Luisenviertel: Doris Stückrath stellt im Swane-Café aus

Luisenviertel : Doris Stückrath stellt im Swane-Café aus

Zum 80. Geburtstag zeigt Doris Stückrath ihre Ausstellung „Eine Zeitreise ins Jahr 1983“ im Swane Café / Dauer bis Ende August.

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Von Martin Hagemeyer

Farbe, Witz und Eigensinn: Die Ausstellung „Eine Zeitreise ins Jahr 1938“ bot zur Eröffnung ein Zusammenspiel der nicht alltäglichen Art. Das galt für Werk wie Künstlerin: Doris Stückrath feierte in Elberfelds Swane-Café ihren 80. Geburtstag — und das war nun Anlass wie Motiv.

Ein Tableau von 70 mal 50 Zentimetern - illustrierte acht Jahrzehnte, expressiv und schlaglichtartig. Der gemalten Bilanz - Geburt (links oben) bis Gegenwart (rechts unten) - entspricht eine besondere Biografie: Doris Stückrath stammt aus Pommern und floh als Kind im Zweiten Weltkrieg vor der Roten Armee. Kreuze und riesenhafte Skelette sprechen dazu ihre eigene Sprache. Erlebtes klang ebenso an wie der Holocaust. Über Nachkriegszeit und RAF ging es bis zu den Flüchtlingen unserer Tage. Ein Herzensthema Stückraths, die sich, selbst Geflüchtete,deutlich mit Kriegsmigranten identifiziert.

Kreuze und riesenhafte Skelette sprechen ihre eigene Sprache

Generell malt Stückrath figürlich, oft große, schöne Frauen mit eigentümlicher Ausstrahlung, dazu komische Elemente. Nicht zu eindeutig zu werden, scheint beim Rest der Ausstellung geradezu ein Anliegen: Bereits gemalte Gestalten werden zuweilen wieder unkenntlich gemacht — „vielleicht leben sie auch in einer anderen Zeit“, sagt sie lakonisch. Manchmal steht ein Schwein, ein Hund daneben. Surreal wirkt das alles, dabei doch individuell. Denn außer beim heutigen Hauptbild sind Stückraths Figuren zwar gern exemplarisch, aber auch dann voll Persönlichkeit.

Doris Stückrath war und ist ein lebensfroher Mensch. Das lässt sich erahnen, als sie zur Hippie-Zeit sacht andeutet: „Was da so alles getrieben wurde …“, und schließt: „Es war eine heitere Zeit.“ Dazu passt die Erinnerung eines prominenten Gastes im „Swane“: Cartoonist André Poloczek, bekannt auch aus Uwe Beckers Magazin „iTALien“, kennt Stückrath seit über 30 Jahren, seit sie gemeinsam einen Zeichenkurs besuchten. Die Teilnehmer saßen einander Modell, und Stückrath posierte typisch mit Zigarette in der einen, Glas Wein in der anderen Hand. „Hoch eigenwillig“ nennt er die Jubilarin und meint auch ihre Meinungsstärke. Und Gast Ralph Michael Beyer zieht aus anderem Grund den Hut vor Stückrath: „Ein wirklich netter Mensch mit Blick fürs Zeitgeschehen. Wenn man sie erlebt, hat man Hoffnung, im hohen Alter wach und aktiv zu bleiben.“

Die Ausstellung ist noch bis Ende August im Café Swane zu sehen.

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