1. NRW
  2. Kreis Mettmann
  3. Langenfeld und Monheim

Langefeld: Flüchtlingshelfer fühlt sich ausgebremst

Streit mit der Stadt : Herres gegen die Stadt Langenfeld

Hans Herres engagiert sich für Geflüchtete. Im Konflikt mit der Stadt, hat diese ihm den Ausweis für Flüchtlingshelfer entzogen. Das will er nicht akzeptieren.

Hans Herres (75) hilft gern. Als die ersten Flüchtlinge im Jahr 2015 eingetroffen sind, hat er sich sofort in der Flüchtlingshilfe engagiert. Der ausgebildete Bilanzbuchhalter war Schatzmeister in dem Verein, hat ihn aber dann – auf eigenen Wunsch, wie er sagt – verlassen und hilft seither den Flüchtlingen in den Unterkünften auf eigene Faust. Er begleitet sie zum Arzt, zur Verwaltung, er repariert Fahrräder oder übernimmt Besorgungen. Entdeckt er Missstände, prangert er sie bei der Stadt an. Etwa die Zustände in der ehemaligen Turnhalle Am Hang, wo die „Kinder auf dem Fußboden Hausaufgaben machen mussten“ oder die politische Haltung der Hausmeister, den Umgang der Verwaltungsmitarbeiter mit Flüchtlingen. In dicken Ordnern sammelt Herres seine Briefwechsel rund seine Ehrenamt. Die Ordner bei der Stadt sind ebenso gut gefüllt.

Ohne Flüchtlingsausweis kein Zutritt zu den Unterkünften

Die Stadt Langenfeld hat ihm vor etwa einem Jahr den Flüchtlingsausweis entzogen, der ihn berechtigt, die städtischen Unterkünfte zu betreten. „Er hat sich nicht an Absprachen gehalten“, begründet die Erste Beigeordnete Marion Prell den Entzug der Erlaubnis. Außerdem vermisse die Stadt bei ihm Kooperationsbereitschaft.

Das wollte und will Herres nicht auf sich sitzen lassen. Er schaltete den NRW-Innenminister Herbert Reul ein, der das Anliegen an die CDU-Landtagsabgeordnete Claudia Schlottmann weiterreichte, die dann im Gespräch mit der Stadt eine auf drei Monate begrenzte Probe-Erlaubnis aushandelte, gewährt unter der Voraussetzung, dass Herres die Namen der Flüchtlinge nenne, die er betreut. Das lehnt er aus datenschutzrechtlichen Gründen ab und arbeitet ohne Flüchtlingsausweis weiter. „Das kann er tun“, sagt Prell, „aber nicht mehr auf dem Gelände der Unterkünfte“.

Die Ausweise habe die Stadt kurz nach dem Bezug der Unterkünfte eingeführt, nachdem sie festgestellt hatte, dass sich viele Menschen dort versammelten, die sich nicht immer rechtskonform verhalten hätten. „Wir haben Verantwortung und wollten die Kontrolle behalten.“ Die Ausweise werden jetzt von den Sicherheitskräften überprüft.

Prell ist es gewohnt, auch mit Menschen, die eine andere Meinung vertreten, zu gedeihlichen Lösungen zu kommen – wie etwa mit dem Verein Flüchtlingshilfe, den sie regelmäßig trifft.

Doch im Fall von Hans Herres streckt sie die Flügel. „Es geht nicht, dass einer nur gegen die Verwaltung arbeitet“, sagt sie. Für die Mitarbeiter dort habe sie auch eine Verantwortung.

Aktuell gibt es noch 429 Flüchtlinge, die in Unterkünften der Stadt untergebracht sind. Die Häuser an der Theodor-Heuss-Straße sind zum Teil belegt. „Nach dem Brand in der Unterkunft Alt-Langenfeld haben wir einige Flüchtlinge an der Theodor-Heuss-Straße untergebracht. Auch in der Unterkunft Alt-Langenfeld seien noch Flüchtlinge. Die Unterkünfte an der Albert-Einstein-Straße seien locker belegt. Angesichts der Lage an der syrischen Grenze sei man unsicher, ob man diese weiterhin mieten solle. Die Verträge mit der LVR-Klinik laufen 2020 aus.

Drei sogenannte Kümmerer hat die Stadt zum Jahresbeginn eingestellt, die sich in den Unterkünften engagieren. „Die haben schon einige Gemeinschaftsaktionen initiiert. Am Winkelsweg ist zum Beispiel wieder ein Garten entstanden“, sagt Prell. Neben den Kümmerern gibt es noch zwischen sechs und neun Honorarkräfte. Am Winkelsweg stehe auch die letzte Leichtbauhalle. „Jetzt können wir nur abwarten, wie sich die Lage entwickelt, ob die Flüchtlingszahlen weiter nach unten oder wieder hinauf gehen.“

Hans Herres will seine ehrenamtliche Arbeit fortsetzen und auch weiter für einen Flüchtlingshelfer-Ausweis kämpfen.