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Flüchtlingshelferin spricht über tägliche Hürden

Integration : Sie hilft Flüchtling Ibrahim in Krefeld

Annekathrin Koch-Hüskes ist Patin eines 19-jährigen Afrikaners. Viele Hürden im Alltag.

Ibrahim hat keine Familie mehr, er musste ganz neu anfangen. Ein neues Leben beginnen in einer für ihn unbekannten Welt. Ibrahim ist erst 19 Jahre alt und ein afrikanischer Flüchtling. Als er vor etwa drei Jahren Jahren in ein Flüchtlingsboot in Libyen stieg, wusste er nicht, ob und wo er wieder aussteigen würde.

Im Alter von vier Jahren verließ er seine Heimat Guinea. Die Mutter tot, der Vater verschwunden. Ibrahim reist zu seiner Tante nach Gambia, später weiter zu seinem Onkel nach Libyen. Beide leben illegal dort. Er kommt in ein Lager, flieht und steigt dann in ein Boot. So erzählt er selbst die Geschichte seiner Flucht. Er landet in Italien. Weiter geht es über Österreich, Bayern nach Dortmund, Willich, Krefeld. Er kommt in einer Unterkunft für betreutes Wohnen im Marianum unter. Dann lernt er die Familie um Annekathrin Koch-Hüskes und ihren Mann Karl-Josef Hüskes kennen, die sich als Paten zur Verfügung gestellt haben. Eine neue Familie für Ibrahim.

Noch immer ist er etwas scheu, will sich nicht ablichten lassen in der Zeitung. Er hat viel erlebt. Ibrahim ist vorsichtig geworden, nach alledem was er in seinem noch kurzen Leben schon alles mitgemacht hat. Das hat Vertrauen gekostet. In ihn selbst und die Institutionen. Er will nicht mehr zurück nach Afrika. Das heißt: Er will hier bleiben. In der fremden Welt. Und damit fangen die Probleme für ihn an: Die Integration beginnt und hält viele Herausforderungen bereit. Annekathrin Koch-Hüskes: „Er ist ein Analphabet, hat noch große Probleme mit der Sprache. Er fängt quasi wieder bei Null an.“

Heute wohnt Ibrahim im Philadelphia-Haus, wird dort betreut. Die Familie und er sehen sich wöchentlich, sie stehen in engem Kontakt. Koch-Hüskes nennt er seine „zweite Mutter.“ Auch der 30-jährige Sohn Philipp macht hin und wieder mit. Sie kümmern sich um ihn, wollen ihm das fremde Deutschland näherbringen, die Sprache, die Gepflogenheiten, die Eigenheiten. Man müsse Verständnis haben für einen jungen Mann wie Ibrahim in einer neuen Welt, sagt Frau Koch-Hüskes.

Ohne die Hilfe der Familie wäre Ibrahim aufgeschmissen

„Er ist noch nicht integriert. Er braucht Unterstützung. Wir haben geschaut: was kann er? Wir lesen viel. Wir setzen uns mit ihm zusammen. Das ganze Drumherum ist viel“, sagt Annekathrin Koch-Hüskes. Das Drumherum, das sind zum Beispiel Formulare, Rechnungen, Anträge. Ohne Hilfe der Familie aus Hüls wäre der Flüchtling Ibrahim nicht in der Lage, sein Leben zu bewerkstelligen oder überhaupt die gängigsten Dinge im Alltag zu schaffen. Tickets für Bus und Bahn, einkaufen gehen. Die fehlende Sprache ist die größte Barriere. „Er ist ja wie ein Waisenkind, er hat sonst keine Ansprechpartner. Es ist eine große Herausforderung, Vertrauen aufzubauen. Wir können ein Stück für ihn da sein. Es ist ein langer Prozess.“

Seit Anfang August befindet sich Ibrahim in einer Ausbildung. Er arbeitet in einer Werkstatt für Landmaschinen in Tönisvorst. Daneben besucht er die Berufsschule in Moers. Wenn er fertig ist, wird er Mechatroniker sein. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Annekathrin Koch-Hüskes stößt mit ihrem Engagement auch an Grenzen. Sie hört sich um, die sucht nach Bildungsmöglichkeiten und Integrationskursen für ihren Ibrahim. „Wir verzweifeln ein wenig. Es ist schwer, Kurse neben der Arbeit zu finden. Wir suchen Ehrenamtler, die Deutsch lehren können.“ Die Hülserin berichtet von vielen kleinen Hürden, Kleinigkeiten im Alltag. „Es ist extrem wichtig, dass sich Menschen mit anderen Menschen zusammensetzen. Jeder Flüchtling bräuchte einen Helfer.“

Ibrahims Deutsch ist passabel, er kann sich verständigen. Er überlegt einen Moment, als die Frage kommt, wie er sein Leben in Deutschland beschreiben würde - „kompliziert“, sagt er dann. Das ist wahrscheinlich noch höflich ausgedrückt. Nach Guinea zurück will er aber nicht. Er hat Angst, dass ihm dort etwas zustößt. Seine Zukunft ist offen, auch er hat noch keine genaue Vorstellung: „Ich weiß noch nicht, was ich in Zukunft machen werde.“