Im Bergischen sind noch 1800 Ausbildungsplätze unbesetzt

Ausbildungsmarkt : Im Bergischen sind noch 1800 Ausbildungsplätze unbesetzt

IHK und Arbeitsagentur gehen deshalb auf Jugendliche zu.

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt bleibt angespannt. Das zeigen die Zahlen der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal. Demnach sind wenige Monate vor dem Start des Ausbildungsjahres noch rund 1800 Ausbildungsplätze im Bergischen Land unbesetzt. Demgegenüber stehen rund 1700 Jugendliche, die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind.

Was für die Unternehmen und hinsichtlich der dringend benötigten Fachkräfte der Zukunft bedrohlich wirkt, bedeutet für potenzielle Bewerber eigentlich rosige Zeiten. „Sie sollten ihre Chance nutzen. Auf dem Ausbildungsmarkt ist noch vieles möglich, so dass auch Schülerinnen und Schüler mit schwächeren Noten bessere Chancen haben“, erklärt Martin Klebe, Chef der Agentur für Arbeit.

Angesichts dieser Situation intensivieren die Bergische Industrie- und Handelskammer (IHK), die Agentur für Arbeit sowie die Jobcenter im bergischen Städtedreieck ihre Bemühungen, um Bewerber und offene Ausbildungsplätze zusammenzubringen. Wie das aussehen kann, ließ sich in dieser Woche in der Albert-Einstein-Gesamtschule (AES) in Remscheid beobachten. Hierhin hatten die Institutionen gemeinsam zum „Tag der Ausbildungschance“ eingeladen.

Auch Eltern und Großeltern
können helfen

Mehr als 20 Unternehmen aus Wuppertal, Solingen und Remscheid boten rund 400 freie Ausbildungsplätze an. Und zwar in allen Branchen – vom Kaufmann im Groß- und Außenhandel bei der Wuppertaler EDE GmbH über die Hotelfachkraft beim Kempe Komfort Hotel Solingen bis hin zur Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice bei den Technischen Betrieben Remscheid. „Nur Ausbildungsstellen zum Tierpfleger sind nicht mehr frei“, verdeutlicht Carmen Bartl-Zorn, bei der IHK für den Bereich Aus- und Weiterbildung zuständig, dass sich die Bewerber „ihren“ Ausbildungsberuf praktisch aussuchen können. „Wer für etwas brennt, der bekommt die Stelle, die er sich wünscht“, sagt Bartl-Zorn.

Dass Firmen und Bewerber allzu oft trotzdem nicht zusammenfinden, liege auch an den vielen Optionen, die sich jungen Leuten heute bieten. Abitur? Studium? Schulische oder betriebliche Ausbildung? „Die Auswahl ist riesengroß und die Jugendlichen sind unentschlossen. Zudem haben sie Angst, sich für einen Weg zu entscheiden und dies anschließend zu bereuen“, erklärt die Ausbildungsexpertin.

Mit diesem Irrglauben aufzuräumen und Orientierung zu bieten, ist Ziel von Veranstaltungen wie dem „Tag der Ausbildungschance“. In der AES stellten sich Bewerber und Unternehmen aus dem Städtedreieck gegenseitig vor. Zudem warben Ausbildungsbotschafter der IHK – das sind echte Azubis, die Schüler auf Augenhöhe für die duale Ausbildung begeistern sollen – für ihre Berufe. „Wir müssen an den Ort des Geschehens, dorthin, wo die Jugendlichen sind“, erläutert Bartl-Zorn. Denn kaum ein junger Mensch würde sich von sich aus an die Beratung von IHK oder Arbeitsagentur wenden. Auch, weil ihre Kommunikationswege heute andere seien. „Die sind eher bei Youtube unterwegs“, sagt Bartl-Zorn. Deshalb komme auch Eltern und Großeltern eine wichtige Aufgabe zu: „Sie haben nach wie vor Einfluss. Und wenn sie wissen, dass es auf dem Ausbildungsmarkt gute Chancen gibt, können sie ihre Kinder und Enkel darauf aufmerksam machen.“

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