Weiterhin Unsicherheit bei De Beukelaer-Mitarbeitern

Kempener Werk : Die Ungewissheit der Mitarbeiter

Wie geht es für sie weiter? Das fragen sich die rund 270 Frauen und Männer bei De Beukelaer.

Das für 2020 geplante Aus des Kempener Werks von Griesson-De Beukelaer schwebt weiterhin wie ein Damoklesschwert über den rund 270 Mitarbeitern an der Arnoldstraße. „Alle wissen zwar, dass die Schließung ansteht. Dennoch besteht bei allen eine Ungewissheit, wie es weitergeht“, sagt Betriebsratsvorsitzender Detlev Büschges. Bislang seien sie weiterhin mit der Arbeit im Werk beschäftigt. Die Ernüchterung werde wohl erst vollends zuschlagen, wenn Kündigungen ausgesprochen worden seien, so Büschges.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Nach Angaben von Büschges befinden sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite weiterhin in Verhandlungen. In diese hat inzwischen eine sogenannte Einigungsstelle eingegriffen.

Diese sieht nach deutschem Arbeitsrecht vor, dass sie zu gleichen Teilen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite besetzt wird. Das Zünglein an der Waage ist dann ein unabhängiger Vorsitzender des Gremiums. Wie in anderen Fällen auch handelt es sich dabei im Fall De Beukelaer um einen Arbeitsrichter.

Derzeit bestehen zwischen den Parteien noch diverse Differenzen mit Blick auf die Eckpunkte von Interessensausgleich und Sozialplan. Unter anderem stehen dabei die 150 Mitarbeiter im Fokus, die älter als 50 Jahre sind. Denn für diese wird es aus Sicht des Betriebsrates schwer, nach dem Aus in der De-Beukelaer-Produktion einen adäquaten Arbeitsplatz in anderen Unternehmen zu finden.

Zu weiteren Details der laufenden Verhandlungen konnte der Betriebsrat keine Angaben machen. Es sei nun an beiden Seiten, eine Einigung zu erzielen. Andernfalls werde es wohl Ende Mai eine Entscheidung in der Einigungsstelle geben, bei der letztlich der Vorsitzende Richter die Richtung vorgebe. Sprich: Dieser hat dann die arbeitsrechtliche Macht, eine Entscheidung in der Sache zu treffen.

Auffällig ist die Mitarbeiter-Suche für den Standort

Unterdessen ist auffällig, dass Griesson-De Beukelaer für den Standort Kempen Mitarbeiter sucht. Und das trotz der Tatsache, dass man das Werk an der Arnoldstraße 2020 aufgeben will. Die Produktion der berühmten Prinzenrolle soll in ein modernes Werk nach Kahla in Thüringen verlagert werden (die WZ berichtete mehrfach).

Detlev Büschges hat von den befristeten Stellenausschreibungen für Kempen auch Notiz genommen. „Wir unterstützen das auch“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Die Auslastung des Kempener Werks sei hoch. Diese ganzen Aufträge müssten bearbeitet, die Produktion sichergestellt werden. Im Bereich der Produktion hätten zwar noch nicht viele Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Zur Belastung für die Firma könnte aber inzwischen ein „deutlich höherer Krankenstand“ werden, so Büschges.

Das Unternehmen selbst machte auf WZ-Anfrage keine ausführlichen Angaben zu den aktuellen Stellenausschreibungen. Diese hingen mit dem „regulären Geschäftsbetrieb“ zusammen. Zum Stand der Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite hieß es nur, dass diese weiterhin laufen.

Im November 2018 war die Bombe geplatzt und der geplante Rückzug von De Beukelaer sorgte in Kempen und am Niederrhein für Aufsehen. Als Grund für die komplette Verlagerung nach Thüringen nannte die Unternehmensführung damals „notwendige Investitionen in neue, flexible und effizientere Produktionslinien sowie in weitere Logistikkapazitäten“.

In Kempen sei eine Modernisierung im großen Umfang, wie es nötig sei aufgrund der baulichen und technischen Einschränkungen, nicht „wirtschaftlich realisierbar, zumal der Platz für zusätzliche benötigte Palettenstellplätze fehlt“. Aus diesem Grund habe sich das Unternehmen zu dieser „weitreichenden Maßnahme“ entschieden.

Millionen-Investitionen
in Thüringen

Die in Kempen wegfallenden Produktionskapazitäten sollen in Kahla, dem bisherigen Soft-Cake-Produktions-Standort, neu geschaffen werden. In Kahla wird weiterhin am Ausbau der Produktionsstätte gearbeitet, ebenso an einem neuen Hochregal-Lager.

Nach einem Bericht der „Thüringer Allgemeinen Zeitung“ investiert Griesson-de Beukelaer 100 Millionen Euro in den Standort in Kahla, den man kurz nach der Wende Anfang der 90er Jahre aufgebaut hatte.

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