Wuppertal: Die Maschinen rattern seit 100 Jahren

Wuppertal : Die Maschinen rattern seit 100 Jahren

Die Textilfirma Frieba feiert Jubiläum. Eine der Maschinen ist so alt wie der Betrieb.

Dieser Monat ist ein besonderer für das „Frieba-Textilwerk Carl Friedrich Gmbh&Co“ an der Eschenbecker Straße. In den alten Mauern des Gebäudes steckt viel Geschichte und ein Jubiläum steht an. Vor 100 Jahren wurde das Unternehmen von Carl Johann Friedrich zunächst in Barmen gegründet. Getüftelt und ausprobiert hat der Firmengründer schon immer. Zahlreiche Patente sind auf seinen Namen angemeldet. Später zog er nach Elberfeld, dem heutigen Firmensitz, und produzierte als Textil-, Garn- und Lederverarbeitender Betrieb zunächst Schnürsenkel und Halbfabrikate für die Schuhindustrie. Es war die Hochzeit der Band- und Flechtindustrie in Wuppertal und der Schwerpunkt verlagerte sich. Unter dem Namen „Barmer Artikel“ wurden die Erzeugnisse schon damals weltweit vertrieben.

Auch heute noch gehen 60 Prozent der Produkte des mittelständischen Unternehmens in den Export, etwa nach Frankreich und England, aber auch nach Asien. Litzen, Kordeln, Paspeln, Zierborden und ähnliches werden von den 25 Mitarbeitern hergestellt. „Wir können von Escada bis Chanel und stellen gute Qualität auf hohem Niveau her“, erklärt Geschäftsführer Uwe Hein. Die textilen Schmuckstücke finden in der Bekleidungs- und Schuhindustrie Verwendung, sowie für modische Accessoires und in der Druck- und Verlagsindustrie. Sie finden sich bei den sportlichen Hemden von Olymp genauso wie bei eleganten Kleidern von Chanel. „Unsere Erzeugnisse sind nicht zu vergleichen mit der billigen Massenproduktion aus Fernost“ betont Hein. Produziert wird in Deutschland. „Wir arbeiten mit Know-how, hochwertigen Materialien, flexibel und kundenorientiert“, so Hein, denn Wirkung und Ausdruck eines Kleidungsstückes lasse sich durch den Einsatz der Accessoires verändern, ob elegant, verspielt oder lieber sportlich.

Ein großes Sortiment steht dabei zur Auswahl. In der Produktionshalle sausen die Spulen der Flechtmaschinen mit einer Geschwindigkeit um die Wette, die kein Auge verfolgen kann. Eine Maschine ist schon laut, die große Anzahl in der Produktionshalle macht einen Höllenlärm. Hier ist Ohrschutz angesagt. Form und Breite der Bänder lassen sich durch Garnmaterial und Anzahl der Spulen beeinflussen. Das älteste Modell stammt noch aus den Anfangszeiten und rattert zuverlässig vor sich hin. Technisch hat sich nicht viel verändert, die Maschinen werden immer noch von Hand eingerichtet. 3000 Meter produziert eine Flechtmaschine in 5 Tagen, die Anzahl der Spulen, mit denen die Maschinen bestückt sind, liegt zwischen 8 und 81. Mehrere tausend Artikel hat der garnverarbeitende Betrieb im Angebot. In Metern sind die Produkte nicht anzugeben, es sind Kilometer an Längen, die hier lagern.

Der Betrieb ist weiter
in Familienbesitz

Webstühle sind im Betrieb aber nicht zu finden. Neben den Flechtmaschinen stehen in der oberen Etage noch die Häkelmaschinen. Auf ihnen werden Borten in unterschiedlichster Ausführung gefertigt, Tressen in Strickoptik und Fransen.

Firmengründer Carl Friedrich ist im Jahr 1970 verstorben, doch noch immer befindet sich der Betrieb in Familienbesitz. Die Enkelinnen führen die Tradition weiter, leben jedoch nicht in der Stadt. Für einen reibungslosen Ablauf sorgt deshalb seit über 15 Jahren Geschäftsführer Uwe Hein. Speziellen Kundenwünschen kommt er mit seiner Belegschaft gerne entgegen, so können beispielsweise auch Nieten oder Swarowskisteine verarbeitet werden. Daneben steht eine große Menge an Farbpaletten in unterschiedlichen Materialien zur Verfügung. Überwiegend würden die Artikel nach Kundenanforderung angefertigt, so Hein, aber man verfüge über ein großes Musterlager und festes Programm an Standardartikeln.

Rainer Rhefus vom Historischen Zentrum, der sich viel mit der Industriegeschichte Wuppertals befasst hat, kennt die Firma und das Gebäudeensemble. „Schön, dass es so etwas noch gibt.“

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