Geller - eine Schuhdynastie

Geller - eine Schuhdynastie

Klaus Geller hat sich sein eigenes kleines Schuh-Imperium aufgebaut - ein Motor auch für andere Geschäfte in Haßlinghausen.

Wer in Sprockhövel, Wuppertal, Schwelm oder Gevelsberg "Geller" sagt, meint Schuhe. Verantwortlich dafür ist Klaus Geller, der sich in 23 Jahren an der Haßlinghauser Mittelstraße sein eigenes kleines Schuh-Imperium aufgebaut hat und Kunden aus weitem Umkreis anlockt. Für den Einzelhandelsstandort Sprockhövel ein belebendes Element, für die Familie Geller eine Lebensphilosophie. Auch die Söhne Christian und Alexander arbeiten im Geschäft mit, Christian (35) als Geschäftsführer, Alexander (29) beratend. Er ist ausgebildeter Opernsänger und bastelt hauptsächlich in diesem Bereich an seiner Karriere.

Im Geller’schen Schuhgeschäft sind auf 800 Quadratmetern Modelle vereint, die man genauso in der Mailänder Skala, in der Sprockhöveler Einkaufszone oder auf dem Spielplatz tragen kann - ein Geheimnis des Erfolgs.

"Schuhe haben mich schon immer interessiert", sagt der 70-Jährige Klaus Geller und nimmt liebevoll eine handgefertigte Ledersandale aus den prall gefüllten Regalen. "Feine Materialien und edle Machart begeistern ihn stets aufs Neue. In den Schulferien jobbte der gebürtige Gelsenkirchener einst bei Tante und Onkel im Schuhladen und lernte nach der mittleren Reife das Geschäft als Groß- und Einzelhandelskaufmann von der Pike auf. Schon mit 28 Jahren war er in leitender Position bei einem Schuhfilialisten, später Geschäftsführer verschiedener Unternehmen der Branche.

Die Entscheidung, sich ausgerechnet in Haßlinghausen selbstständig zu machen, fiel auf seinen zahlreichen Fahrten von Hagen - wo er seit 40 Jahren wohnt - nach Düsseldorf. "Wenn die Autobahn verstopft war, bin ich immer in Sprockhövel ’rausgefahren und fand, hier ist ein idealer Platz", erzählt Geller. 1986 eröffnete er noch als Mieter der ehemaligen Plus-Filiale an der Mittelstraße sein Geschäft. "Es war der 26. September", ruft Sohn Christian über Stapel von Schuhkartons hinweg und ist ebenfalls ganz in seinem Element.

Hier berät der Chef oft noch selbst, ist für Kunden jederzeit da. "Damit heben wir uns von vielen Filialisten ab, bei denen selbst die Angestellten ihren Chef manchmal kaum kennen", sagt Christian Geller und verrät ein weiteres Erfolgsgeheimnis - den Service.

Rund 50 Angestellte - viele davon in Teilzeit - sind in Haßlinghausen beschäftigt. Weitere in der zweiten Filiale in Meinerzhagen, die ebenfalls seit Jahren mit Erfolg betrieben wird. Beratung wird groß geschrieben. Und die kann man auch gut gebrauchen, um sich angesichts von 30 000 Modellen in den eng stehenden Regal-Reihen auszukennen.

Auf Schnickschnack an Ausstattung verzichtet man bei Geller bewusst. "Nur so und durch die großen Stückzahlen können wir die Markenschuhe günstiger anbieten als die Konkurrenz", nennt Klaus Geller die dritte Säule der Geller’schen Philosophie. Das gilt selbst für exklusive Modelle, die die drei Gellers von Messen in Riva del Garda, Mailand, München oder Düsseldorf immer wieder mitbringen. "Alle sozialen Schichten wollen Schnäppchen", ist noch so ein Kernsatz von Klaus Geller.

In der Schuhbranche in NRW hat sein Name längst einen guten Klang, und so manche Kette würde wohl aufhorchen, wenn Geller größere Expansionsabsichten äußern würde. "Für uns ist das aber kein Thema. Wir sind in der Region verwurzelt", versichert Klaus Geller. "Man muss ja auch alle Läden noch selbst betreuen können, sonst wird es zu anonym", ergänzt Sohn Christian.

Demnächst wird man ihn und seinen Vater auch oft in Niedersprockhövel antreffen, wo in der ehemaligen Druckerei Steinbeck in den nächsten Tagen die dritte Geller-Filiale öffnet (siehe Kasten). "Wir hoffen, damit auch Kundenstämme aus Bochum und Hattingen erschließen zu können und haben vor allem viel Platz für unser Zentrallager", sagt Christian Geller zur Strategie, die hinter der Entscheidung steckt.

Auch er hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Um den hohen Ansprüchen des Vaters gerecht zu werden, absolvierte er ebenso wie der jüngere Bruder Alexander nach einer Banklehre ein BWL-Studium und war Filialleiter eines Hamburger Schuhhauses, bevor er 2001 beim Papa mit einstieg - seit 2003 als Mitinhaber. "Zwei Jahre musste er sich bewähren", schmunzelt sein Vater. Und dann huscht noch ein Lächeln über sein Gesicht: "Die dritte Generation steht schon in den Startlöchern", sagt er und meint Christians 16 Monate alten Sohn Max. Seinetwegen und weil weiterer Nachwuchs unterwegs ist, ist Klaus Gellers Schwiegertochter in der Babypause. Auch sie hat übrigens einst im elterlichen Schuhgeschäft gelernt - und passt perfekt in die Geller-Dynastie.

Mehr von Westdeutsche Zeitung