Kuhlendahler Spargel wird rare Sorte

Peter Wiemer bewirtschaftet nach 15 Jahren erstmals auf Nevigeser Stadtgebiet nur noch ein Hektar Land mit dem Gemüse, das in diesem Jahr auch noch spät dran ist.

Neviges. Wann gibt es endlich wieder Spargel? Im Sterne-Restaurant Haus Stemberg, das seine weißen Stangen traditionell direkt vom benachbarten Bauern Peter Wiemer bezieht, fragen die Gäste schon seit fünf Wochen nach dem beliebten Saisongemüse. „Wir sind da knallhart. Bei uns gibt es erst Spargel, wenn es ihn auch in der Region gibt“, sagt Senior-Chef Walter Stemberg.

Am jüngsten Donnerstag war es soweit, dann hatten sich genug Spargelspitzen aus dem Erdreich gemeldet und konnten geerntet werden. Der Verkauf am Gut Kuhlendahl lief am Freitag an.

„In diesem Jahr ist der Spargel spät dran“, weiß Landwirt Wiemer. „Und nicht nur das, er wächst auch sehr ungleichmäßig.“ So gebe es auf seinen Feldern teilweise 100-Meter-Abstände zwischen einzelnen Stangen. Zum Ärger des Nevigesers: „Das ist nicht nur ungewöhnlich, sondern auch sehr kostenintensiv.“

Ebenfalls größer als mancher denken mag, ist der Abstand zwischen Verkaufsstand und Ernteort. Der frühe Spargel stammt nämlich noch vom Hildener Feld des Bauern. Innerhalb des Kreises Mettmann schwanken die Temperaturen eben deutlich. Es gilt die Faustregel: je näher an Düsseldorf, desto wärmer, je näher an Wuppertal, desto kälter. Der Spargel ist da feinfühlig. So ist er bereits in Hilden verkaufsfertig, während im Laufe der nächsten Woche Mettmann folgen soll und das Nevigeser Feld erst Anfang Mai an der Reihe ist.

Dabei wird der Anteil des eigentlichen Kuhlendahler Spargels ab diesem Jahr deutlich geringer. Auf einem Großteil des Feldes wird jetzt Getreide angebaut, nur noch ein Hektar bleibt für die Spargelzucht. Peter Wiemer erklärt: „Wir haben hier 15 Jahre Spargel angebaut, jetzt braucht der Boden eine Ruhezeit.“ Ein Fruchtwechsel sei gut für den Standort, der wegen seines mineralhaltigen Bodens einerseits von den Spargelessern geschätzt wird, andererseits dem Landwirt Schwierigkeiten bereitet. „Die Erde ist nicht so wasserdurchlässig. Wenn es regnet, steht man schnell im Matsch.“

Doch trotz allem hofft Wiemer wie gewohnt 30 Tonnen Spargel aus dem Erdreich holen zu können. Normalerweise ist am Johannistag, dem 24. Juni, Schluss mit der Ernte, doch in diesem Jahr will Wiemer auf Velberter Stadtgebiet noch bis zum 26. Juni stechen, um die Verspätung auszugleichen.

Auf seinen Feldern, die eine Gesamtgröße von 17 Hektar haben, beschäftigt der Nevigeser 17 Saisonarbeiter aus Polen, die in dieser Zeit auf seinem Hof unterkommen. Gut, dass das möglich ist, denn Wohncontainer, die von anderen Bauern manchmal für die Unterbringung der Arbeitskräfte eingesetzt werden, sind auf dem Markt derzeit wegen der Flüchtlingskrise kaum noch erhältlich.

Wer frischen Spargel kaufen möchte, kann dies täglich zwischen 8 und 19 Uhr am Verkaufsstand an der Kuhlendahler Straße tun. Der Preis liegt derzeit zwischen 7,90 und 12,50 Euro.