Seidenweberhaus: Bei 70 Euro für ein Fass Bier hört der Spaß für Jecken auf

Seidenweberhaus: Bei 70 Euro für ein Fass Bier hört der Spaß für Jecken auf

Karnevalisten beschweren sich über Getränkepreise und Akustik im Seidenweberhaus. Gastronom und Betreiber weisen die Vorwürfe von sich.

Krefeld. Die Jecken sind empört — darauf deuten neben den sehr deutlichen Formulierungen auch die vielen Ausrufezeichen und Großbuchstaben hin. „Wir fühlten uns ausgenommen wie die Weihnachtsgänse ! ! !“, schreiben sie. Oder: „FRECHHEIT“.

Diese Kommentare sind auf der Internetseite der Westdeutschen Zeitung nachzulesen. Sie beziehen sich auf die Getränkepreise im Seidenweberhaus bei der Damen- beziehungsweise Herrensitzung der Großen Karnevalsgesellschaft Krefeld 1878 und Damenkomitee „Fidele 11“. Bei den beiden Veranstaltungen am Wochenende mussten die Karnevalisten 10, 50 Euro für eine Flasche Limonade (ein Liter) und 70, 50 Euro für ein Fass Bier (zehn Liter) bezahlen.

Werner Krüger, erster Vorsitzender der KG, beeilt sich zu versichern, dass sein Verein die hohen Preise nicht zu verantworten habe: „Da haben wir überhaupt keinen Einfluss drauf.“ Aber auch er findet: „Das ist definitiv zu teuer.“ Er habe sich deswegen auch schon beim zuständigen Gastronomen beschwert.

An dieses spezielle Gespräch kann sich Torsten Prieß nicht erinnern. Aber der Geschäftsführer der Firma Gebrüder Rudnik, die im Seidenweberhaus das Restaurant Hexagon betreibt und für das Catering bei Veranstaltungen in den Sälen zuständig ist, räumt ein: „Vereinzelte Beschwerden gab es deswegen schon.“

Allerdings — Verständnis für diese Beschwerden habe er nicht. Zunächst betont er, dass die Karnevalisten die Getränkepreise teilweise selbst zu verantworten hätten: „Die haben hier immer Alkohol rein geschmuggelt. Vor allem die Damen. Teilweise waren die sogar so dreist, die Kellner anzuweisen, doch endlich mal die mitgebrachten Schnapsfläschchen von den Tischen abzuräumen. Deshalb haben wir in diesem Jahr auch zum ersten Mal strenge Taschenkontrollen durchgeführt.“

Da aber wegen der „Selbstversorger“ der Umsatz in den Vorjahren entsprechend gering ausgefallen sei, habe man die Preise für die übrigen Gäste eben entsprechend erhöhen müssen: „Allerdings nicht in diesem Jahr, da sind die Preise gleich geblieben.“

Dann verweist er auf ein weiteres Problem, das ebenfalls zu Umsatzeinbußen geführt habe: „Wegen der strengeren Brandschutzbestimmungen passen hier viel weniger Leute rein. Dadurch haben wir ungefähr 50 Prozent unserer Einnahmen verloren.“ Die Pachtgebühren aber — er schätzt sie auf insgesamt rund 100 000 Euro im Jahr — seien trotz der Verringerung der Kapazität des Seidenweberhauses als Veranstaltungsort nicht gesunken.

Paul Keusch, Geschäftsführer der Seidenweberhaus GmbH, möchte diese Summe nicht bestätigen, bezeichnet sie sogar als falsch: „Die Pacht liegt wesentlich darunter.“ Er räumt aber ein, dass durch die strengeren Brandschutzbestimmungen weniger Gäste ins Seidenweberhaus eingelassen werden können: „Bei bestimmten Veranstaltungen gingen früher über 2000 Leute in alle drei Säle. Heute ist das auf 1425 begrenzt.“ Er betont aber auch, dass diese Begrenzung der Gästezahl durch zusätzliche Veranstaltungen kompensiert werde.

Dann geht er auf einen weiteren Vorwurf der Karnevalisten ein — schlechte Akustik im großen Saal. Ein Leserkommentar hierzu: „Die Lautstärke war enorm. Das grenzte schon an Körperverletzung.“ Und Werner Krüger erinnert sich: „Das habe ich dem Techniker auch gesagt, aber der war nicht in der Lage das Problem zu lösen.“

Paul Keusch kann das nicht glauben: „Unsere Techniker sind teilweise schon seit 30 Jahren dabei. Die beherrschen die Tonanlage aus dem Effeff.“ Er vermutet vielmehr eine andere Ursache für die zweifelhafte Akustik: „Beim Karneval gibt es halt keine Soundchecks.“

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