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Das Naturschutzzentrum Bruchhausen in Erkrath bietet Kurse zur Obstbaumpflege an

Erkrath : Ostbäume sind wichtig für die Ökologie

Im Naturschutzzentrum Bruchhausen konnten sich Interessierte über die richtige Pflege von Obstbäumen informieren.

Obstgärten sind in unserer Region immer seltener zu finden. Und mit ihnen schwindet das Wissen um die richtige Pflege von Kirsche, Apfel, Birne, Pflaume und Co. Aus diesem Grund bietet das Naturschutzzentrum bereits seit Jahren Obstbaum-Schnittkurse an.

Denn ein gut gepflegter Obstbaum trägt nicht nur mehr Früchte, er hat auch eine höhere Standfestigkeit und eine längere Lebensdauer. Das ist den meisten Kursteilnehmern klar. Doch „nur wenige Leute wissen, dass ihre Obstbäume auch eine ökologische Bedeutung haben“, so Biotop- und Landschaftspfleger Gerd-Dieter Löschner: Sie sind wichtige Nahrungsquellen für Bienen und bieten auch Singvögel Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten. „Jeden alten Baum, den man retten kann, sollte man daher auch retten“, meint Löschner.

Mehr als 20 Interessierte kamen jetzt ins Naturschutzzentrum, um von dem Biotop- und Landschaftspfleger zu lernen, wie man Obstbäume richtig pflegt. Während es den einen darum ging, das noch junge Säulenapfelbäumchen im begrenzten Reihenhausgarten optimal zu trimmen, suchten andere Rat, um den alten, lange nicht mehr gepflegten Baumbestand auf dem geerbten Grundstück der Eltern zu retten.

Besonders ehrgeizige Pläne verfolgten Friedhelm Reichel und seine Vorstandskollegen vom Golfclub Mettmann mit dem Kursbesuch: Rund 100 Obstbäume stehen seit über 25 Jahren auf dem gut 92 Hektar großen Gelände des Golfplatzes – und haben noch nie Säge oder Schere zur Pflege gesehen. Nun wollten die Golfer sich schlau machen, wie sie die Bäume erhalten können und welche Ressourcen sie dafür aufwenden müssten. Mit mindestens drei Stunden Arbeit pro Baum kommt da einiges auf die Vereinsmitglieder zu, wenn sie alle Obstbäume selbst schneiden wollen. „Wir wollen den Steinkauz auf dem Golfgelände ansiedeln. Und der liebt Obstbäume“, erklärt Reichel einen Grund für die bevorstehenden Mühen. Vier Steinkauz-Nistkästen haben die Golfer dafür schon
installiert.

Fachmann beantwortet Fragen zur Bodenpflege und Düngung

Bevor Gerd-Dieter Löschner den Kursteilnehmern an zwei alten Bäumen auf den Obstwiesen des Naturschutzzentrums Bruchhausen demonstrierte, welche Äste beim Winterschnitt „dran glauben“ sollten, beantwortete der Fachmann zunächst theoretisch diverse Fragen der Teilnehmer. Und die schlossen auch die Themen Kauf, Bodenpflege und Düngung mit ein. „Bodenpflege, Düngung, Schnittpflege und Wässerung stärken das Immunsystem der Bäume“, so Löschner.

So machte er deutlich, dass auch sehr alte Bäume noch vom Anlegen einer Pflanzscheibe (grasfreie Zone) profitieren, dass abgelagerter Rindermist und Kalk als Dünger optimal sind – und dass man nur Obstbäume kaufen sollte, die ohne Topf angeboten werden, um Pflanzen mit hoher Wurzelqualität zu erhalten. Thema war auch die Trockenheit der vergangenen zwei Jahre, die alte Bäume noch schneller vergreisen ließ.

Für den optimalen Obstbaumschnitt nannte er einige zentrale Regeln: Die Form der Bäume soll einer flachen Pyramide entsprechen, damit viel Licht an alle Äste kommen kann. Die Äste dürfen nicht zu dicht stehen. Äste, die nach innen wachsen, werden ausgeschnitten. Äste, die nach unten wachsen, werden ausgeschnitten oder durch Hochbinden umgeleitet. Leitäste sollten möglichst leicht (circa 45 Grad) ansteigen. Stammaustriebe werden immer weggeschnitten, da sie der Baumkrone die Nährstoffe nehmen. Nur scharfes Werkzeug verwenden und die Äste immer schräg absägen beziehungsweise schneiden. Der Winterschnitt kann laut Gerd-Dieter Löschner zwischen Januar und Ende März durchgeführt werden.

„Die Kunst ist es, nicht alles abzurasieren und immer wieder neues Fruchtholz zu generieren. Ganz alte Äste tragen nicht mehr so gut“, erklärte Löschner und machte deutlich, dass kein Baum mit nur einem einzigen Schnitt saniert werden kann. Und dass ein einzelner Kurs nicht ausreicht, um den Obstbaumschnitt zu beherrschen: „Am Anfang gehört viel Ausprobieren dazu.“