Schunkellaune im Seidenweberhaus

Karneval : Schunkellaune im Seidenweberhaus

Bei der Sitzung der Kajuja ging es mit Tanzmariechen, Bauchredner und Musik unterhaltsam zu.

Zur 67. Sitzung der Kajuja hat sich im Seidenweberhaus eine sehr aufgeschlossene Besucherschar versammelt. Die aus der katholischen Jugend hervorgegangene Kajuja um Norbert Langels und Helmut Hannappel hat viele treue Freunde, die sich auch stets kostümieren. Seit Anbeginn im Jahr 1952, als der damals offizielle Krefelder Karneval von der Kajuja nichts wissen wollte, holt man sich die besten Corps und Redner aus der Domstadt. Auch in diesem Jahr.

Nach dem Willkommensgruß durch Ehrenpräsident Hannappel übernimmt dessen Sohn Holger das Zepter und begrüßt die Narren, die von der Saalkapelle „Die Kleinenbroicher“ schon in Schunkellaune versetzt sind. Dann geht es zur Sache: Über die Empore zieht die Bürgergarde „blau-gold“ aus Köln in den Saal. Es ist eines der neun Kölner Traditionscorps und stammt aus Ehrenfeld. Der Einzug hört gar nicht auf, 60 Gardisten mit einem Tanzmariechen füllen dann die große Bühne. Der Kommandeur hat die Truppe gut im Griff und fast 30 Minuten lang erfreut der Gardetanz nach bekannten Kölner Melodien die Besucher. Danach kommt die Putzfrau Achnes Kasulke aus Nettetal, die im Schatten der Dülkener Narrenmühle geboren ist, und feuert ihre Bonmots ab. Jetzt versteht man auch, dass Annette Eßer schon mehrere Jahre am Rosenmontag eine WDR4-Sendung moderiert.

Mädchen fliegen
durch die Luft

Das Tanzkorps Colonia Rut Wiess aus der Domstadt besteht aus je 13 Mädchen und Jungen und präsentiert atemberaubende Akrobatik. „Boah“, hört man, „die Mädchen fliegen ja mindestens sechs bis sieben Meter durch die Luft.“ Das Publikum steht auf und applaudiert. Etwas ruhiger wird es, als Christian Pape aus Wegberg, ein Top-Redner, seine spritzige Rede bringt und mit klugen Songs würzt. Begleitet wird er auf dem Keyboard von Stefan Bimmermann.

Und dann gibt’s wieder etwas für Auge und Ohr, das Prinzenpaar beehrt die Kajuja. Nicht einfach hat es danach Martin Schoppe. Der Kölner glänzt jedoch schnell mit seinem Beitrag, der die Politik nicht verschont. Literat Andreas Schleiken, der Pech hat und im Krankenhaus weilt, hatte wieder einmal die Kölner Rheinveilchen verpflichtet. Das prachtvolle Tanzcorps, bei der Kajuja gut bekannt, verzaubert mit Würfen und Hebungen. 50 Tänzer und Tänzerinnen sind im Corps aktiv.

Immer wieder kommt Klaus Rupprecht aus Moers nach Krefeld. Als Klaus und Willi ist der Bauchredner der Star jeder Sitzung, auch bei der Kajuja. Knapp vor Mitternacht versteht es der Tenor Norbert Conrads, die Kölschen Lieder seiner Heimat „mit Hätz un Jeföhl“ vorzutragen. Das Publikum schunkelt sich in den neuen Tag.

Mehr von Westdeutsche Zeitung