Zahl der Autodiebstähle geht zurück

Kreis Mettmann : Autos verschwinden oft in Ratingen

Interview Diebe stehlen oft Autos in Ratingen. Insgesamt gehen die Diebstähle im Kreis zurück.

Die Zahl der Autodiebstähle ist im Jahr 2018 deutlich gesunken. Das ergeben Zahlen aus dem jetzt veröffentlichten „Bundeslagebild Kfz-Kriminalität“, das sich auf Daten für das vergangene Jahr beruft. Verzeichnete der letztjährige BKA-Bericht für 2017 ein Minus von insgesamt 8,6 Prozent für Lastwagen- und Auto-Diebstähle, nahmen 2018 die Auto-Diebstähle um 12,7 Prozent und die Lastwagen-Diebstähle sogar um 22,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab. Zielmärkte sind indes nach wie vor osteuropäische Staaten, immer häufiger sind organisierte Banden am Werk. Wie sieht die aktuelle Statistik für den Kreis Mettmann aus? Diese und weitere Fragen beantwortet der Sprecher der Kreispolizei Mettmann, Daniel Uebber, im
Interview.

Herr Uebber, die Zahl der Autodiebstähle geht zurück. Können Sie diese Tendenz auch für den Kreis Mettmann bestätigen?

Daniel Uebber: Absolute Zahlen aus diesem Jahr können wir noch nicht nennen. Jedoch gehen auch wir im Kreis Mettmann derzeit von einem deutlichen Rückgang der Fallzahlen im zweistelligen Prozentbereich aus. Damit liegen wir im Landestrend. Auch von 2017 auf 2018 haben wir schon einen Rückgang verzeichnet.

Wie erklären Sie diese Tendenz?

Uebber: In den umliegenden Behörden gab es in den vergangenen Monaten erfolgreich geführte Ermittlungsverfahren gegen Tätergruppen, die ihre Taten auch bei uns im Kreis Mettmann verübt haben. Eine mögliche Erklärung ist, dass diese Festnahmen auch für den Rückgang der Kfz-Diebstähle bei uns verantwortlich sind.

Wie sieht die Entwicklung in den Städten des Kreises aus? Gibt es Auffälligkeiten?

Uebber: Die im Vergleich zu den übrigen Städten hohen Zahlen sowie der hohe Rückgang in Ratingen ragen schon heraus.

Woran liegt das?

Uebber: Letztlich dürfte hier die gute Verkehrsanbindung eine Rolle spielen.

Wer sind die klassischen Fahrzeugdiebe – Einzeltäter? Gruppen? Ausländische Banden? Und wie bedeutsam sind in diesem Zusammenhang organisierte Banden aus dem Ausland?

Uebber: Bei den Tätern handelt es sich oftmals um Mitglieder, die einer organisierten Bande oder Gruppierung angehören. Die Tatverdächtigen, gegen die im Kreis Mettmann Verfahren geführt worden sind, stammen fast ausschließlich aus dem Ausland. Die Herkunftsländer liegen überwiegend im Baltikum, Polen oder Rumänien. Örtlicher Fahrzeugdiebstahl findet meist nur bei Verlust des Fahrzeugschlüssels statt – dann stammen die Täter meist aus dem sozialen Umfeld. Banden aus dem Ausland suchen sich die entwendeten Fahrzeuge in der Regel gezielt aus – sie finden sie in der Regel offen für jeden sichtbar vor dem Haus des Geschädigten.

Welches sind die derzeit beliebtesten Fahrzeugmodelle, die im Kreis Mettmann gestohlen werden?

Uebber: Bevorzugt werden Autos der Marken BMW und Mercedes entwendet. Auch Porsche sind sehr begehrt. Bei japanischen Fahrzeugen sind Hybridmodelle von Interesse.

Was können Fahrzeughalter tun, um ihren Wagen gegen Diebstahl zu sichern?

Uebber: Wer die Möglichkeit hat, sollte eine einzeln abschließbare Garage nutzen. Wer ein Keyless-Go-System hat, sollte darauf achten, seine Fahrzeugschlüssel abstrahlungsfrei zu verwahren. Zudem ist es bei höherpreisigen Fahrzeugmodellen eine Option, werksseitig angebotene Ortungsmöglichkeiten zu nutzen, um ein entwendetes Fahrzeug aufzuspüren.

Gibt es in diesem Bereich bemerkenswerte Neuentwicklungen, die Sie Fahrzeugbesitzern empfehlen?

Uebber: Die Fahrzeughersteller bieten individuelle Alarmsysteme und Ortungsmöglichkeiten an, die durchaus sinnvoll sind. Unser Rat ist deshalb: Lassen Sie sich vor Ort beraten. Wir können keine Produktwerbung machen. Allein die werksseitig verbauten Alarmanlagen, welche nur über das Türschloss der Fahrertür auslösen, sind jedenfalls kein ausreichender Schutz. Während die allgemeinen Fallzahlen bei Kfz-Diebstahlsdelikten zurückgehen, bearbeitet unsere Kriminalpolizei zunehmend Fälle, bei denen Autos durch Betrug, Unterschlagung und Urkundendelikte erlangt werden. Dabei gehen die Täter oftmals arbeitsteilig und hochprofessionell vor. Sie bewegen sich dabei im Zuständigkeitsbereich vieler Behörden, wenn nicht gar Länder.

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