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Rabbiner erzählt aus Alltag – volles Haus in Erkrath-Hochdahl

Hochdahl : Rabbiner spricht in Hochdahl über Vorurteile gegenüber Juden

Viele jüdische Kinder in Deutschland verleugnen ihren Glauben, um nicht aufzufallen, beklagte Jechiel Brukner beim Besuch in Erkrath.

. Man solle sich weniger mit dem aufkommenden Antisemitismus in Deutschland beschäftigen also vielmehr mit der schweigenden Mehrheit im Land, sagte der Rabbiner Jechiel Brukner am Donnerstag bei seinem Vortrag im Hochdahler Ökumenischen Bildungswerk. Thema des Vortrags war „Jüdisches Leben und Selbstverständnis in Deutschland. Ein permanenter Ausnahmezustand?“. Die bereitgestellten Stühle im evangelischen Gemeindezentrum Sandheide reichten nicht aus. Es musste für die vielen Zuhörer erweitert werden. „Wir haben die örtliche Polizei von dem Besuch aus Köln informiert“, sagte Bildungswerk-Organisationsmitglied Jürgen Kahl vor der
Veranstaltung.

Er kennt Rabbi Brukner aus früheren Begegnungen und konnte ihn so überzeugen, einen Vortrag in Hochdahl zu halten. Lebendig war der Vortrag, sehr persönlich, aufgeschlossen und zugewandt. Seit zwei Jahren leitet der Rabbiner die jüdische Gemeinde in Köln.Seine Ehefrau hatte er mit nach Hochdahl gebracht.

Auch sie sei Rabbinerin, erklärte er. „Es gibt so viel zu tun“ umschrieb der Theologe seine Arbeit in Köln. Drei Jahre lang habe die Gemeinde einen Rabbi gesucht. Offen seien er und die Gemeinde für Gespräche mit Christen und Moslems. Aber das „Nichtwissen der Geschichte“ der Juden verblüffe ihn doch manchmal. „Wo die Türen aufgehen, gehe ich rein“, sagt Rabbi Brukner. Wegen der „Verrückten“, sagte er, dürfe man nicht histerisch werden. Natürlich habe er Anfeindungen auf der Straße erlebt.

Rabbiner fährt aus Angst
nicht mehr mit dem ÖPNV

Aber er habe auch zur Kenntnis genommen, dass die umherstehenden Zeugen nichts gesagt haben – kein Wort der Ermunterung. Seit einiger Zeit fährt er nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern mit dem Auto, schildert der Kippa und Vollbart tragende Brukner. Sein Vater habe das KZ Buchenwald überlebt. Und voller Stolz zeigte er auf der Großleinwand ein Foto seiner Großfamilie aus Israel. Die vielen Kinder, Enkel und prächtigen Urenkel seien die „Brukner-Antwort“ auf Adolf Hitler. Sein Lebensmittelpunkt ist Israel, das er regelmäßig besucht. Aber einen Auftrag sehe er darin, jüdisches Leben in Deutschland aufzubauen und begleiten. Was ihn immer wieder erschüttere, sagte Rabbi Brukner, sei die Tatsache, dass jüdische Kinder in Deutschland bei Mitschülern und Freunden ihren Glauben verleugnen, um nicht aufzufallen. Sie wollen sich keinen Anfeindungen aussetzen, weder die Kinder noch die Eltern. Eine „Lebenswirklichkeit“ nannte Brukner die Tatsache, dass es nach der ­Nazi-Geschichte überhaupt noch Juden in Deutschland gibt. Ihnen im Glauben und im Leben zur Seite zu stehen, dafür setzt sich Rabbiner ­Jechiel Brukner ein.