Vier Hektar Wald müssen gerodet werden

Ratingen : Kaputte Bäume werden gefällt

Am Montag, 20. Januar, werden zahlreiche Buchen im Wald im Angertal beseitigt. Der Hitzesommer 2019 fordert seinen Tribut.

Die vergangenen beiden Hitzesommer haben deutliche Spuren an den Buchen im Wald im Angertal hinterlassen. Und viele haben es nicht überlebt. Darunter 120-jährige Bäume, die einfach kein Wasser mehr bekommen haben, an deren Stämmen durch die ständige Sonneneinstrahlung die Rinde abgeplatzt ist und das Holz darunter einen Sonnenbrand bekommen hat. Ab dem Montag nächster Woche werden diese toten Bäume auf einer Fläche von vier Hektar aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt, wie Henning Boßmann von der Speeschen Forstverwaltung
erklärt.

Die Maßnahme ist mit der Naturschutzbehörde des Kreises Mettmann abgesprochen. „Ein Mitarbeiter war vor Ort und hat sich die Bäume angeschaut“, sagt Daniela Hitzemann, Sprecherin des Kreises Mettmann.

An der Notwendigkeit der Fällung gebe es keine Zweifel. „Die Verkehrssicherheit steht vor allem“, sagt Hitzemann.

Trotz der Notwendigkeit tut es Henning Boßmann leid um jeden Baum, der nicht erhalten werden kann. Aber gerade im Angertal, wo jährliche tausende Spaziergänger die Wege nutzen, ist die Gefahr zu groß, dass ein morscher Baum auf einen Menschen stürzt.

Das Waldstück, um das es geht, liegt in der Nähe der Auermühle entlang dem Weg, der hinauf zum Bolzplatz nach Eggerscheidt führt. Entlang dem Hang müssen alle Bäume gefällt werden.

Die durch südliche Lage war dort die Sonneneinstrahlung besonders groß, und durch das starke Gefälle konnte der Boden auch nicht genug Wasser
speichern.

Boßmann zeigt auf die Pilze, die inzwischen schon die Bäume befallen haben, auf große, abgebrochene Äste, die nur lose in den bereits ausgedünnten Baumkronen hängen. Manche Bäume sind schon in Schräglage und werden nur durch nebenstehende noch gehalten.

Sie sind nicht nur eine Gefahr für die Spaziergänger, sondern auch für die nahegelegene Eisenbahnstrecke der Kalkbahn, die hier durchs Angertal fährt.

„Wer den Klimawandel leugnet, dem würde ich gerne einmal hier zeigen, welche Auswirkungen er hat“, sagt Henning Boßmann. Schon seit einiger Zeit seien die Mitarbeiter der Speeschen Forstverwaltung nur noch damit beschäftigt, Bäume zu sichten und durch Fällmaßnahmen Gefahr abzuwenden. Zu den eigentlichen Aufgaben der Forstwirtschaft komme man kaum noch.

Von den Bäumen, die nun im Angertal abgeholzt werden müssen, taugten laut Boßmann nur die Wenigsten zum Verkauf. Einiges wird zu Brennholz verarbeitet. Andere jedoch bleiben als Totholz im Wald liegen, um wenigstens auf diese Weise noch der Natur zu dienen.

Eineinhalb Wochen werden die Arbeiten dauern, während dieser Zeit werden die Wege gesperrt, denn selbst für die Forstmitarbeiter ist der Einsatz nicht ungefährlich. Deshalb wird auch eine Firma mit den Arbeiten beauftragt. Die wird mit einer speziellen Maschine die Bäume absägen und dabei wie mit einer Art Baggerschaufel gleichzeitig den Stamm festhalten, damit er nicht dabei
umstürzt.

Später soll die Fläche teilweise aufgeforstet werden. „Wir planen Insel-Pflanzungen mit Eichen“, sagt Boßmann. Andere, kleinere Bäume haben sich bereits angesiedelt, die sollen wachsen dürfen und so für Nachschub sorgen, um irgendwann wieder einen möglichst natürlichen Wald entstehen zu lassen.

Ob es in den nächsten Jahrzehnten angesichts des Klimawandels allerdings noch einen Wald geben wird, „wie wir ihn heute kennen, weiß ich nicht“, gesteht Boßmann.