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SPD Grefrath: Großer Krach um Kandidatur von Roland Angenvoort

Bürgermeister-Wahl : SPD Grefrath: Großer Krach um Angenvoort-Kandidatur

Dass die SPD mit Roland Angenvoort einen eigenen Kandidaten ins Rennen ums Bürgermeisteramt schicken will, ist sehr umstritten. Urgestein Jochen Monhof will die Partei verlassen.

Roland Angenvoort will Bürgermeister werden. Am späten Donnerstagabend hatte die Grefrather SPD einen Vorstandsbeschluss veröffentlicht, nach dem der frühere Parteivorsitzende nun für die Sozialdemokraten ins Rennen gehen soll. Angesichts einiger Querelen in der Partei, über die die WZ nun unterrichtet wurde, ist es aber noch ungewiss, ob die SPD-Mitglieder Angenvoort überhaupt ins Rennen schicken wollen.

Am Montag lag ein anonymes Schreiben im Briefkasten der WZ. Darin heißt es, dass Angenvoorts Nominierung im Parteivorstand alles andere als einstimmig erfolgt ist. Demnach habe es ein Votum von 5:3 für Angenvoort gegeben. Und die drei Gegenstimmen seien von prominenter Stelle gekommen: Jessica Steinmüller (Vorsitzende), Bernd Bedronka (stellvertretender Vorsitzender und Fraktionschef) sowie Rita Baumgart (Fraktionsgeschäftsführerin und Beisitzerin).

Steinmüller bestätigt ihre eigene Gegenstimme und die ihrer Kollegen auf Anfrage der WZ. „Nach intensiven Überlegungen waren Bernd Bedronka, Rita Baumgart und ich in der Vorstandssitzung der Meinung, dass die SPD aus taktischen Gründen keinen eigenen Kandidaten aufstellen sollte“, so Steinmüller. Das Trio habe dahin tendiert, die Kandidatur des Grefrather Wirtschaftsförderers Jens Ernesti zu unterstützen. Das Grünen-Mitglied strebt eine unabhängige Kandidatur an. Die Unterstützung von Grünen, FDP und der neuen Wählergemeinschaft GOVM ist ihm bereits sicher. „Unsere Überlegung war, dass ein SPD-Kandidat, egal wie er heißt, dem unabhängigen Kandidaten Ernesti Stimmen kosten könnte“, so Steinmüller. Und man so eher der CDU mit ihrem designierten Kandidaten Stefan Schumeckers in die Karten spiele.

Vorstand steht geschlossen
zu demokratischem Beschluss

Nun habe es im Vorstand aber einen demokratischen Beschluss gegeben, „zu dem wir gemeinsam stehen“, sagt Steinmüller. „Ich betone ausdrücklich, dass der Vorstand nun gemeinsam für Roland Angenvoort kämpfen wird“, so die Vorsitzende, die inzwischen auch der Meinung ist, dass ihr Parteifreund gute Chancen hat, Bürgermeister zu werden. Schließlich sei der CDU-Kandidat Schumeckers „keiner aus der ersten Reihe“. Das habe zum Zeitpunkt der SPD-Vorstandssitzung noch nicht festgestanden. Steinmüller werde den Mitgliedern in den nächsten Tagen noch einmal per E-Mail darlegen, wie der Standpunkt des Vorstands ist. „Nämlich, dass wir Roland Angenvoort bei der Mitgliederversammlung am 8. Dezember unterstützen werden.“

Die SPD steht also vor einer spannenden Versammlung, denn letztlich werden die Mitglieder das Wort haben. So wie es Steinmüller und Bedronka in der Pressemitteilung zur Angenvoort-Nominierung schon in der vergangenen Woche angekündigt hatten: „Unter TOP 8 „Vorstellung und Wahl des Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl 2020“ erwarten wir – wie zu allen anderen Tagesordnungspunkten – eine offene und konstruktive Diskussion. Die Entscheidung sowohl in grundsätzlicher als auch personeller Hinsicht liegt ganz allein bei unseren Parteimitgliedern.“

Zusätzliche Brisanz erhält das Thema, weil eine frühere SPD-Führungsfigur die Aufstellung eines eigenen Kandidaten keineswegs mittragen kann und will. Der frühere Fraktionschef Jochen Monhof hat dem Vorstand mitgeteilt, dass er zum 1. Dezember aus der SPD austreten wird. Ein entsprechendes Schreiben Monhofs an Parteichefin Steinmüller wurde der Redaktion ebenso anonym zugespielt. Beide bestätigen Existenz und Inhalt des Briefes. Monhof habe seinen Austritt „mehreren Mitgliedern“ angekündigt. „Dass dies nun in Richtung Presse lanciert wird, ist aber keineswegs in meinem Sinne“, so Monhof am Montag gegenüber der WZ.

Monhof, der sich zum 1. September aus gesundheitlichen Gründen vom Fraktionsvorsitz zurückgezogen hatte, erklärt im Brief seine Irritationen ob der Angenvoort-Kandidatur. Dieser habe nämlich schon Anfang 2018 signalisiert, nicht zur Verfügung zu stehen, schreibt Monhof. Daraufhin habe er das Gespräch mit Jens Ernesti gesucht. Und in diesem sieht Monhof auch einen geeigneten Bürgermeister. „Ziel der Unterstützung eines unabhängigen Kandidaten war ja auch, zu verhindern, dass ein CDU-Kandidat Bürgermeister wird“, so Monhofs Worte im Brief. „Die Kandidatur von Roland ist somit auch eine taktische Fehlentscheidung“, schreibt Monhof an Steinmüller. „Wie ich an verschiedenen Stellen zum Ausdruck gebracht habe, werde ich die Kandidatur von Jens Ernesti offen und entschieden unterstützen. Das lässt sich nicht mit einer SPD-Parteimitgliedschaft vereinbaren.“

Deutliche Kritik übt Monhof in seinem Austrittsgesuch an Angenvoort selbst. Dieser sei vor einem Jahr vom Parteivorsitz abgerückt und wollte laut Monhof aus Partei und Fraktion austreten, aber sein Ratsmandat behalten. Letztlich habe Bernd Bedronka dann schlichten können, so dass Angenvoort stellvertretender Bürgermeister und Vorsitzender des Schulausschusses blieb. „Anschließend wurde den Mitgliedern die Geschichte der beruflichen Belastung erzählt“, schreibt Monhof. Dieser zweifelt also offen an, dass sich Angenvoort aus beruflichen Gründen vom Parteivorsitz zurückgezogen hat. „Für alle Informierten war eigentlich klar, dass eine Kandidatur von Roland für das Amt des Bürgermeisters somit ausgeschlossen war“, schreibt Monhof nun an die Vorsitzende.

Jochen Monhof ist nach eigenen Angaben persönlich von Angenvoort enttäuscht und kann seine Kandidatur daher nicht unterstützen. „Ich sehe – nach langjähriger Erfahrung mit ihm als Parteivorsitzender – auch keine fachliche Eignung für das Amt des Bürgermeisters“, so Monhofs deutliche Worte.

Roland Angenvoort erfuhr am späten Montagnachmittag von der WZ vom Austritt und den Aussagen Monhofs. „Das überrascht mich. Und ich bin sehr enttäuscht“, so Angenvoort. Misstöne zu seiner Kandidatur, für die er sich schon im Spätsommer entschieden habe, seien nicht bei ihm angekommen. Im Gegenteil: „Von Vorstand und Mitgliedern, aber auch von Bürgern und Unternehmern außerhalb der Partei erhalte ich viel Zuspruch“, so Angenvoort. Er sei davon überzeugt, dass er am 8. Dezember einen großen Rückhalt der Versammlung erfahren wird.