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Wuppertaler Schulen: Beim Primanertag den richtigen Beruf finden

Wuppertaler Schulen : Beim Primanertag den richtigen Beruf finden

Rund 1200 Schüler haben sich am Samstag im Schulzentrum Süd informiert.

  Das Wort „Primaner“ ist leicht antiquiert, doch der „Bergische Primanertag“ ist bei aller Tradition keineswegs von gestern: Zum 51. Mal hatten Schüler die Gelegenheit, sich groß angelegt über Studiums- und Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren. Allerdings an noch recht neuem Ort: Zum zweiten Mal kamen viele Fachvertreter und Schüler dafür im Schulzentrum Süd statt am Berufskolleg zusammen.

Im weiträumigen Pausenzentrum begrüßte Claus Wyneken, Mitorganisator und Schulleiter des Gymnasiums Am Kothen, rund 1200 Schüler, die mit Freunden oder Eltern zum Jung-Stilling-Weg gekommen waren: „Seien Sie neugierig!“ Er erwähnte den Fall eines zuletzt in der WZ vorgestellten Eritrea-Botschafters, der seine Berufswahl auch mit dem Primanertag begründete: „Finden auch Sie einen Beruf, der Sie überzeugt. So dass Sie vielleicht in 20, 30 Jahren sagen können: Damals habe ich mich beim Primanertag informiert.“

Unternehmen präsentieren
sich auch selbst

Neu in diesem Jahr: Einige große Unternehmen präsentierten sich mitten im Pausenzentrum selbst. „Diese Firmen bieten mehrere Berufe an“, erklärte Bastian Koecke von der Leitung im Gespräch diesen Schritt — diese Form sei daher sinnvoller, als ihnen je einen Raum für ein Fach zuzuweisen.

Zu den Ausbildungsbetrieben im Pausenzentrum gehörte unter anderem die Firma Coroplast. Über den Hersteller von Klebebändern und Kabeln informierten Mitarbeiter an Stehtischen, auf denen Flyer das in der Tat breite Spektrum abbildeten: Arbeiten kann man dort in kaufmännischen und technischen Berufen ebenso wie im Vertrieb oder Personalwesen. Mitarbeiterin Lina Steffen beschrieb ihren eigenen Werdegang als Beispiel dafür, welche Chancen der Betrieb biete: „Erst vor kurzem habe ich selbst meine Ausbildung abgeschlossen. Jetzt bin ich schon für die Azubis zuständig.“ Mahabat Barwari erzählte, dass Interessierte gern von ihren Erfahrungen hören, weil sie selbst noch in der Ausbildung ist. Wer zu den Einstellungsbedingungen etwas wissen wollte, hörte bei beiden von individuellem Vorgehen bei Coroplast: Statt von vorne herein auf Noten oder schulische Herkunft zu schauen, stelle man dort seinen Bewerbern gezielte Testaufgaben und entscheide danach.

Neugier fördern: Schüler sollen sich inspirieren lassen

Das Gros der Berufspräsentationen aber fand sich in der ersten und zweiten Etage. Dort reihten sich die umfunktionierten Klassenräume aneinander, die jetzt Berufsvertreter beherbergten. Analog zu dem Lageplan, den Besucher am Eingang erhalten hatten, war es leicht, seine präferierten Fächer zu entdecken. Die Anordnung war nicht thematisch und erlaubte auch, sich spontan inspirieren zu lassen: Wer etwa Bankkauffrau werden will, fand im ersten Stock ganz in der Nähe auch Auskunft zum Grafikdesigner oder zur Diplom-Sportlehrerin.

Prof. Dr. Michael Karbach beriet zum Physikstudium: Der Dozent der Bergischen Uni gab am Tablet übersichtlich Einblicke in den Aufbau. Vielleicht für viele neu war dabei die Gewichtung: „Nicht experimentelle oder theoretische Physik nehmen in den zwei ersten Semestern den größten Raum ein, sondern Mathematik.“

In Raum 239 wurden bei „Radprax“ Schüler fündig, die in Gesundheitsfachberufe hinein schnuppern wollten. „Radiologie... das ist doch irgendetwas mit Bestrahlung“ – wer so unbeleckt das Gespräch begann, hörte von Lisa Griechen zum Einstieg höfliche Zustimmung: „Das ist doch schon mal eine Menge.“ Schnell wurde es konkreter, und zusammen mit Elena Dazenko gab es erste Angaben zum Beruf des Medizinischen Fachangestellten.

Die Fach- und Firmenvertreter beim Primanertag kamen auch aus Eigennutz. Wie verschiedentlich anklang, nahmen bevorzugt solche Adressen teil, die sich mehr Zuspruch wünschen, mehr Studenten oder Azubis also. Was die Präsenz der Uni (über die Zentrale Studienberatung im Eingangsbereich hinaus) betrifft, war nicht der Anspruch, das Fächerspektrum komplett abzubilden. Die Fachbereiche entschieden, ob sie teilnehmen - und bejahen es im Zweifel, wenn ihnen der Zulauf fehlt. Und Betriebe kommen gern dann zum Primanertag, wenn sie sich mehr Abiturienten wünschen.

Dass die Vielfalt des Angebots groß war, daran bestand bei all der Auswahl jedenfalls kein Zweifel. Der Primanertag präsentierte sich für Berufssuchende erneut als eine reiche Quelle zur Orientierung. Mit Fakten und auch mit viel Zeit: Drei Freunde im Gang wollten zwar ihre Namen nicht nennen, berichteten aber anerkennend, dass man ihnen geschlagene eineinhalb Stunden gewidmet habe, um den Beruf des Arztes näher zu bringen: „In meiner Berufswahl hat mich das bestärkt.“