Luis Lay singt, spielt und tanzt

Luis Lay singt, spielt und tanzt

Spieltenor nennt sich der 40-jährige Luis Lay, der seit dieser Spielzeit zum Theaterensemble gehört.

Krefeld. Zum Spazierengehen verspürt er nicht die rechte Lust und sucht sich lieber einen schattigen Platz in der Nähe des Theaters. Luis Lay, seit einer Spielzeit am Theater Krefeld weiß genau, was er will, und setzt das auf liebenswürdige Weise durch.

Noch zwei Stunden bis zu seiner letzten Vorstellung vor den Ferien, da mag er lieber unter einem alten Baum, mit einem hochgeschäumten Cappuccino, aus seinem Leben erzählen. Seine Aufgaben am Theater Krefeld bilden einen bunten Fächer, denn er kann ziemlich viel.

An diesem Abend tritt er im Musical "Kiss me Kate" auf - ein Renner des Hauses, der jeden Abend ausverkauft ist. Aber er spielt auch in "Ariadne auf Naxos" von Strauß, in der "Kinderzauberflöte" oder im "Graf von Luxemburg". Denn Luis Lay kann singen, tanzen, spielen und tut alle diese Dinge mit großer Freude. Er nennt sein Fach Spieltenor und freut sich, wenn andere ihn Multitalent nennen.

Aufgewachsen ist der 40jährige in Dresden, die Mutter aus Sachsen, der Vater kubanischer Gaststudent. Der ganz schnell wieder in die Karibik zurückmußte. Besuchen war schwierig: "Wir bekamen kein Visum für Kuba, weil die USA so nahe sind", sagt Luis Lay.

Schon in seiner Schulzeit ging er regelmäßig ins Theater und ins Konzert, das gehörte in der DDR zum Lehrplan und hatte die erhoffte Wirkung: Theater faszinierte ihn. Also jobbte er an der Theatergarderobe und wußte immer charmant davon zu überzeugen, dass er den Schlüsseldienst auch aus dem Zuschauerraum heraus versehen könnte.

Auf diese Weise hat er sich enorme Kenntnisse angeeignet, seine Liebe zum Theater gefüttert. Nach seinem Schulabschluss wollte Lay eigentlich Medizin studieren, probierte dann aber ganz viele andere Dinge aus. Er arbeitete als Krankenpfleger, besuchte die Palucca-Tanzschule in seiner Heimat, trat 1994 im Hamburger Star-Club (Sie erinnern sich, die Beatles!) in dem köstlichen Schwulen-Stück "La Cage aux Folles" auf.

Alle diese ganz verschiedenen Erfahrungen hat er in sein Leben integriert und befasst sich auch mit der Theorie. Luis Lay hat ein Studium des Kulturmanagments abgeschlossen. So macht er sich auch viele Gedanken über die Struktur eines Theaters und über das Programm.

Auf der Rückseite einer Überweisung hat er sich schon mal die Antworten auf die Frage "Was wünschen Sie sich?" notiert. Da stehen "Zar und Zimmermann", "Das Märchen vom Zaren Saltan". Er plädiert für "Mehr Ballett" und "Mehr Operette!", zum Beispiel "Zarewitsch" oder "Land des Lächelns". Musicals liebt er auch.

Wenn die Krefelder Bühne schon abschließt und mit den Renovierungen beginnt, springt Luis Lay noch einmal in Chemnitz ein: "West Side Story". Anschließend geht es mit seinem Freund in den Urlaub nach Rügen.

Unseren Tisch überlassen wir einem Ehepaar, er mit Fliege zum Anzug, sie im Cocktailkleid: Da gibt’s als Vorfreude auf "Kiss me Kate" noch ein kleines Häppchen beim Italiener, theaternah, und mit gutem Cappuccino.

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