Ruhe, bitte! : „Das fährt mich runter“

Durch das sogenannte Fitness-Yoga ist Sabine Hänisch aus Willich ihre Schmerzen los- und deutlich gelassener geworden.

Seine Mitte finden, im Einklang mit sich selbst sein – dann kann man in sich ruhen, ist gelassen. Ein Gemütszustand, den viele erst durch harte Arbeit an sich selbst erreichen. Die Willicherin Sabine Hänisch hat dies mit Yoga geschafft. Aber nicht durch „Ohm-Yoga“, wie sie selbst sagt, sondern durch Fitness-Yoga. Ist das erste eher meditativ und ruhig, kommt man bei der Hänisch-Variante ins Schwitzen. Eine Nervenentzündung und viele Gesundheitskurse mit wenig Erfolg brachten sie zum Yoga. „Schon nach der ersten Stunde ist es mir besser gegangen, nach zwei Tagen war der monatelange Schmerz weg. Das hat mich überzeugt“, sagt die 53-jährige Lehrerin. Sie sei zwar nach der ersten Stunde fix und fertig gewesen, aber der Erfolg habe sie motiviert. Sehr schnell habe sie ihre Beweglichkeit zurück erlangt. Und nun kann sie vom Yoga nicht mehr lassen.

Heute ist Sabine Hänisch seit gut zehn Jahren eine Yogini, wie man eine weibliche Yoga-Lehrerin nennt. Ihr Wissen gibt sie in Kursen des Willicher Turnvereins weiter. „Fitness-Yoga ist zwar tierisch anstrengend, aber es macht Spaß und bringt schnell Erfolg. Es tut gut, wenn sich Verklebungen auflösen.“ Zudem gehe es nicht darum, „mit der Nase auf die Knie zu kommen“, sondern um ein besseres körperliches Wohlgefühl. Hänisch: „Es sind die kleinen Erfolge, wie den Nacken beim Autofahren wieder drehen zu können oder die Socken anzuziehen, ohne umzufallen.“ Diese kleinen Sachen brächten dann auch größere Veränderungen.

Yoga als Lebensstil dagegen hat Sabine Hänisch nicht für sich entdeckt. „Das meditative Yoga mache ich nicht, das ist nicht mein Stil und mir zu ruhig“, sagt die Englisch- und Politiklehrerin. Dennoch gehört das richtige und bewusste Atmen ebenfalls zum Fitness-Yoga. Jeder ist beim Yoga mit sich selbst beschäftigt. „Ich sage den Frauen immer, schaut nicht auf eure Nachbarin. Vielleicht ist sie bei der einen Übung besser als du selbst, kann dafür aber eine andere nicht gut so gut wie du“, erläutert Hänisch. Wenn man sich nicht auf sich konzentriere, „fällt man aus der Übung raus“. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass sie, seitdem sie Yoga betreibt, deutlich gelassener ist. Das in den Bauch-Atmen ist ihr in „Fleisch und Blut“ übergegangen: „Es gibt Dinge, über die ich mich früher aufgeregt habe und heute nicht mehr.“ Das sei nicht nur im Familienleben wichtig, sondern vor allem auch für ihre Arbeit als Realschullehrerin in Krefeld. Auch ihre Kursteilnehmerinnen sagten oft: „Das fährt mich runter.“ Doch um den Erfolg der Yoga-Übungen auch dauerhaft zu genießen, muss man am Ball bleiben. Hänisch: „Ein- bis zweimal in der Woche sollte man schon die Übungen machen.“

Zum Yoga zieht es
hauptsächlich Frauen

In ihren Fitness-Yoga-Kursen sind ausschließlich Frauen. Der Grund, warum Männer nur schlecht dafür zu begeistern sind, so ihre persönliche Meinung, liege wohl darin, dass es beim Yoga keinen „Wettkampfaspekt“ gibt.

Besondere Voraussetzungen braucht es fürs Fitness-Yoga nicht. „Jeder muss selbst beurteilen, ob er die Übungen machen kann. Ich kann nicht auf gesundheitliche Probleme eingehen. Ich bin keine Physiotherapeutin“, sagt Hänisch. Eine Ausrüstung außer Sportbekleidung sei nicht nötig. „Matten haben wir vom Turnverein“, so die Yogini. Wer sich nun bei ihr für einen Kurs anmelden möchte, den muss sie enttäuschen: „Meine Kurse sind voll.“ Doch eine Yoga-Gruppe im Bereich Reha-Sport starte jetzt neu. Sie ist für Anfänger gedacht.