Hier schlägt das Herz des Brunnens

In einer Betonkiste befindet sich die Technik der Anlage Im Orth, die das Wasser sprudeln lässt.

Neviges. Das war schon aufregend, als sich gestern morgen ein schwerer Autokran und ein großer Sattelschlepper rückwärts von der Wilhelmstraße in die Elberfelder Straße quetschten. Das lange angekündigte Spektakel zog einige Schaulustige an, die sich überzeugen konnten, wie sicher die Fahrer ihre Ungetüme zwischen den Häusern der Altstadt manövrierten. Auf dem Tieflader ruhte eine unscheinbare, graue Betonkiste — das Herz der neuen Brunnenanlage Im Orth.

Nachdem der Kran seine Stützen ausgefahren und einen festen Stand eingenommen hatte, wurde es spannend: Arbeiter legten Seile an die Betonschachtel. Der Kran hob die tonnenschwere Fracht ganz langsam an, dann ging es immer höher. Viele Köpfe legten sich in den Nacken, mancher hielt den Atem an, als das Betonteil über die Dächer schwebte. „Wenn das jetzt runter fällt“, spekulierten in Gedanken einige Zuschauer.

Doch die Katastrophe blieb aus, routiniert wurde die Kiste von der erfahrenen Kranmannschaft in die Baugrube hinab gelassen, genau dort, wo sie André Hackbeil von den Technischen Betrieben hin haben wollte. Um vor ungewollten elektrischen Spannungen sicher zu sein, wurde die Stahlbetonschachtel sofort geerdet. Heute wird Thomas Renneke, der Vorarbeiter der Tiefbaufirma aus Münster, die Baugrube verfüllen. Anschließend werden die Leerrohre montiert, die die zahlreichen Leitungen für Pumpen und Filter aufnehmen. Das Wasser wird aus neun Düsen spritzen: Acht sind kreuzförmig angeordnet, eine kommt in die Mitte. Da das Wasser im Kreislauf fließt, wird es immer wieder gereinigt und desinfiziert und mit einem Mittel gegen Algenwachstum versehen. „Das Wasser kann man nicht trinken, da kommt selbstverständlich ein entsprechendes Warnschild hin,“ kündigt Ingenieur Hackbeil an.

Wenn die Tiefbauarbeiten abgeschlossen sind, kann die Granitplatte kommen, auf der das Wasserspiel stattfindet. „Das wird ein Spaß für die Kinder, die können sich den Popo nass spritzen lassen“, freut sich André Hackebeil, der ankündigt, das selber mal auszuprobieren. Die Nevigeser sind schon gespannt, wie es aussieht, wenn ab Juni rechtzeitig zum Sommerbeginn das Wasser in die Höhe schießt. Die Fontänen werden unter anderem windabhängig gesteuert. Metzgermeister Peter Schmidt ist skeptisch, ob die Investition von einer Viertelmillion Euro wesentlich zu Belebung der Nevigeser Innenstadt beiträgt. „Als wegen der Bauarbeiten bei Gassmann die Straße zu war, habe ich das am Umsatz gemerkt.“ Obwohl gestern morgen die großen Fahrzeuge praktisch vor seiner Ladentüre standen, hat sich das nicht negativ am Umsatz bemerkbar gemacht. „Ich selbst war nicht im Laden, aber meine Mitarbeitern sagten, dass es schon ein wenig knubblig war und einige Leute nur zum Schauen kamen.“