Junior Uni: Bildungskonferenz: Wie Kinder Spaß am Lernen behalten

Junior Uni: Bildungskonferenz: Wie Kinder Spaß am Lernen behalten

Die Junior Uni lud Wissenschaftler und Entscheider zur Bildungskonferenz ein. Die Teilnehmer sahen, wie Kinder in den Kursen arbeiten.

Wuppertal. Wie richtet man einen Kursraum für die erste Stunde ein? Bei der Diskussion dieser Frage griffen die Teilnehmer eines Workshops an der Junior Uni sogar zu Hammer und Nagel — und skizzierten ihre Vorschläge mit bunten Holzplättchen auf einer Korkplatte. Denn schon die Verteilung der Möbel im Raum verändert den Umgang miteinander.

Eine lehrreiche Stunde mit praktischen Übungen erlebten die Teilnehmer eines Workshops an der Junior Uni, die zu einer Bildungskonferenz geladen hatte. „Wir möchten die Nachhaltigkeit der Junior Uni und die Notwendigkeit ihres dauerhaften Bestehens wissenschaftlich dokumentieren“, erklärte Junior Uni-Geschäftsführerin Ina Krumsiek.

Rund 100 Teilnehmer waren dazu jetzt in das bunt gestreifte Gebäude an der Wupper gekommen, darunter Lehrer und Schulleiter, Bildungsforscher der Bergischen Universität, Politiker, Unterstützer der Junior Uni aus der Wirtschaft und Vertreter einer Gruppe, die eine ähnliche Bildungseinrichtung in Mülheim plant.

Nach der Begrüßung durch Junior Uni-Ideengeber Ernst-Andreas Ziegler und dem Verlesen eines Grußworts von NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann ließen sich die Besucher sowohl in der Theorie als auch in der Praxis zeigen, wie die Junior Uni arbeitet und welche Kinder und jungen Menschen sie erreicht.

Gute Noten erhielt die Junior Uni von den Wissenschaftlern, die ihre Arbeit seit der Gründung 2008 untersuchen und bewerten. Kerstin Schneider, Leiterin des Wuppertaler Instituts für bildungsökonomische Forschung an der Bergischen Universität, und ihre Stellvertreterin Anna Makles erheben von Beginn an Daten über die Studenten — und stellen fest, dass die Junior Uni noch besser darin geworden ist, Kinder und Jugendliche aus allen Schichten anzusprechen, auch wenn Kinder und Jugendliche aus besser gestellten Milieus noch überrepräsentiert sind.

Erkennbar ist das zum Beispiel beim Thema Migration. In einem ersten Untersuchungszeitraum bis 2012 waren schon 35 Prozent der Junior Uni-Studenten aus Wohnvierteln mit einem hohen Migrantenanteil gekommen, bis 2015 ist dieser Anteil auf 40 Prozent angestiegen, bescheinigten die Wissenschaftlerinnen der Junior Uni.

Auch der Anteil der Mädchen in den naturwissenschaftlichen und mathematischen Kursen wuchs: von 39 Prozent in den ersten vier Jahren auf 43 Prozent in den Jahren 2013 bis 2015.

Cornelia Gräsel, Professorin am Institut für Bildungsforschung an der Bergischen Universität und Vorsitzende des Wissenschaftlich-Pädagogischen Beirats der Junior Uni lobte: „Mit ihren Angebot leistet die Junior Uni damit nicht nur einen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit. Sie sorgt auch dafür, dass alle Kinder und Jugendlichen gemeinsam lernen könne - unabhängig von ihrem sozio-ökonomischen oder ethnischen Hintergrund.“

Ein Grund für den Erfolg bei den jungen Studenten hat Physikerin Annika Schächt in ihrer Doktorarbeit festgemacht: Die Kurse wirken besonders gut, wenn es einen Alltagsbezug gibt. Nach den vielen Zahlen erhielten die Teilnehmer der Bildungskonferenz noch praktische Einblicke ins die Arbeit der Junior Uni. Sie erfuhren, wie Dozenten und Handwerker einen Kurs für Grundschulklassen entwickeln.

Sie ließen sich zeigen, wie die Junior Uni mit Experten aus der Praxis wie der Bergischen Musikschule, dem Zoo, dem Lackhersteller Axalta und dem Sanitätshaus Curt Beuthel zusammenarbeitet. Und sie lernten, wie die Anordnung von Tischen, Stühlen und Material im Raum dafür sorgt, dass Kinder neugierig und wissbegierig mit den Kursinhalten umgehen.

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