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Tönisvorst: Wenn die Arbeit einfach nur laut ist

Ruhe, bitte! : Wenn die Arbeit einfach nur laut ist

Auf dem Bauhof der Stadt Tönisvorst kann von Ruhe keine Rede sein. Zu laut sind Maschinen wie Kreissäge oder Häcksler. Nur über die Feiertage kehrt in St. Tönis so etwas wie himmlische Ruhe ein.

Beim Lesen dieses Textes wird man es zwar nicht hören, aber trotzdem ist der Fall klar: Auf dem Bauhof der Stadt Tönisvorst geht es laut zu. Schlosserei, Schreinerei, Straßenunterhaltung, Grünflächenpflege – dass diese Bereiche nicht geräuschlos sind, versteht sich wohl von selbst. Der Bauhof im St. Töniser Gewerbegebiet Tempelhof ist kein Ort der Stille. Er ist ein Ort des Lärms. Da ist es nur logisch, dass sich die 30 Kolleginnen und Kollegen, die häufig im orangefarbenen Outfit unterwegs sind, besonders nach weihnachtlicher Ruhe sehnen.

„Das lauteste Gerät ist definitiv der Häcksler“, teilt das Presseamt der Stadt in der Recherche für diesen lärmenden Artikel mit. Im Umfeld des Häckslers, der in diesem Jahr wegen der vielen kranken Bäume öfter zum Einsatz gekommen sein dürfte, könne man einen Lärmpegel von rund 110 Dezibel messen. Zum Vergleich: Laut einer Behördentabelle hat es bei einem Flugzeugstart rund 120 Dezibel. Ähnlich unangenehm ist die Geräuschkulisse bei der Arbeit mit Motor- oder Kreissäge (etwa 100 Dezibel).

Experten achten auf die
Einhaltung der Vorschriften

Klar, dass der Bauhof ein besonderer Fall für den behördlichen Arbeitsschutz ist. Die Experten der Stadt Tönisvorst achten penibel auf die Einhaltung der Pflichten. Ab einem Wert von 80 Dezibel müsse der Arbeitgeber einen entsprechenden Gehörschutz vorhalten; ab 85 Dezibel sei das Tragen der entsprechenden Schutzvorrichtungen Pflicht. „Wir orientieren uns an den Herstellerangaben in der Bedienungsanleitung, in Einzelfällen kommt auch mal ein Messgerät zum Einsatz“, heißt es dazu von der Stadt Tönisvorst. Grundsätzlich sei es aber sinnvoll, dass bei entsprechenden Arbeiten immer ein Gehörschutz getragen wird.

Bei allem Lärm auf dem Bauhof ist nicht in Vergessenheit geraten, dass der Standort des städtischen Betriebs früher wesentlich idyllischer, ja vielleicht sogar ruhiger, war. Denn der Bauhof war mal ein Bauernhof. Nun wird es sicher so gewesen sein, dass es auch auf dem Wittenhof – so hieß das Anwesen früher – mal akustisch zur Sache gegangen ist. Aber letztlich dürften Kuh oder Kalb nicht die Dezibel-Werte einer Kreissäge erreicht haben.

Frühere Bauernhof-Idylle
ist noch spür- und erkennbar

Ein bisschen was von der Wittenhof-Idylle hat die Stadt übrigens auch auf den Bauhof übertragen können. Denn auf dem 5000 Quadratmeter großen Areal steht noch die Scheune, die mit einem schönen niederrheinischen Klinker versehen ist. In der Schreinerei soll nach Angaben des Presseamtes sogar so etwas wie wohlige Wärme herrschen. Denn dort, wo das Holz lagert, wird die Halle entsprechend beheizt. Nur so könne das Material etwas aushalten und auch bestens bearbeitet werden. Möglicherweise hat sich der eine oder andere Mitarbeiter an besonders kalten Weihnachtstagen schon mal in die Schreinerei zurückgezogen.

In der Regel sind aber während der Feiertage und auch „zwischen den Jahren“ nicht viele Mitarbeiter am Bauhof anzutreffen. „Es gibt einen Bereitschaftsdienst. Aber der muss sich ja nicht auf der Dienststelle aufhalten“, so die Stadt. Nach Weihnachten nutzen die Mitarbeiter, die Bereitschaft haben, ihren Dienst aber schon mal für „kleinere Arbeiten“. Was man eben so macht, wenn mal Zeit hat: aufräumen. Kennen Sie doch auch von zu Hause. wenn es an den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr mal in den Keller auf den Dachboden geht, oder?

Ansonsten dürfte jetzt gerade, wenn Sie diese Zeilen lesen, eine Art himmlische Ruhe auf dem Wittenhof herrschen. Denn an Heiligabend und den folgenden Weihnachtstagen ist keiner der städtischen Mitarbeiter vor Ort. Kein Hämmern, kein Sägen, kein Schleifen, kein Häckseln – alles ruhig.