neben aktuellen Werken bildender Künstler und Filmschaffender zunehmend auch junge Tänzer. "Die Mischung ist wichtig, nie das Geld. Leute kommen zusammen, was wichtig ist, um kreativ zu sein" - so fasst es die US-Amerikanerin zusammen, die im vergangenen Jahr für ihre Leistung zur Event-Produzentin des Jahres gekürt wurde.

"Es geht nie um ein ,besser Sein’", fährt sie mit ruhiger Stimme fort. Das "anders Sein" interessiert sie. "Ich passe wohl in keine Schublade." Wichtig ist ihr auch, "Verständnis für andere und deren Andersartigkeit zu entwickeln".

Ein Gespräch mit der Tänzerin, die von sich sagt, in Schleifen zu denken und sich bei der Beantwortung von Fragen stets so viel Zeit lässt, bis sie die treffenden Worte gefunden hat, ist ein philosophischer Exkurs mit vielen psychologischen Sprengseln.

Natürlich sind Tanz als Ausdrucksmittel und die von ihr kreierte Ästhetik Themen, über die sie gerne erzählt: "Ich arbeite gerne, Tanz ist mein Leben." Vor allem aber schwärmt sie von dem Miteinander und er Zusammenarbeit "mit Menschen, die individuell sind", der "Notwendigkeit, sich zu verlieren, um sich wiederzufinden", dem dringenden Bedürfnis, Wichtiges von Unwichtigem zu differenzieren und der ewigen Suche nach der Wahrheit.

"Getanzt habe ich mein Leben lang", erinnert sie sich bei einer Tasse Tee. Inspiriert vom Vater entwickelte sie "früh eine Affinität zu Jazz. Das war eine Herzenssprache und vielleicht kommt daher die Liebe zur Improvisation." Mit Ehemann William, Bassist und Mitglied der Musikerkooperative Other Dimensions in Music, hat sie einen Seelenverwandten gefunden.

Mit einer Woche Verspätung - die Mutter der Künstlerin verstarb - sind die beiden nach Wuppertal gekommen, einer Stadt, die sie durch die enge Freundschaft mit Peter Kowald schon vor Jahren kennen lernte und "jetzt neu entdeckt. Vor allem schöpfe ich Kraft."

Heute wird im "Ort" um 20Uhr die Ausstellung "Scherben" mit Drucken von Anne Büssow eröffnet. Ab 18 Uhr gibt es dazu den "Open Ort", damit soll Interessierten die Möglichkeit zum Gespräch mit Nicholson Parker gegeben werden. Wer sich jenseits der theatralischen Tanzdarstellungen für außergewöhnliche Sichtweisen begeistern kann, sollte diese Chance nutzen.

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