In Tönisvorst will er gestalten

In Tönisvorst will er gestalten

Lars Schaath ist neuer Fachbereichsleiter bei der Stadtverwaltung, weil er dort kreative Felder beackern kann.

Tönisvorst. Wer seine einst erfolgreich praktizierte Lieblings-Fortbewegungsart salopp als „Paddeln“ bezeichnen würde, der könnte einen in sich ruhenden Menschen wie Lars Schaath womöglich aus der Reserve locken. Als ehemaliges Mitglied der Nationalmannschaft „Wildwasserabfahrt“ des Deutschen Kanu-Verbands ist er unberechenbaren Untergrund mit Walzen, Wirbeln, Schwällen und Presswasser gewohnt.

„Eine tolle Sportart, anspruchsvoll. Ich habe zweimal täglich trainiert“ — das kann man nicht halbherzig machen. Im Wildwasser muss man wissen, worauf man sich allein und im Team einlässt, wie man seine Kräfte einteilt und die Technik dem Tempo anpasst.

Die vielseitige Beanspruchung wie in dieser Sportart, die Schaath bis zu seinem 27. Lebensalter praktizierte, begleitet ihn auch durch seine berufliche Laufbahn. Vor kurzem hat er den nächsten Karriereschritt gemacht. Schaath, in Mönchengladbach geboren, in Niederkrüchten aufgewachsen, Studium in Düsseldorf, hat seinen langjährigen Arbeitgeber, die Stadt Viersen, verlassen. Seit dem 1. Mai ist er Fachbereichsleiter in Tönisvorst. Bei der Stadt ist er zuständig für Personal, Organisation und IT sowie Erziehung und Bildung. Zur letztgenannten Abteilung gehören die Kindertages-, Jugendfreizeit- und OGS-Einrichtungen sowie die Stadtbibliothek.

Lars Schaath wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen, fünf und sieben Jahre alt, in Mönchengladbach.

„Die Stellenausschreibung hat mich gereizt“, sagt Schaath. „Organisation, Personal und der Bereich Kinder- und Jugend“ seien an einer Stelle gebündelt. „Es sind kreative Felder, die man gestalterisch und entwicklerisch angehen kann.“ Der Wechsel von Viersen (knapp 80 000 Einwohner) in die kleinere Nachbarstadt mit 30 000 Einwohnern habe ihn auch deshalb gereizt, „weil die Hierarchieebene mehr Maß an Gestaltungsmöglichkeit bietet“.

Vor allem im Bereich Schule, Erziehung und Bildung. Das sei „eine besondere Schnittstelle“, in der die Themen Personal, Digitalisierung und Organisation als Herausforderungen für die Zukunft zusammenkommen. Zu Schaaths Fachbereich zählen aktuell 170 Mitarbeiter.

„Das Personal ist unser Kapital“, sagt er. Das will er pflegen, neue Fachkräfte mit „einer guten Unternehmenskultur“ und Kommunikationsbereitschaft umwerben. Die Gewinnung von Fachpersonal werde das Thema der Zukunft. „Es wird zunehmend schwieriger.“ Schaath will Tönisvorst in eine gute Position steuern, frühzeitig Angebote schaffen, die Kapazität der Ausbildung erhöhen, wo es möglich ist. Eine Idee ist eine praxisintegrierte Ausbildung, in der Betrieb und Schule miteinander verzahnt werden.

Digitalisierung, ein weiteres Hauptthema unter Schaaths Regie, soll sich nicht nur auf Schulen beziehen. Er will weitere digitale Angebote für Bürger schaffen, ohne dabei nicht digital-affine Tönisvorster abzuhängen. Intern sollen Prozesse überprüft werden. Der digitale Auftritt der Stadt soll sich verbessern.

Ideen schöpft Schaath nicht nur aus einer langjährigen Verwaltungserfahrung, sondern auch als Mitglied im Gutachter-Ausschuss der KGSt, der kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement. Dort werden Themenfelder der Verwaltungen besprochen, Empfehlungen und Expertenberichte ausgetauscht, Lösungen entwickelt.

Kommunikation sei für ihn das A und O. Und die Bereitschaft, viele Menschen mitzunehmen. Diese Tugend spiegelt sich auch in seiner heutigen sportlichen Betätigung wider. Schaath trainiert das aus Hawaii stammende Kenpo-Karate. „Ich bin sozusagen vom Wasser aufs Land gewechselt.“ Die Philosophie des Sports: Nicht besser sein zu wollen als der andere, sondern sich mit ihm gemeinsam weiter zu entwickeln. Aus den ersten Verwaltungswochen und Ausschüssen in Tönisvorst hat Schaath diesen Eindruck mitgenommen: „Hier gibt es insgesamt noch mehr Nähe, die Themen sind noch enger an der Basis dran.“