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Geistliche im Streifenwagen

Geistliche im Streifenwagen

Polizeiseelsorge: Wenn Polizisten das Erlebte aus den Einsätzen auf der Seele brennt, gehören die Polizeipfarrer zu den ersten Ansprechpartnern. Ihre Arbeit wird in Wuppertal koordiniert.

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p class="text"><strong>Wuppertal. Es gibt Dinge, die niemand gern sieht. Dinge, die nicht mehr aus dem Kopf gehen. Kinder, die bei einem Unfall gestorben sind. Gewaltopfer. Brandopfer. "Es gibt kaum etwas, was ich noch nicht gesehen habe", sagt Walter Helbig (Name von der Redaktion geändert). Mehr als 30 Dienstjahre hat der Wuppertaler Polizeibeamte hinter sich. "Es gibt Bilder, die mich bis heute gedanklich begleiten." Um die zu verarbeiten, brauchen auch die Freunde und Helfer manchmal Hilfe. Ein Ansprechpartner für die Polizisten sind die Polizeiseelsorger der Rheinischen Landeskirche. Die Arbeit der 25 Geistlichen, die zwischen Kleve und Saarbrücken tätig sind, wird von Wuppertal aus koordiniert - beim Landespfarramt für Polizeiseelsorge an der Missionsstraße. Um dessen Arbeit zu fördern und in Zeiten knapper kirchlicher Kassen abzusichern, wurde 2004 von der Evangelischen Kirche im Rheinland eine Stiftung ins Leben gerufen. Die Wuppertaler Stiftung Polizeiseelsorge ist eine Einrichtung, die es deutschlandweit nur einmal gibt. "Ich bin sehr froh, dass es die Seelsorger für uns Polizeibeamte gibt", sagt Walter Helbig. "Wir haben sehr viel mit Leid und Not zu tun - und wenn wir kommen, sehen wir selten in erfreute Augen." Eher in angstvolle, argwöhnische oder wütende. Wem so viel Misstrauen im Alltag entgegenschlägt und wer zugleich, wie die Beamten, die Macher- und Beschützerrolle gewohnt ist, der braucht sehr viel Vertrauen, bevor er sich selbst jemandem anvertraue. Die Pfarrer tun deswegen viel, dieses aufzubauen: Regelmäßig fahren sie mit auf Streife, besuchen die Wachen, suchen Gespräche.

"Ich bin gern für Polizisten da. Aber ich würde nie selbst Polizistin sein wollen."

Claudia Kiehn, Landespolizeipfarrerin in Wuppertal

"Es ist wichtig, dass wir den Alltag der Polizisten kennen", sagt Claudia Kiehn, Landespolizeipfarrerin und Stiftungsratsmitglied der Polizeiseelsorge, die von 1997 bis 2000 die Basisarbeit als Polizeiseelsorgerin in Wuppertal gemacht hat. "Wenn man einmal einen 18-Stunden-Dienst in Gorleben mitgemacht hat, mitgefroren und mitgewacht, dann wird man ganz anders anerkannt." Viel mehr jedenfalls, als "wenn man immer das Kreuz vor sich herträgt".

Als Missionare begreifen sich die Polizeiseelsorger nämlich bewusst nicht. Kiehn: "Wir laufen nicht rum und predigen." Vielmehr sei man als Mensch für einen Menschen in Not da - da spiele es auch keine Rolle, ob das Gegenüber evangelisch oder katholisch sei.

Diese Haltung kommt an, so Walter Helbig: "Man merkt schnell, der ist ja gar nicht so verkehrt, so als Pfarrer." Die Gespräche müssen sich nicht nur um schlimme Erlebnisse aus dem Dienstalltag drehen, sondern gehen genauso um private Probleme, Schwierigkeiten mit den Vorgesetzten oder den Kollegen. Und manchmal geht es doch auch um Gott.

Stiftung Die Stiftung Polizeiseelsorge wurde 2004 gegründet und unterstützt die Arbeit der Polizeiseelsorger in der Rheinischen Landeskirche.

Wuppertal In Wuppertal ist Pfarrer Michael Clauß als Polizeiseelsorger Ansprechpartner für die 2200 Polizisten in der Stadt.

Alltag Als authentischen Einblick in den Polizeialltag hat die Stiftung Polizeiseelsorge jüngst ein Hörbuch herausgegeben: "Aus der Seele gesprochen" erläutert die Erlebnisse von Beamten im Dienst. Mehr Infos und Bestellung unter Tel. 2820-350 und unter:

www.stiftung-polizeiseelsorge.de