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Schausteller bauen in Krefeld Achterbahn auf

Die Kirmes wird am Freitag eröffnet : Achterbahn-Montage in luftiger Höhe

Am Freitag geht sie wieder los, die Sprödentalkirmes. Doch bevor die Besucher die Fahrgeschäfte stürmen können, wird gewerkelt. Die WZ war bei den Aufbauarbeiten des „Drifting Coasters“ dabei.

Krefeld, 8 Uhr morgens. Obwohl die Sonne den Sprödentalplatz am Montag vor der Herbstkirmes langsam in ihr Licht eintaucht, ist es nass, kalt und irgendwie ungemütlich. Vor allem für Menschen, die keine Thermounterwäsche tragen. Für Mike Ahrend und seine Truppe von zehn Mann ist die Kälte aber kein Problem. Sie sind in ständiger Bewegung.

Schließlich baut sich die 180 Tonnen schwere und 480 Meter lange Achterbahn „Drifting Coaster“ für die Sprödentalkirmes nicht von alleine auf. „Das Grundgerüst steht, damit haben wir schon am vergangenen Donnerstag begonnen“, sagt Ahrend und erklärt den Ablauf: Bevor die Achterbahn aufgebaut worden ist, wurde der Boden mit einem Nivelliergerät ausgemessen – wie bei dem Fundament eines Hauses. Denn der Untergrund muss gerade sein, damit die Bahn sicher steht, erklärt der Fachmann. Danach wurde das Stahlgerüst aufgesetzt und die Querverbindungen eingebaut. „Nun fehlen nur noch die Schienen“, schließt er ab und schaut zufrieden auf das Stahlkonstrukt vor ihm.

Ahrend ist deutschlandweit zehnmal im Einsatz

Im Laufe des Montagnachmittags sind die Arbeiten an dem Fahrspaß abgeschlossen, beim Probedurchlauf am Mittwoch läuft alles wie am Schnürchen, die Kirmeseröffnung am Freitag kann kommen. Kratzt der Zeitdruck eigentlich am Nervenkostüm? „Wir sind entspannt“, sagt Ahrend und lacht. „Der Aufbau einer Achterbahn ist sehr aufwendig. Selbst wenn uns das Wetter mal einen Strich durch die Rechnung macht, arbeiten wir weiter. Genauso wie Straßenarbeiter. Bislang haben wir unsere Deadlines immer eingehalten und das wird auch diesmal wieder der Fall sein.“ Wie ein Fuchs beobachtet er, wie einer der beiden Kräne Schienen langsam in die Luft hievt.

Seine Mitarbeiter stehen bereit, um sie in Empfang zu nehmen und an den richtigen Stellen einzuklinken. Justiert wird mit einem speziellen Schlüssel. Dabei muss jeder Griff sitzen. Allerdings: „Die Morgenschwere macht meinen Jungs noch ein bisschen zu schaffen“, witzelt Ahrend. Der Kaffee scheint wohl zu lasch gewesen zu sein. Macht nichts. Im Laufe des Morgens wird es besser wuppen, ist sich der gebürtige Hannoveraner sicher. Das tue es immer. Bei zehn Einsätzen im Jahr pendle sich die Routine irgendwann von selbst ein. Ahrend ist übrigens zum ersten Mal mit seinem Fahrgeschäft in Krefeld. Die Konkurrenz war groß. „450 Schausteller haben sich beworben. Aber wir sind ausgewählt worden“, sagt er stolz.

Sein Fahrgeschäft habe die Stadt wohl überzeugt. „Hierbei handelt es sich um eine Neuheit, die wir 2017 vorgestellt haben“, erzählt der 48-Jährige. Dabei nehmen vier Personen, Rücken an Rücken, in einer Gondel Platz, die je nach Verlauf der Strecke die Sitze nach außen schwingt. Hört sich ganz schön schwindelerregend an. Um die schweren Einzelteile der Achterbahn zu transportieren, waren zehn Lastwagen nötig. Ein ziemliches Aufgebot. Ohne die Hilfe der Kräne wäre das nicht möglich. „Wie gut, dass wir heutzutage technisch so weit fortgeschritten sind“, meint Ahrend. Natürlich müsse noch viel per Hand eingesteckt, nachgezogen, geprüft und angeliefert werden. Zwischendurch verschwindet Ahrend, um mit einem Lkw eine neue Fuhre an Schienen zu holen. „Der Chef muss schließlich auch etwas machen.“

Die Schaustellerei liegt
in der Familie

Dabei ist er bereits seit 25 Jahren. Aber eigentlich fing alles schon viel früher an. In der Wiege, um genau zu sein. Denn bereits sein Großvater und Vater waren Schausteller und stets auf Achse. In die Fußstapfen zu treten, sei für Ahrend daher das naheliegendste gewesen. Damit die Familientradition gewahrt wird, hilft Sohn Marlon vor Ort kräftig mit – na klar. Er steuert den zweiten Kran, der vor der Achterbahn steht. Die Arbeit geht dem 18-Jährigen leicht von der Hand: Während er das schwere Gefährt manövriert, klinken seine Kollegen die Kranseile wieder an den Schienen ein und hoch geht’s in die Luft.

Für den jungen Mann ist es selbstverständlich in den Betrieb einzusteigen. Schließlich wird er ihn irgendwann von seinem Vater übernehmen. Etwas anderes kann und will er sich nicht vorstellen. „Natürlich gibt es Tage, an denen man genervt ist, aber trotzdem muss es weitergehen“, sagt er. Auch seine Mutter und Schwester helfen mit: unter anderem bei Buchführung und Ticket-Verkauf. „Wir ziehen alle an einem Strang“, sagt Mike Ahrend. „Das ist das Schöne an unserem Job.“