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Gebetsraum im Krankenhaus: Ein Ort für Hoffnung, Trauer und Trost

Gebetsraum im Krankenhaus: Ein Ort für Hoffnung, Trauer und Trost

Das Kreiskrankenhaus hat einen neuen Gebetsraum für muslimische Patienten.

Grevenbroich. Klein und verwinkelt ist das Dachzimmer im dritten Stock des Kreiskrankenhauses. Doch für Patienten muslimischen Glaubens ist es von nun an ein Ort des Gebets. Dienstag wurde das neu eingerichtete muslimische Gebetszimmer in der Klinik eingeweiht.

Für den Initiator der Einrichtung, den türkisch-islamischen Kulturverein, geht damit ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. „Für uns ist Beten so wichtig wie Essen und Trinken“, betont Imam Yavuz Aksu. Er ist erst seit drei Monaten in der Gemeinde tätig, doch die Idee geht sehr viel weiter zurück.

Zum Gesundwerden bedarf es neben der medizinischen Betreuung auch eines Gefühls von Geborgenheit, so die Erfahrung von Krankenhausdirektor Ralf H. Nennhaus. Für viele Patienten bedeutet dies Trost im Glauben an einen Gott, wie auch immer er in den verschiedenen Religionen genannt wird.

Doch bislang gab es keine solche Möglichkeit für Menschen nichtchristlichen Glaubens im Grevenbroicher Krankenhaus. Bereits vor 13 Jahren wurde an die heutige Bürgermeisterin Ursula Kwasny, damals noch Mitglied im Krankenhausausschuss, der Wunsch herangetragen, im Krankenhaus einen Gebetsraum für Muslime einzurichten. „Ihr Christen könnt zum Beten in die Kapelle gehen. Warum gibt es keinen solchen Ort für uns?“, so die drängende Frage.

Bis zu 700 muslimische Patienten werden jedes Jahr im Kreiskrankenhaus behandelt. Bislang mussten sie ihre Gebete im Krankenzimmer verrichten. „Aber gerade in Mehrbettzimmern fehlt dazu oft die notwendige Ruhe“, erklärt Tülay Öczan, Mitglied der muslimischen Gemeinde.

Wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus und der muslimischen Gemeinde selbst für Patienten auf dem letzten Weg sein kann, hat Angela Pauen-Böse von der katholischen Krankenhausbetreuung erfahren — für sie ein guter Grund, auch in Zukunft zu kooperieren. Es war an einem Sonntagmorgen vor zwei Jahren, als um 8.30 Uhr bei ihr das Telefon klingelte. Eine muslimische Patientin, Ende 30, lag auf der Station im Sterben, die Angehörigen waren aufgelöst vor Sorge und nirgends ließ sich ein religiöser Beistand finden — bis es mit Hilfe des Kulturvereins-Vorsitzenden Yahya Cakar gelang, den damaligen Imam der Grevenbroicher Gemeinde ans Sterbebett zu holen.

„Als er begann, die Gebete zu sprechen, geschah etwas Erstaunliches“, erinnert sich die Pauen-Böse. „Wir merkten, dass die Sterbende zusehends ruhiger und gelassener wurde, und wenige Stunden später verstarb sie in tiefem Frieden.“ Die Sterbende hatte darauf gewartet, die beruhigenden, segnenden Worte zu hören, ist die Betreuerin überzeugt.