Immer noch Stillstand im Stahlwerk Becker.

Denkmäler in Willich : Willicher Wasserwerk: Am Ende der Geduld

Projektentwickler Bodo Garden möchte den Umbau des Denkmals im Stahlwerk Becker nach wie vor voranbringen. Doch die Zeit wird knapp für ihn.

Seit 1992 saniert der gebürtige Willicher Bodo Garden als Projektentwickler denkmalgeschützte Gebäude. Vor allem im Raum Leipzig sammelte er damit sehr viel Erfahrung. Doch das denkmalgeschützte Wasserwerk im Stahlwerk Becker nennt er selbst „meine größte Herausforderung“.

Seit vier Wochen ruht die Baustelle. Dabei hatte es im Juni noch richtig gut ausgesehen: Der Bergisch-Gladbacher Harald Fett von der Projektentwicklungsgesellschaft Denk-mal Wasserwerk Willich GmbH kündigte sonntags in einer Presseerklärung den Baubeginn für den nächsten Tag an und versprach vollmundig, bis 2019 könnten die Mieter einziehen. Tatsächlich gab es danach einige Entkernungsarbeiten, bei der Pumpen und sieben von neun Tanks entfernt wurden. Doch das war’s dann auch.

Dass die Ankündigung von Harald Fett sehr vollmundig war, gibt Bodo Garden offen zu. Er selbst sei davon auch überrascht worden, sagt der Mann aus Wekeln. Wusste er doch, dass die Statik, Grundvoraussetzung zum Umbau des Gebäudes zu einem Geschäftsgebäude mit mehr als 900 Quadratmetern Nutzfläche, noch gar nicht gemacht worden war. Daran habe sich bis heute nichts geändert. Auch die Baukosten seien noch nicht ermittel worden. Die Rohbauarbeiten habe man deshalb noch gar nicht vergeben können.

Garden hält nach eigenem Bekunden mit einem Mitgesellschafter 25 Prozent der Projektentwicklungsgesellschaft. Der Rest liege bei Harald Fett, der als Geschäftsführer auch das Sagen habe. „Ich habe ihn aber als Investor geholt“, räumt Garden ein. Das sei ein Fehler gewesen. Es habe sich nämlich herausgestellt, dass Fett kaum Erfahrungen mit der Entwicklung von Denkmälern habe.

Ende 2015 hatten Fett, Garden und der dritte Gesellschafter das Wasserwerk gekauft. Im Herbst 2016 hieß es dann: „Noch in diesem Jahr beginnen die Bauarbeiten.“ Doch dann fehlt es am notwendigen Ankermieter. Der sei mittlerweile mit der Firma Techno Design zwar gefunden. Doch bei den weiteren Vorbereitungen haben man „eineinhalb Jahre verbaselt“, so Bodo Garden.

Bisher habe er noch nie ein Objekt begonnen, das er dann nicht hinbekommen habe, sagt der Willicher. Daran soll sich auch nichts ändern. Schon als Kind habe er auf dem Gelände des Becker-Stahlwerks den Guy-Fawkes-Day der britischen Streitkräfte besucht. Jeden Tag komme er am alten Wasserwerk vorbei. Nicht zuletzt wegen dieses engen persönlichen Bezuges will er unbedingt das klassizistisch geprägte Denkmal mit seinen 7,50 Meter hohen Fensterelementen unbedingt in neuem Glanz erstrahlen lassen.

Ob ihm dies gelingt, kann derzeit jedoch bezweifelt werden: Der Aufsichtsrat der Willicher Grundstücksgesellschaft (GSG) ist endgültig am Ende seiner Geduld angekommen, nachdem mehrfach Fristen für die Bauarbeiten nicht eingehalten wurden. Noch bis zum 20. September sei ihm in dessen jüngster Sitzung Zeit gegeben worden, anstelle von Fett einen neuen Investor zu finden, berichtet Garden. Dafür gebe es zwar drei potenzielle Kandidaten. Doch ob einer davon in der Kürze der Zeit tatsächlich unterschreibt, könne er nicht garantieren.

Willy Kerbusch als Geschäftsführer der Grundstücksgesellschaft bestätigt lediglich: Der Aufsichtsrat habe den Auftrag erteilt, dafür zu sorgen, dass das Projekt „zeitnah umgesetzt wird“. Dafür will die GSG das Wasserwerk von Fett und Garden zurückkaufen. „Und wenn wir es weiterverkaufen, werden wir das Investment durch eine hohe Sicherheitsleistung absichern“, so Kerbusch. Soll heißen: Wer künftig als Investor auftritt, muss zusätzlich Geld bezahlen, wenn er die gesetzten Fristen nicht einhält. „Wir gehen keine Risiken mehr ein“, betont Kerbusch.

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