Breitbandausbau in Wuppertal könnte länger als 2021 dauern

Digitales : Breitbandausbau in Wuppertal könnte länger als 2021 dauern

Die Stadt will nach der gescheiterten ersten Ausschreibung nun mehrere mittelständische Unternehmen gewinnen.

Der Weg zum schnellen Internet wird für Wuppertal ein mühsamer. Für 3098 Haushalte, 121 Gewerbebetriebe und 18 öffentliche Einrichtungen sollen insgesamt 250 Kilometer-Kabel verlegt werden - was zu voraussichtlich 8000 bis 10 000 Einzelbaustellen führen wird. Doch kein Unternehmen will das machen. Am 13. August lag der Stadt kein Angebot vor, das die definierten Voraussetzungen erfüllt hat. „Wir waren mit mehreren Unternehmen im Gespräch“, sagt Guido Gallenkamp, Breitbandkoordinator bei der städtischen Wirtschaftsförderung.

In einer ersten Mitteilung der Stadt hieß es, dass sich das Projekt Breitbandausbau um mindestens drei Monate verschiebt. Wann wirklich die Kabel unter der Erde liegen, kann aber keiner sagen. Ohne ausführendes Kommunikations-Unternehmen, das wiederum ein Tiefbauunternehmen für die Verlegung der Kabel beauftragen muss, gibt es kein Breitbandprojekt.

Der Bund fördert den Ausbau des Internets in Wuppertal mit 10,6 Millionen Euro. Das Land hat eine Kofinanzierung in Höhe von weiteren 10,6 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Damit die Fördergelder nicht verfallen, müssen die Kabel eigentlich bis Ende 2021 verlegt sein. Guido Gallenkamp stellt allerdings in Aussicht: „Diese Frist kann im Notfall auch nach hinten verlegt werden.“

Das Projekt soll
aufgeteilt werden

Die Wirtschaftsförderung hat aus der ersten Ausschreibung gelernt. Gallenkamp sagt: „Große Unternehmen haben offenbar kein Interesse oder sind überlastet. Wir müssen gucken, dass wir jetzt einen Markt betreten, der noch nicht so abgegrast ist.“ So will die Stadt das Breitbandprojekt nun in mehrere „Kuchenstücke“ aufteilen, damit sich in einer nächsten Ausschreibung auch mittelständische Unternehmen bewerben können. „Das werden nicht nur zwei Teile sein, sonst kommen wieder nur die gleichen Anbieter in Frage“, sagt der Koordinator.

Mehr als 2000 Anschlüsse im Stadtgebiet verfügen über eine Internetgeschwindigkeit von weniger als 16 Mbit/s. Damit ist beispielsweise ruckelfreies Streamen von Serien und Filmen Glückssache - und in HD-Qualität fast unmöglich. An vielen Stellen im Stadtgebiet warten die Bürger sehnsüchtig auf das Update. Es gibt Straßenzüge in der Kohlfurth, in Beyenburg oder am Dönberg, wo sich die Bürger mit zwei Mbit/s-Leitungen begnügen müssen. Die WZ berichtete über ein international tätiges Unternehmen in Ronsdorf, das an seinem Standort nur eine ISDN-Leitung zur Verfügung hat.

Auch das betroffene Mischgebiet nördlich der Autobahnauffahrt Ronsdorf gehört zum geplanten Fördergebiet. Über den Rückschlag für seinen Stadtteil ärgert sich Bezirksbürgermeister Harald Scheuermann-Gieskes (SPD): „Das ist bedauerlich.“ Dass es aktuell auf dem Markt kaum verfügbare Bauunternehmen gibt, treffe eine Vielzahl von Projekten in der Stadt und sorge immer wieder für Stillstand. Ob die Stadt das Thema Breitbandausbau zu spät in Angriff genommen hat, wage er nicht zu beurteilen. »S. 16

Mehr von Westdeutsche Zeitung