Wülfrath: Die Farbenpracht einer blühenden Wiese

Wülfrath: Die Farbenpracht einer blühenden Wiese

Das Sinfonieorchester Niederberg begeistert in der kalten Stadtkirche.

Wülfrath. Wenn Zuhörer warm eingemummelt in Hut, Mantel und Schal in den Bänken hocken, handelt es sich um ein Konzert der besonderen Art. Dann nämlich werden für die wunderbare Akustik der evangelischen Stadtkirche gerne arktisch-ähnliche Temperaturen akzeptiert. So wie am Freitagabend beim Sinfonieorchester Niederberg (SON), das mit seinem aktuellen Programm gastierte.

Mit Beethovens möglicherweise gelungenster Ouvertürenkomposition, nämlich "Coriolan" in c-moll, op.62, einem schwungvollen, dramatischen und mitreißenden Stück Musik, eröffnete das SON, um 15 Minuten später - so schnell war das Klangspektakel leider beendet - mit Franz Schuberts Symphonie Nr.5 in B-Dur fortzufahren. Jenseits dessen, dass das SON unter der Leitung des sympathisch unaufgeregt dirigierenden Francesco Savignano überaus beschwingt aufspielte, war es der Kontrast im Notenwerk beider Komponisten, der auffiel und begeisterte.

Mutete "Coriolan" als düster-geniales Dramolett an, erinnerten Schuberts Allegro, Andante con moto, Menuetto und Allegro vivace eher an blühende Sommerwiesen oder eine hörbar gemachte, groß angelegte Farbsymphonie im Stile Claude Monets.

Schon in der Pause, die übrigens nicht allein zur Erholung der Musiker angesetzt wurde, sondern weil die Organisatoren das Glockengeläut Punkt 21 Uhr als Störfaktor aus dem Konzert ausgrenzen wollten, wurde klar: Das Publikum war, obwohl frierend, von der Darbietung sehr angetan. Einhellig bejubelt wurde später das eigentliche Herzstück und der Hauptteil des Konzerts, das Violinkonzert Johannes Brahms’.

Hier trumpfte Solistin Anna Heygster auf. Deren Arbeit an der Geige war leidenschaftlich, versunken und stilistisch einwandfrei. Und obwohl dieses Violinkonzert in D-Dur staubbelastet hätte sein können, klang es Dank Anna Heygster frisch und mitreißend, zwar etwas glatt poliert, dafür aber mit viel Goldklang.

So viel Können und Inbrunst wurde selbstverständlich frenetisch bejubelt, faszinierte Zuhörer wie Kirchenmusiker Thomas Gerhold sprangen begeistert auf, um stehenden Beifall zu spendenb.

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