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Ausstellung im Kunstfenster Kronenstraße in Vorst

Vorst : Kunstwerke zeugen von der Lust am Finden

Irgendwann hatte Martin Schüten gefühlt oft genug die immer gleiche Frage gehört, was er sich denn gedacht habe bei seiner Kunst. Der Künstler reagierte mit einem Fragenbogen an die Besucher seiner Ausstellung.

Diese sind im Kunstfenster Kronenstraße aufgefordert, mit einem knappen Ja oder Nein Eindrücke preiszugegeben.

Bereits ein erster Blick auf die ausgestellten Arbeiten lässt vermuten, dass Schüten nicht nur der Information wegen fragt. Schließlich spielt der Krefelder immer wieder aufs Neue mit dem Unausgesprochenen, dem Sinn und Unsinn hinter der Oberfläche und einer witzigen Provokation. Dabei wäre es eigentlich zu schade, schlichte Antworten zu bekommen und sich einer gedanklichen Entdeckungsreise zu entziehen. Der in Vorst geborene Künstler jongliert mit Zeichnung, Formgebung und Fundstücken. Haptik und Oberflächen sind offensichtlich ein Anliegen. Vielfach einbezogen sind Bambusstöcke, die den häufig vorhandenen Eindruck der Leichtigkeit unterstreichen.

Zwei Arbeiten sind auch für
Passanten gut zu sehen

„Das Material ist ihm sehr wichtig und die Lust zu finden“, sagt Renate Ottermann, die das Kunstfenster zusammen mit Frank Theelen (“Tönisvorster Buchhandlung“) betreibt. Für den Krefelder Künstler, der Kunstgeschichte und Philosophie studierte, ist die aktuelle Schau die dritte Ausstellung in der Kronenstraße 5.

Auch für Passanten gut sichtbar sind im Fenster zur Straße die beiden Objekte „leer I“ und „leer II“ zu sehen. Ob die rechteckigen, unterschiedlich hohen Kuben tatsächlich leer sind, vermag der Betrachter nicht zu sagen. Für ihn offensichtlich sind das signalhafte Rot des einen und das Blau des anderen Objekts. Kreisformen, in dem einen verborgen und in dem anderen offensichtlich, prägen Oberfläche und deren Spannung. Die Exponate sind oft nicht betitelt. Sind aber Titel oder vorgebliche Beschreibungen vorhanden, verwirren sie zunächst, um dann aber eine Spur zu legen. Zu der recht umfänglichen Bezeichnung „Mein Onkel rauchte dicke Zigarren und trank sehr gerne Bier“ gehört eine Collage verschiedener Elemente, die unter anderem Teer und Tabak andeuten. Es lohnt sich also ein zweites Mal hinzusehen.

In einem Raum sind jeweils drei sich ähnelnde Zeichnungen gereiht. Die dunkle Strichführung setzt sich schlicht vom hellen Grund ab. Drei übereck angeordnete Wandobjekte aus Silikon kehren das Verhältnis von Dunkel und Hell ins Gegenteil um. Zwei Arbeiten lassen sich als plastische Pendants zu den Zeichnungen identifizieren, doch die dritte ist nicht recht zuzuordnen. Auch hier zeigt sich wieder ein Augenzwinkern, mit dem Erwartungshaltung und Wahrnehmung in Frage gestellt werden. „Ich empfinde die Sinnlichkeit und Leichtigkeit in seiner Kunst. Das macht mir Spaß. Martin bringt die Betrachter auf eine Spur, damit sie für sich etwa aus seinen Werken herauskitzeln“, sagt Ottermann. Geöffnet: 2. Juni von 11 bis 18 Uhr n der Kronenstraße 5, Vorst.