Haan: Im Waldgebiet Osterholz prüfte die Polizei das Lager der Besetzer

Waldgebiet Osterholz : Polizei prüft Lager der „Waldbesetzer“

Bei einem Polizeieinsatz wurden gestern Baumaterialien gefunden aber nicht entfernt. Auch das Lager steht noch.

In den Bäumen hängen zwei Feldbetten, überspannt mit einer Plastikplane als Regendach. Die Bewohner der improvisierten Baumhäuser sind nicht zu sehen. Dennoch: Seit Donnerstag vergangener Woche besetzen zwei Aktivisten die Bäume im Waldgebiet Osterholz. Freddi und Jay, wie sie sich in einem Interview nannten, sind Teil der Aktionsgruppe „Jeder Baum zählt“. Sie protestieren gegen die Rodung des Waldes, die für eine Haldenerweiterung angedacht ist.

Ein persönliches Gespräch mit den „Waldbesetzern“, wie sie sich nennen, blieb gestern allerdings aus. Ab der Mittagszeit untersuchte die Polizei das Lager der Aktivisten. „Es wurden diverse Gegenstände in den Wald eingebracht“, berichtete ein Sprecher der Polizeistelle Wuppertal auf Anfrage unserer Redaktion. Da die Gegenstände, unter anderem Holz, Paletten, eine Metallstange und Ketten, ohne Einverständnis des Grundstück-Eigentümers in den Wald eingebracht worden seien, handele es sich um eine „Eigentumsstörung“, erklärte der Sprecher weiter. „Wir wollten die Lage statisch halten.“ Daher seien Platzverweise gegen Personen ausgesprochen worden, die sich während des Einsatzes Zugang zum Lager verschaffen wollten. Gleichzeitig informierte die Polizei den Grundstücks-Eigentümer über die Situation. Dieser beschloss jedoch, dass keine weiteren Maßnahmen der Beamten von Nöten seien. Er werde auf Basis einer Rechtsberatung weitere Schritte planen. Daraufhin verließen die Einsatzkräfte das kleine Lager der Aktivisten. Das Material wurde nicht entfernt. Auch Freddi und Jay wurden nicht aus ihrem „Camp Chalktown“ geholt.

„Ich glaube nicht, dass die etwas bewirken können“, sagte eine Spaziergängerin. Zwei Wuppertaler Anwohner sehen das anders: „Der Wald muss bleiben.“ Daher unterstützen sie die Besetzer. Der Besuch bei den Aktivisten fiel für sie gestern dennoch aus. Sie würden es in den nächsten Tagen wieder versuchen, kündigten sie an.

Zum Hintergrund: Die Kalkwerke Oetelshofen planen, für die Erweiterung ihrer Abraumhalde, bis zu fünf Hektar Wald zu roden. Das Grundstück gehört der Firma, wird von ihr forstwirtschaftlich genutzt und liegt auf Haaner und Wuppertaler Stadtgebiet. Die geplante Innenverkippung ist, entgegen der Planung des Kalkwerks, nicht rechtzeitig möglich, sodass eine zusätzliche Fläche als Übergangslösung geschaffen werden muss. Die neue Halde soll etwa 2,5 Millionen Kubikmeter Kippvolumen aufnehmen können. Über acht bis zehn Jahre soll der Abraum aufgeschüttet und im Anschluss sukzessive begrünt werden. Für die Rodung haben die Kalkwerke Oetelshofen Ausgleichsmaßnahmen, zum Beispiel Neupflanzungen im Düsseltal, sowie Artenschutzmaßnahmen geplant.

Das Genehmigungsverfahren für die Rodung läuft nach wie vor. Bei einem Erörterungstermin im September soll ausführlich Stellung bezogen werden. Doch mindestens solange werden auch die Proteste noch anhalten. Die Aktionsgruppe verkündete: „Wir sind bereit den Wald freiwillig zu verlassen, wenn von einer Rodung abgesehen wird.“

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