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Das bietet die Schau von Herbert Soltys in der Alten Fabrik

Sehenswerte Ausstellung in der Alten Fabrik : Genaues Hinsehen bei Kunstwerken

In der Alten Fabrik sind aktuell unter dem Titel „Minimale Opulenz“ Arbeiten des Grazer Künstlers Herbert Soltys ausgestellt. Warum man bei seinen Werken ganz genau hinsehen muss.

(hb) Zuerst hat er sich die leeren Räume der Alten Fabrik in Kaldenkirchen angesehen, dann hat er ein Raumprogramm entworfen. So entstanden neue Gemälde extra für Nettetal. Jetzt ist die Ausstellung „Minimale Opulenz“ des österreichischen Künstlers Herbert Soltys (66) eröffnet. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf seinen aktuellen Zyklus, in dem das Bildnis des Menschen im Mittelpunkt steht. Dabei setzt Soltys seine eigenen Bilderfindungen in Verbindung zu Ikonen der Kunstgeschichte. So zitiert er die Köpfe oder Werke von Picasso, Beuys, Michelangelo, van Dyck, Jawlensky, Cockney oder Bacon. Seine Mona Lisa erhält dabei auch einen Unterleib. Das schwarze Raster in den Bildern Mondrians nimmt Herbert Soltys auf, indem er mit schwarzem Klebeband Streifen in seine Gemälde einfügt, dabei ihre geometrische Strenge auflöst.

Der Grazer Künstler liebt die Gegensätze: Kunstgeschichte und Aktuelles, Minimales und Opulentes, Gegenstand und Abstraktion. Der Künstler nennt es „meine Zerrissenheit“. Die Ausstellung ist richtig durchkomponiert. „Ich will nicht einfach Bilder aus dem Atelier nehmen und in weiße Räume hängen“, sagt Soltys zu seiner Präsentation in Nettetal. So schafft er nicht nur Bildräume, sondern auch Raumbilder. Da kann der 66-Jährige seine langjährige Arbeit und Lehre als Bühnenbildner nicht verleugnen. Ebenso wenig den Einfluss der Körperkunst von Günter Brus, ebenfalls in der Steiermark geboren, der in Graz inzwischen ein eigenes Museum erhalten hat. Als kreatives Energiebündel malt Herbert Soltys ohne Unterlass. Mit seinen Bildwerken tritt er nicht nur in den Dialog mit Werken und Ideen der Kunstgeschichte, sondern reflektiert auch Zeitgeist und Geschichte. Beuys mit Hut wird mit einer Frau im Dirndl zusammengebracht, eine Nazi-Figur wird demontiert, Michelangelos David begegnet der römischen Wölfin.

Es lohnt sich, genau hinzusehen. Seine Bilder erschließen sich nicht sofort, man muss in sie eintauchen. Genau hinsehen sollte man auch bei den Plakaten, die in Geschäften auf die Ausstellung hinweisen. Denn der Künstler hat in einige Plakate hineingezeichnet und sie so zu Originalen gemacht. Wer ein solches Original erkennt, kann es behalten. Herbert Soltys versteht das als ein „demokratisches Gegenmoment zum Kunstbetrieb“, den er ebenso gern bedient.

Bilder von Herbert Soltys, bis Sonntag, 18. Dezember, in der Alten Fabrik, Nettetal-Kaldenkirchen, Venloer Straße 38. Geöffnet freitags von 17 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr.