Wohnungsgesellschaft des Kreises Viersen erhöht Bilanzsumme

Wohnungsbau im Kreis Viersen : Die GWG ist ein gefragter Partner

Kommunen fragen vermehrt bei der Wohnungs-Gesellschaft des Kreises Viersen an. Ein Engagement im Kempener Westen ist gesetzt.

Bezahlbarer Wohnraum hier, bezahlbarer Wohnraum dort – der Bedarf an Wohnungen ist in den Kommunen ungebrochen groß. Das spüren die 54 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft (GWG) für den Kreis Viersen zur Genüge. „Die Nachfrage nach neuen Projekten aus den Kommunen steigt. Ebenso steigt aber die Belastung der Mitarbeiter“, sagte Michael Aach, geschäftsführender Vorstand, im Rahmen der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch. Daher gehe die GWG das Thema neue Wohnungen weiterhin mit Augenmaß an. Man stelle sich zwar der Aufgabe, öffentlich geförderten Wohnraum zu schaffen. Ebenso wichtig sei aber auch die Instandhaltung der 4583 Wohneinheiten der GWG im Kreis Viersen sowie in Krefeld und Meerbusch.

Vorstand und Aufsichtsrat hätten auch schon darüber nachgedacht, mehr Neubau-Projekte anzugehen. Aus drei Gründen sei das aber nicht von heute auf morgen umzusetzen, so Aach. Am einfachsten wäre womöglich noch eine Kapital-Aufstockung durch die Aktionäre (Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Viersen und Sparkasse Krefeld). Schwieriger werde es schon beim Thema Personal. „Vor allem unsere Bauabteilung ist an der Hochlast“, sagt der geschäftsführende Vorstand. Und dann spiele auch noch die gute Auftragslage und der gleichzeitige Fachkräftemangel bei den handwerklichen Betrieben eine Rolle. Von jetzt auf gleich könnten derzeit keine Aufträge vergeben werden.

Nichtsdestotrotz hat der Vorstand nach eigenen Angaben bereits erste Projekt-Pakete für die Zukunft geschnürt. Unter anderem mit Blick auf Kempen, bekanntlich eine Stadt mit hohen Kauf- und Mietpreisen. Wie schon im vergangenen Jahr angekündigt, wird sich die GWG daher verstärkt in Kempen engagieren. Aach habe jüngst mit der Stadtspitze festgezurrt, dass die GWG im Baugebiet Kempener Westen ein Partner wird. „Das ist für uns gesetzt“, so der Vorstand. Ebenso gebe es Ideen für das Gebiet „Auf dem Zanger“ in St. Hubert. Ohnehin geplant ist ein Neubau auf einem GWG-Grundstück an der Hunsbrückstraße in St. Hubert. Aber: Aus den schon angeführten drei Gründen werden sich die Phasen von Planen und Bauen nicht verkürzen. Zudem werde die GWG darauf achten, dass „die Mischung stimmt“. Die Tätigkeiten seien keine Konkurrenz zur freien Wohnungsbauwirtschaft, sondern eine Ergänzung zu den Unternehmen der Region.

Bei allen Blicken in die Zukunft war die Gesellschaft in der Vergangenheit freilich nicht untätig – auch in Kempen und Grefrath. So in der Thomasstadt am Heyerdrink, wo eines der größten GWG-Projekte der vergangenen Jahrzehnte läuft. Im ersten Bau wohnen bereits die ersten Mieter. Den zweiten Bauabschnitt mit drei Mehrfamilienhäusern will die GWG im Herbst 2020 abschließen. Insgesamt investiert die Gesellschaft dort 13,5 Millionen Euro, um 59 Wohnungen zu bauen - 31 davon sind öffentlich gefördert (Netto-Kaltmiete 5,05 Euro pro Quadratmeter).

Kurz vor dem Projektabschluss steht die GWG in Grefrath an der Bahnstraße. Dort sollen 18 öffentlich geförderte Wohnungen in einem dreigeschossigen Neubau zum 1. Juli bezogen werden. Dort werden sowohl junge Familien als auch Paare und Alleinstehende einziehen. Wie am Heyerdrink kostet die Miete 5,05 Euro pro Quadratmeter.

Gesellschaft fährt einen Gewinn von 2,8 Millionen Euro ein

„Sehr zufrieden“ zeigte sich Aufsichtsratsvorsitzender Günter Werner mit der Bilanz für 2018. Die Bilanzsumme hat sich um 10,2 auf 190,2 Millionen Euro erhöht. Dieser Anstieg gehe im Wesentlichen auf das neu geschaffene Immobilienvermögen zurück. Unterm Strich fährt die GWG einen Gewinn von rund 2,8 Millionen Euro ein. Zwei Millionen Euro davon fließen in die Rücklagen. Die Aktionäre erhalten eine Dividende von 26 Euro je Aktie (402 000 Euro).

Landrat Andreas Coenen, der auch im Vorstand der GWG ist, hob die gute Leerstandsquote bei den 4583 Wohneinheiten hervor. Der marktbedingte Leerstand betrage nur 1,3 Prozent (58 Wohnungen). „Das ist ein außerordentlich gutes Ergebnis“, so Coenen. Ein Zeichen dafür, dass die Arbeit der GWG gebraucht und geschätzt werde.

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