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„Cow-Girl“ Ursula verschanzt sich im Weißen Haus

„Cow-Girl“ Ursula verschanzt sich im Weißen Haus

Grevenbroich. Sie war die meistgesuchte Frau in der Stadt. 100 000 Dollar sind auf ihren Kopf ausgesetzt. Mit ihren Cowboys und Indianern hatte sie sich im Weißen Haus verschanzt. Doch der jecken Belagerung konnte Bürgermeisterin Ursula Kwasny nicht widerstehen.

Sicher, die Narren mussten sie erst in Ketten legen, damit sie den Rathausschlüssel an das Gustorf-Gindorfer Dreigestirn abgab. Seit Donnerstag haben die Jecken um Prinz Markus, Bauer Jakob und Jungfrau Franzi die Macht in der Stadt — bis Aschermittwoch.

Doch ob das Amt des Stadt-Chefs immer ein Zuckerschlecken ist? Mancher mag da falsche Vorstellungen haben, betonte die Bürgermeisterin in ihrer Rede. Wer ins Rathaus will, nehme sich in acht, warnte sie, „er tappt in manche Falle, die ich mir auch nicht ausgedacht, da auch werd’ überwacht.“ Von wem? Natürlich von „Old Hans-Jürgen“, sprich: Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, der in Haushaltsfragen andere Interessen vertritt als die Bürgermeisterin.

Gut, dass in diesen Tagen erst mal Helau und Alaaf angesagt sind. „Manche Sachen können Karnevalisten halt besser als Politiker. Zum Beispiel Diplomatie“, war auch Grielächer-Altpräsident Reiner Landsch überzeugt.

Zum Start des Straßenkarnevals entfachten die Grevenbroicher ein Feuerwerk des Frohsinns auf der Marktplatz-Bühne. Mit dabei: Musik und Tanzgruppen der Vereine KG Grielächer Orken, Rot-Weiß Gustorf-Gindorf sowie der Karnevalsgesellschaft Rot Weiß Kläävbotze.

Allerdings vor eher spärlichem Publikum. Obwohl es trocken blieb und sich zwischendurch sogar die Sonne blicken ließ, hatten nur wenige Grevenbroicher den Weg auf dem Marktplatz gefunden. Ob es an der Konkurrenz in den Großstädten liegt, wie Ursula Kwasny vermutete? „Ihr könnt ja gern nach Köln fahren, aber erst am Mittag“, redete die Bürgermeisterin dem Feiervolk ins Gewissen. „Aber vorher denkt dran, dass ihr Grevenbroicher seid! Schließlich habt ihr auch alle das GV-Autokennzeichen gewollt.“

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge führte Reiner Landsch durch das Programm — zum letzten Mal nach 30 Jahren. Der 67-jährige Ehrenpräsident der „Grielächer“ blickte nicht ohne Wehmut zurück, denn in 52 Jahren Karneval und mehr als 30 Jahren als Sitzungspräsident erlebt man so einiges, erzählte er: „Es gibt so viele schöne Erinnerungen, die kann man gar nicht alle aufzählen.“

Klar gibt es wie in jeder Familie auch bei den Jecken manchmal Streit. „Aber wenn es auf Karneval zugeht, ist alles wieder vergessen, und wir feiern zusammen.“