Projekt der Lebenshilfe: Lebenshilfe Wuppertal fertigt Zeugnismappen für die Region

Projekt der Lebenshilfe : Lebenshilfe Wuppertal fertigt Zeugnismappen für die Region

Die Zeugnismappen für Wuppertal und viele andere Städte kommen von der Lebenshilfe in Cronenberg. Die Mitarbeiter fertigen aber noch viele andere Dinge des Alltags.

Cronenberg. Vor den Sommerferien haben sie wieder bei manchen Schülern große Freude und vielleicht schon beim Sitznachbarn Angst und Schrecken verursacht: die leuchtend roten Mappen, in denen für viele junge Wuppertaler das Zeugnis ruhte. Hergestellt werden die Mappen nicht etwa in China, sondern direkt vor der Haustür - in der Cronenberger Lebenshilfe-Werkstatt. An rund 13­ 000 Exemplaren haben zwölf Mitarbeiter mit geistiger Behinderung seit dem Frühjahr gewerkelt. Die Mappen werden seit mehr als 20 Jahren nicht nur im Tal verteilt, sondern gehen auch nach Remscheid, Wermelskirchen, Dortmund, Hilden, Ratingen, Velbert und Haan.

In diesem Jahr war die Arbeit besonders hektisch, berichtet Uwe Meyer, Technischer Leiter in Cronenberg. „Wir hatten weniger Zeit als sonst, weil unser Folienlieferant spät dran war.“ Am Anfang steht eine 0,25 Millimeter dicke PVC-Folie. „Die kommt bei uns auf einer Rolle an und wird dann wie Klopapier abgewickelt“, berichtet Meyer. Mit dem Hochfrequenzschweiß-Verfahren verwandeln die Lebenshilfe-Mitarbeiter die Folie in eine Mappe. Das dauere nicht einmal fünf Minuten. In einem zweiten Schritt wird das rote Werkstück - gesponsert jeweils von der entsprechenden örtlichen Sparkasse - dann per Siebdruckverfahren beschriftet und schließlich am nächsten Tag mit dem Innenleben ausgestattet. Erst mit Heftstreifen und Klarsichtfolien ist der Schülerschreck perfekt.

Rund 400 Mitarbeiter mit geistiger Behinderung und 106 unterstützende Fachkräfte arbeiten an der Heidestraße in Cronenberg und an der Straße Zandershöfe in Ronsdorf, wo die Lebenshilfe ihre Kfz-Werkstatt unterhält. Ihr größter Auftraggeber ist die Firma Schaeffler Technologies, für die die Werkstätten in der Schreinerei Transportkisten für Kugellager fertigen. Doch die Produktpalette der Mitarbeiter ist noch vielseitiger: So verlassen auch unzählige Mehrwegbecher die Produktionsstätten. Die Wuppertaler könnten sie auf dem Ölbergfest in der Hand gehalten haben. Und: „Beim Deutschen Katholikentag in Münster kamen 35 ­000 Stück davon zum Einsatz“, sagt Meyer. In der Werkstatt wurden die Becher bedruckt und teilweise auch gespült und gelagert.­

Ein weiteres Projekt ist die Seifenwerkstatt. Unter seife-und-salz.de im Internet lassen sich handgefertigte Seifen von der Lebenshilfewerkstatt bestellen. Der Renner sei eine Seife in Form der Schwebebahn.

Menschen mit einem Intelligenzquotient von 70 oder weniger haben einen Anspruch auf einen Werkstättenplatz und finden beispielsweise in der Lebenshilfe einen Arbeitgeber. Meyers Mitarbeiter können am Arbeitsalltag sehr unterschiedlich teilnehmen. „Manche sind so fit, dass sie sogar einen Führerschein machen können, andere sind auch körperlich sehr stark eingeschränkt.“ Meyer sagt: „Unsere Leute haben keine Leistungsverpflichtung.“ Das bedeutet, dass jeder so viel zum Produktionsablauf beiträgt, wie er kann. Ein vorgeschriebenes festes Ziel sei im Arbeitsvertrag nicht verankert. Wohl aber haben Mitarbeiter, je nach ihrer Funktion im Betrieb, ein unterschiedlich hohes Einkommen. Die Lebenshilfe versorgt ihre Mitarbeiter zusätzlich mit Essen und stellt ihnen in vielen Fällen eine Wohnung zur Verfügung. Laut Meyer erwirtschaften die Werkstätten gerade so viel, um sich selbst am Leben zu halten. Gibt es einen kleinen Gewinn, werde dieser ausgeschüttet. „Wir könnten wirtschaftlich nicht existieren, wenn wir keine Zuschüsse vom LVR erhalten würden.“

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