Sparen am Theater tut weh

Sparen am Theater tut weh

Die knappen Mittel und ihre Folgen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Kuratoriums-Sitzung.

Krefeld/Mönchengladbach. Es scheint, dass die Worte "Theater" und "Sparen" auf absehbare Zeit eng verknüpft bleiben werden. Ein Jahr nach der unseligen Etat-Debatte, die in Demonstrationen gegen ein Ausbluten des Theaters mündete und überregional für Schlagzeilen sorgte, zieht sich das Thema noch wie ein roter Faden durch die Sitzung des Theaterkuratoriums am Mittwoch.

Dabei sieht das Ergebnis der Spielzeit 2008/09 auf den ersten Blick positiv aus: 345.000 Euro hat das Theater übrig behalten, doch das ist kein Grund zur Euphorie. Denn zum einen sind diese Haushaltsreste laut Geschäftsführer Reinhard Zeileis "gezielt" gebildet worden, um die Tariferhöhungen im Orchester, Ausbauten bei der EDV und bestellte Werbemittel zu bezahlen. Zum anderen sei das Ergebnis mit Einschnitten verbunden: "Wir haben dort gespart, wo es weh tut."

Besonders eindrucksvoll schildert das der scheidende Generalmusikdirektor Graham Jackson: "Wir spielen zurzeit auf kaputten Instrumenten, weil wir kein Geld für die Reparatur haben. Beim Personal waren wir teilweise so eng, dass wichtige Solostimmen vor zahlendem Publikum vom Blatt spielen mussten. Niemand soll glauben, dass die Einsparungen schmerzfrei waren. Wir sind an der absoluten Grenze."

"Ein großer Teil des Geldes ist bei der Kunst eingespart worden", betont auch Generalintendant Jens Pesel. Bei den Überstunden "schieben wir eine Bugwelle vor uns her, die noch sichtbar werden wird". Schwierig sei die Lage auch bei der Werbung: "Die Mittel sind nicht knapp, sie sind aufgebraucht. Selbst einen 300 Euro teuren Aufsteller können wir uns nicht leisten."

Von der Politik gibt es trotzdem einhelliges Lob für die sichtbaren Anstrengungen der Bühnen. Lediglich Klaus Kokol (SPD) wundert sich angesichts früherer Debatten, "dass ein Sparen überhaupt möglich" war: "Sie laufen Gefahr, dass man Ihnen demnächst sagt: Sparen Sie weiter."

In der Tat ist der Wille dazu auch beim Haushalt 2009/10 und beim Entwurf für 2010/11 in vielen Punkten erkennbar. Doch die Zahlenkonstrukte sind zerbrechlich, wie Zeileis betont, die Forderung aus dem Actori-Gutachten teilweise bereits übererfüllt: "Es ist unser klares Ziel, einen ausgeglichenen Haushalt zu haben. Ob es gelingt, wird man sehen."

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