Junge Forscher haben die Qual der Wahl

Junge Forscher haben die Qual der Wahl

Die Junior Uni hat das Kursprogramm für das Wintersemester vorgestellt. Es gibt 204 Kurse, 33 davon werden erstmals angeboten.

Die Angebotspalette des kommenden Wintersemesters in der Junior Uni am Brögel ist genauso bunt wie ihr Gebäude. Die Bildungsstätte wartet für das am 18. September beginnende Lehrhalbjahr mit 204 verschiedenen Kursen auf, darunter 33 komplett neue Angebote. Der Startschuss für die Anmeldephase beginnt am 10. September und spricht unterteilt in vier Altersklassen erneut bildungsinteressierte Kinder und Jugendliche im Alter zwischen vier und 20 Jahren an.

„Alle Anmeldungen — egal ob persönlich vor Ort, online oder telefonisch — landen in einem großen Topf, wobei allein nach Chronologie über die Plätze entschieden wird“, erklärt Junior-Uni-Geschäftsführerin Dr. Ina Krumsiek das Anmeldeverfahren. Jeder könne sich ausdrücklich auch um mehrere Kurse bewerben. Bei vollen Kurse werde zudem eine Warteliste geführt. Dass die in der Regel auch zum Einsatz kommt und die meisten Angebote — vor allem die für die Jüngeren — in Windeseile ausgebucht sind, zeigt wie groß die Begeisterung für das altersgerechte „Frühstudium“ ist.

„Wir tun viel für die Qualität. Dazu wollen wir möglichst alle mitnehmen und unseren derzeitigen naturwissenschaftlichen Anteil von 81 Prozent auf immer mehr Fachbereiche ausweiten“, sagt Krumsiek. Zur Qualitätssicherung habe man eine wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben habe. Für die war im Rahmen ihrer Dissertation Bildungswissenschaftlerin Dr. Annika Schächt verantwortlich.

Sie hat mit Hilfe von Fragebögen evaluiert, welche Qualitätsmerkmale vorliegen, als wie kompetent die Dozenten empfunden werden und welche persönlichen Entwicklungen mit den Kursteilnahmen einhergehen. „Dabei ist herausgekommen, dass die Studierenden einen erhöhten Anwendungsbezug der Lehrinhalte für ihren Alltag haben, eine verbesserte Motivation entwickeln und mehr Selbstbewusstsein ausprägen“, erklärt Dr. Annika Schächt, die an der Junior Uni neben Dr. Ariane Staab und Dr. Thorsten Balgar als wissenschaftliche Fachkoordinatorin fungiert.

Unter dem Leitmotto „Mut zur Zukunft“ soll am Unterbarmer Brögel möglichst jedes Individuum mitgenommen werden, indem alle Kurse begabungsintegrativ und schulübergreifend unterrichtet werden. Ferner wolle man sich zugleich die Dozenten der Zukunft „heranzüchten“ und blickt hier schon jetzt auf eine beeindruckende Altersbandbreite von 16 bis 70 Jahren. „In der Auswahl der Kurse steckt viel Arbeit und Liebe. Dabei geht es darum, noch so schwierige Inhalte kindgerecht aufzuarbeiten und authentisch rüberzubringen“, erklärt Prokuristin Dr. Ariane Staab. Auch in den neu hinzugenommenen Kursen, darunter viele auf Wunsch der Studierenden, zeigt sich, dass die Junior Uni praxisorientiert und interdisziplinär vorgeht. So werden für die kleinsten Studenten bis sechs Jahre im praktischen Kurs „Bildgeschichten — von der Höhlenmalerei bis zur Deckelzauberei“ beispielsweise eine fachübergreifende Mischung aus Geschichte, Kultur und Kunst angeboten, in dem ein Jeder auf den unterschiedlichsten Untergründen malen und nach historischem Vorbild Mosaike kleben kann.

Dass man nicht nur auf gelöteten Platinen LEDs zum Leuchten bringen kann, sondern dass das auch mit Hilfe von leitfähiger Knete gelingt, erfahren sieben- bis zehnjährige Forscher beim „Kneten statt Löten“ und können in diesem Kurs die Fächer Chemie, Elektrotechnik und bildende Kunst vereinen. Den Feldern Politik und Geschichte bedient sich indes das Kursangebot „Starke Frauen der Geschichte“ und soll für die Elf- bis 14-Jährigen ausnahmsweise mal die historischen Vordenkerinnen in den Fokus rücken. Eines der Kurs-Highlights der Jungstudenten bis 20 Jahre stellt ein Planspiel zum Thema „Europa und seine Flüchtlinge“ dar, bei der die Auseinandersetzung mit Interessenskonflikten wie auch Verhandlungs- und Präsentationsgeschick gefragt sein werden.

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