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Kreis Viersen: Stromlieferung durchs Erdkabel

Kreis Viersen : Stromlieferung durchs Erdkabel

Die 300 Kilometer lange Leitung wird möglicherweise auch im Kreis Viersen verlegt. Kempen, Tönisvorst und Willich liegen im Untersuchungsgebiet

Kempen/Kreis Viersen. Während sich das Planverfahren für die Gasleitung Zeelink auf der Zielgeraden befindet, steht dem Kreis Viersen schon das nächste große Energie-Projekt ins Haus. Der Stromkonzern Amprion plant eine Erdkabeltrasse, die den Strom aus Ostfriesland in den Süden der Republik leiten soll. Das 300 Kilometer lange Erdkabel wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf Krefelder Gebiet und im Kreis Viersen verlegt. In Krefeld gab es nun eine erste Infoveranstaltung für die betroffenen Kommunen. Dort wurde der derzeit bestehende Untersuchungsraum vorgestellt: Darin liegen unter anderem die Städte Kempen, Willich und Tönisvorst sowie die Gemeinde Grefrath.

Jonas Knoop, Projektverantwortlicher von Amprion

„Welchen Trassenverlauf wir letztlich vorschlagen, ist noch völlig offen“, sagt Jonas Knoop, Projektverantwortlicher bei Amprion, auf Anfrage der WZ.

Der Untersuchungsraum, in dem man mögliche Flächen geprüft habe, sei zwischen 35 und 40 Kilometer weit gefasst. Spätestens im März 2018 werde dann seitens Amprion der zuständigen Bundessetzagentur eine sogenannte Bundesfachplanung zur Einleitung vorgelegt. Darin sei ein etwa ein Kilometer breiter Trassenverlauf zu finden. Für die Baggerarbeiten zur Verlegung der Trasse würde dann letztlich eine Breite von rund 35 Metern benötigt. Nach Angaben von Knoop kann der Konzern den Kommunen den möglichen Trassenverlauf vorstellen.

Bis es letztlich zu einer Umsetzung des Millionenprojektes kommt, werden noch einige Jahre vergehen. Allein die Beteiligungsverfahren sind ähnlich wie beim Zeelink-Gastelitungs-Projekt umfangreich. „Neben den Kommunen sprechen wir mit den zuständigen Bezirksregierungen. Dazu kommen Vertreter der Landwirtschaft und Naturschutzverbände“, so Knoop. Und schließlich auch mögliche Eigentümer von betroffenen Privatgrundstücken. Der Dialog dazu laufe bereits seit rund eineinhalb Jahren.

Frühestens 2021 könnten zwischen Emden in Ostfriesland und Meerbusch-Osterath, wo ein sogenannter Netzverknüpfungspunkt entstehen soll, die Bagger für die Erdkabelleitung rollen. Eine Fertigstellung werde für 2025 avisiert.

Im Kempener Rathaus ist man nach dem Termin im Krefelder Stadtwaldhaus noch nicht viel schlauer. Planungsamtsleiter Heinz-Peter Cox geht aber davon aus, dass es das Kempener Stadtgebiet in „irgendeiner Form treffen wird“, wie er in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses mitteilte. „Wir dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass sich gerade der Bereich zwischen Hüls und Kempen für solche Projekte anbietet.“ Die Stadt werde bereits vorsorglich darauf hinweisen, dass das Naturschutzgebiet „Tote Rahm“ bei diesem Stromprojekt zu schonen ist. Gerade in Verbindung mit den laufenden Überlegungen in Sachen Gasleitung Zeelink in diesem Bereich habe die Stadt Kempen Bedenken, „die wir frühzeitig anmelden werden“, so Cox.

Heinz-Peter Cox, Planungsamts- leiter der Stadt Kempen

Die Stromtrasse mit Namen A-Nord ist nach Angaben von Amprion die Folge der Energiepolitik der Bundesregierung und des Ausstiegs aus der Atomkraft. Alternativ soll der Strom aus den Windparks an der Nordsee weitestgehend über Erdkabel bis nach NRW transportiert werden. Ab dort soll er per Freileitung bis nach Philippsburg im Landkreis Karlsruhe weitergeleitet werden, wo 2022 das Atomkraftwerk vom Netz geht. Nichts zu tun hat das Großprojekt im Übrigen mit der geplanten und umstrittenen Hochspannungsleitung im Krefelder Süd-Westen (Bereich Tackheide). Dort ragen Masten ohne Leitungen in die Höhe. Der von Amprion bevorzugte Bau einer Freileitung zwischen Wesel und Osterath wurde per Gerichtsbeschluss durch eine Klage der Stadt Krefeld gestoppt. Die Umweltverträglichskeitsstudie war nicht vollständig. Die Entscheidung steht noch aus.

Wie Amprion nun bei der Info-Veranstaltung in Krefeld deutlich machte, erwartet der Konzern beim Erdkabel-Projekt keine ernsten Widerstände wie beim Bau von Hochspannungsleitungen. Die Erwärmung des Bodens sei, so Jonas Knoop, zu vernachlässigen, die Kabel würden bodenschonend verlegt. Das heißt, der Graben werde später mit dem Aushub wieder verfüllt. Im Boden verlegt würden parallel zwei Leitungsstränge mit jeweils drei Leerrohren, in die später die Erdkabel eingezogen werden.