Der in der Türkei geborene Maler Olcay Kuş, der in Berlin seinen Lebensmittelpunkt hat, zeigt ab dem 19. Januar seine Werke in der Motte von Schloss Neersen.

Kultur : Künstler lässt sich von Grafittis inspirieren

Der türkische Maler Olcay Kus zeigt ab dem 19. Januar seine Werke in der Motte von Schloss Neersen.

Im Januar beginnt in der Motte von Schloss Neersen das neue Ausstellungsjahr. Den Auftakt macht die Präsentation von Arbeiten des Malers Olcay Kus. Kus wurde 1985 in Izmir geboren, 2007 machte er sein Kunst-Diplom an der Universität von Izmir. Seitdem arbeitet er als freier Maler. 2010 zog Kus nach Istanbul um, seit 2018 ist Berlin Arbeits- und Lebensmittelpunkt für den Künstler.

„Es ist das erste Mal für mich, dass ich für einen so langen Zeitraum im Ausland arbeite und lebe, und das hat einen Effekt auf meine Arbeiten“, stellt Kus fest. Die Arbeiten, die der Künstler in der Galerie Schloss Neersen zeigen wird, sind alle in seiner Berliner Zeit entstanden. „Sie sind eine künstlerisch-mentale Gegenüberstellung dessen, wo ich herkomme und wo ich jetzt bin“, erklärt Kus.

Was ist Vorder-, was ist Hintergrund? Das mag man sich bei der Betrachtung manch eines Bildes fragen. Da liegen viele Schichten neben- und übereinander, die alle die gleiche Wertigkeit besitzen. Die flüchtig vermalten Flächen ebenso wie die hineingesetzten gesprayten Zeichen, die transparenten und klar konturierten Elemente sowie die Rechtecke mit sich absetzenden Motiven.

Mit diesen zeichnerischen Überlagerungen und diffusen Farbaufträgen, mit ihren Motiven wie abstrakten Zeichen, Köpfen, Händen lassen sie sofort an Graffiti-Zeichnungen denken, die direkt von den Hauswänden abgenommen zu sein scheinen.

Tatsächlich ist es so, dass Olcay Kus seine großstädtische Umgebung genau betrachtet und untersucht. „Street Art und Graffiti“, so führt er aus, „sind wichtige Inspirationsquellen für meine Bilder, nicht nur als Abbild, sondern ebenso als Wechselbeziehung zwischen den Hauswänden und dem täglichen und gesellschaftlichen Leben um sie herum.“ Und es sind ja vor allem die Großstädte wie Istanbul und Berlin, in denen eine lebendige Street Art-Kultur gepflegt wird.

Olcay Kus nutzt im Wesentlichen die traditionellen Techniken

Olcay Kus ist kein Straßenkünstler, aber er bedient sich der Ästhetik der Street Art zur Entwicklung seiner Bildwelten. Diese untergründige Wechselbeziehung zwischen Wänden und Leben spiegelt sich als interessanter Gedanke in Olcay Kus’ Bildern wider.

Die farbigen Spuren der Menschen, die in Istanbul oder in Berlin leben, erzählen von ihren Gedanken, Wünschen, Träumen. Die Menschen selbst, die diese an die Wände malen, sieht man nie. Sie wirken im
Verborgenen.

Olcay Kus tut dies nicht. Er arbeitet im Atelier und statt der Fassaden wählt er die Leinwand als Bildträger. Dabei nutzt er im Wesentlichen die traditionellen Techniken, indem er auf Leinwand, aber auch auf Papier malt und zeichnet. Seine Materialien sind Acryl und Sprühfarbe. Inspiriert von den Street-Artisten setzt er ebenso die Stencils, also Schablonen, ein, um seine Kompositionen zu erstellen.