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Kreis Mettmann: Ambulante Pflegedienste kämpfen für Corona-Unterstützung

Mettmann : Pflegedienste schlagen Alarm

Die ambulanten Dienste fordern mehr Unterstützung und haben sich kreisweit vernetzt.

Die Corona-Pandemie trifft vor allem die Krankenhäuser. Doch als in den vergangenen Tagen sogar ein Krankenhaus-Hausmeister zur Lage befragt wurde, da platzte Rolf Hoppe der Kragen. Es könne doch nicht sein, dass jeder Mitarbeiter dort befragt werde, aber ein ganzer medizinischer Versorgungsarm ungeachtet bleibe.

Hoppe ist Leiter eines ambulanten Pflegedienstes in Erkrath. Er und seine 20 Mitarbeiter sind täglich im Einsatz und kommen angesichts der geforderten Schutzmaßnahmen in große Materialengpässe. „Eine FFP-Maske kostet derzeit 13 Euro pro Stück“, klagt Hoppe. Vor der Corona-Pandemie hätten solche Schutzmasken 45 Cent gekostet. Doch jetzt sei der Markt überteuert und leergefegt.

Der Pflegedienstleiter wollte die Notlage nicht einfach so hinnehmen: In einem flammenden Brief wandte er sich an Landrat Thomas Hendele, der zwar nicht persönlich antwortete, aber über den Hoppe Kontakt zum Sozial- und Gesundheitsamt bekam. Frank Albers von der Heimaufsicht des Kreises Mettmann übermittelte Hoppe eine Liste aller ambulanten Pflegedienste im Kreisgebiet. Hoppe rief daraufhin jeden Dienst an und hat die Leiter in einer Whatsapp-Gruppe miteinander vernetzt. Inzwischen sind 32 ambulante Pflegedienste miteinander in Kontakt. „Wir helfen uns dort gegenseitig: Etwa geben wir uns Tipps, wo man noch Schutzmaterial bestellen kann“, erzählt Hoppe.

In seinen 27 Jahren als Pflegedienstleister hat er so eine Situation noch nicht erlebt. Mit der jetzigen Lage fühlt er sich – wie auch die anderen ambulanten Dienste – alleine gelassen: „Ich verstehe das einfach nicht. An einem Tag besucht eine Pflegekraft rund 20 Menschen. Wenn wir uns als Pfleger nicht mehr schützen können, dann verbreiten wir diese Pandemie rasant.“

Außerdem drohe dann ein Versorgungsengpass: „Allein in Erkrath haben wir rund 300 Einsätze am Tag, wenn wir als Pflegedienstleister diese Leistungen nicht mehr durchführen können, wer kümmert sich dann?“

Hoppe erreichen inzwischen auch Anfragen aus anderen Kreisen. Beispielsweise stehe eine Kollegin aus Duisburg mit ihm in engem Austausch. Ein Freund aus einem Pflegedienst aus Heinsberg versorgt derweil die Gruppe mit sozusagen Expertenwissen aus einer der am stärksten betroffenen Regionen NRWs.

Die Corona-Krise fordert auch von den Pflegediensten Kreativität: Malerschutzanzüge aus dem Baumarkt werden kurzerhand umfunktioniert zur Schutzkleidung. Absprachen mit den örtlichen Ordnungsämtern können helfen, wenn die Pflegekräfte in Gebiete fahren müssen, in denen es derzeit kaum noch freie Parkplätze gibt, weil alle Anwohner in ihrer Wohnung sind.

„Als Rückgrat der Pflege zu Hause wünschen wir uns, gesehen zu werden“, betont Hoppe stellvertretend für die Gruppe. Dass Feuerwehr, Sanitäter und Krankenhäuser zu Wort kommen, sei wichtig und gut, aber auch die ambulante Pflege müsse unterstützt werden – vor allem mit Schutzkleidung. Hoppe regt Kollegen aus anderen Kreisen an, sich untereinander zu vernetzen. In der Kreis-Mettmann-Gruppe hätten sie bereits 50 Nachrichten in zwei Tagen miteinander ausgetauscht. Gemeinsam machen sich die ambulanten Pflegedienste stark für die Fürsorgepflicht gegenüber Senioren und Mitarbeitern. Hoppe appelliert: „Ich will niemandem Angst machen, aber wir brauchen jetzt Unterstützung. Andernfalls haben wir ein Riesenproblem!“