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Von Schiefbahn an den Yukon: Goldgräber-Stimmung bei zwei Schiefbahnern

Von Schiefbahn an den Yukon : Goldgräber-Stimmung bei zwei Schiefbahnern

Nicki und Conner Keßeler sind in Dawson-City angekommen. Dort wollen sie auch nach Gold suchen.

Dawson/Schiefbahn. Nach rund 1000 Kilometern auf dem Alaska-Highway sind die Schiefbahner Conner und Nicki Keßeler mittlerweile in Dawson-City angekommen. In der legendären Goldgräberstadt am rechten Ufer des Yukon-Flusses, an der Mündung des Klondike Rivers gelegen, etwa 240 Kilometer südlich des nördlichen Polarkreises. Das haben sich die Schiefbahner für die nächsten Tage fest vorgenommen: Da dort für die Touristen sogar ein öffentlicher Claim abgesteckt ist, wollen sie ihr Glück als Goldwäscher versuchen…

Von Schiefbahn an den Yukon: Goldgräber-Stimmung bei zwei Schiefbahnern
Foto: Keßeler

Bis es soweit ist, haben die Zwei auf der Fahrt schon so allerlei erlebt. Dabei Bisonherden oder vereinzelt Schwarzbären gesehen, die den Highway vorsichtig überquerten. Nicki schmunzelnd: „Offenbar kennen einige der Bären sogar die Verkehrsregeln. So schaute einer erst nach rechts, dann nach links - und zottelte anschließend zielstrebig auf die andere Straßenseite.“

Es wurde unterwegs immer einsamer, die raue Landschaft immer skurriler, die Fahrt auf der oft löchrigen und staubigen Fahrbahn manchmal abenteuerlich. Da war es schon ganz gut, dass man unterwegs bei den Spaziergängen die Beine etwas baumeln lassen konnte. So gab es beispielsweise in Richtung Watson Lake am Liard River heiße Quellen, sogenannte „Hotsprings“, mit drei unterschiedlichen Becken, zwischen 35 und etwa 52 Grad Celsius warm. Auch wenn das Wasser nach faulen Eiern roch, genossen die beiden diese Abwechslung.

Einiges los war in der Stadt Whitehorse, der Hauptstadt des Territoriums Yukon mit etwa 26 700 Einwohnern. Da Nicki in einem Blog von ihren Eindrücken berichtet, brauchte sie dafür natürlich einen entsprechenden Internet-Anschluss. Den fand sie vor allem in einigen Fast- Food-Restaurants.

Die Zeit ihrer Berichte nutzte Conner, ein gelernter Schreiner, um sich mit seinem Fahrrad in den nahegelegenen Baumärkten einzudecken. Mal gut, dass der Schiefbahner auch technisch versiert war. So wurden unter anderem Probleme an der Automatikschaltung des alten Pick-Ups relativ schnell behoben.

Bislang lernten die Keßelers viele Leute kennen, Einheimische wie auch andere Touristen. So kamen sie, als sie einmal mehr auf einem großen Parkplatz bei einem Walmart standen, mit Francis und seiner Ehefrau Nicole ins Gespräch. Er ist Franzose, sie Belgierin, so Ende 60, Anfang 70. Die Eheleute waren vor einigen Jahren eingewandert, leben in British Columbia, schwärmten von Kanada und nutzen oft in ihrem geräumigen Busreisemobil die Gelegenheit, ihre nähere und weitere Umgebung zu erkunden. Das Bier und vor allem die von Nicole selbstgemachten Baguettes schmeckten beim abendlichen Plausch.

Die Welt ist klein. So entdeckten die beiden unterwegs ein Wohnmobil mit einem Krefelder Kennzeichen: Siggi und Ehefrau Uli aus Krefeld-Hüls waren auf der Weiterfahrt nach Alaska.

Es gab aber auch einige nicht so erfreuliche Begebenheiten. So in Yukon, als getankt werden musste. Der Tank fasste plötzlich mehr als sonst - und hinterher gab es die „Quittung“: Danach hatte man angeblich für 128 Canadische Dollar, also etwa 85 Euro, 57 Liter getankt. Nicki konnte sich über den hohen Preis kaum beruhigen, Conner schluckte, blieb aber gelassen.

Das ewige Autofahren in dem alten Ford auf den nicht gerade besten Straßen sorgte ab und an für etwas Frust. Hinzu kam, dass einige Orte, die man anfuhr, nicht viel zu bieten hatten. So gab es in Watson Lake, dem „Tor zum Yukon River“, eigentlich nur eine Tankstelle, eine Bar und die Touristen-Info. Jedenfalls sahen die beiden dort Tausende von Schildern, auf denen die Durchreisenden ihre Heimatorte geschrieben hatten, darunter viele Deutsche.

Die Schiefbahner sahen sich noch weitere Nationalparks und Museen an, erfuhren dabei unter anderem am Yukon-Fluss einiges über die Lachse und über ihre natürlich und künstlich erzeugten Wege zu den Laichgebieten und wieder zurück. Einige Tierheime wurden besucht, danach spazierten die Keßelers mit „Rocky“, einem Pittbull, und mit der Huskeydame „Shadow“ durch die Gegend. Ihr Traum bleibt, einmal bei einem großen Schlittenhunderennen mitzumachen, so beim „Yukon Quest“.

Besonders eindrucksvoll waren in Dawson City, ihrem bisher letzten Etappenziel, die liebevoll restaurierten Häuserfassaden. In einem Casino und bei kanadischen Filmemacher waren sie schon. Kennengelernt haben sie auch Eldo, Direktor der dortigen Kunstakademie, der ihnen sicherlich für das Goldschürfen noch Tipps geben wird.