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Heilpraktiker wegen fahrlässiger Tötung von Patienten angeklagt

Heilpraktiker wegen fahrlässiger Tötung von Patienten angeklagt

Ein zu starkes Mittel soll drei Menschen das Leben gekostet haben.

Brüggen/Krefeld. Ein Heilpraktiker aus Brüggen muss sich wegen des Todes dreier Krebspatienten vor dem Landgericht in Krefeld verantworten. Mit einer ungenauen Waage soll Klaus R. tödlich überdosierte Infusionen hergestellt und verabreicht haben.

Das Gericht habe die Anklage der Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung geprüft und zur Verhandlung zugelassen, teilte ein Gerichtssprecher am Dienstag mit. Wann der Prozess startet, stehe noch nicht fest. Angeklagt wird der Heilpraktiker wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen und fahrlässigen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz in vier Fällen.

Die Staatsanwaltschaft Krefeld wirft dem aus den Niederlanden stammenden Mann vor, im Juli 2016 in seiner Praxis für vier Patienten erheblich überdosierte Infusionslösungen mit dem Wirkstoff 3-Bromopyruvat hergestellt zu haben. Die Dosis des Wirkstoffs, der Krebszellen in den Zelltod führen soll, sei um das Drei- bis Sechsfache des Statthaften überschritten worden. Das somit in seiner Qualität erheblich geminderte Arzneimittel habe R. vier Patienten intravenös verabreicht, drei von ihnen seien gestorben.

Nach Erkenntnissen der Ermittler nutzte der Angeklagte zur Zubereitung der Infusionslösungen eine für diesen Zweck ungeeignete Waage. Darüber hinaus hätte er keine Kontrollmechanismen vorgesehen, um die auf das Körpergewicht und die Konstitution des Patienten abgestimmte Dosierung des Mittels zu überprüfen. Der Heilpraktiker hatte sich zu den Vorwürfen umfangreich eingelassen und den Ermittlern mehrere Tage lang Rede und Antwort gestanden. Insgesamt hatten die Ermittler rund 70 Todesfälle untersucht.

Der Kreis Viersen hatte dem Heilpraktiker die Arbeitserlaubnis für den Kreis Viersen entzogen. Klaus R. praktizierte daraufhin im Kreis Wesel. Die Todesfälle hatten jüngst zu einer bundesweiten Debatte über das Heilpraktikerwesen geführt. Vor einem Monat hatten die Gesundheitsminister der Bundesländer beschlossen, eine Reform auf diesem Gebiet anzugehen. mrö/dpa/epd