Höchstpreise für japanische Kunst

Höchstpreise für japanische Kunst

Krefelder Sammlung kam in Köln unter den Hammer.

Krefeld. Vor hundert und mehr Jahren war Krefeld nicht nur die steuerträchtigste Stadt des deutschen Reiches, sondern auch - offenbar von der Familie Lange infiziert - ein Zentrum international agierender Kunstsammler.

Im Kaiser-Wilhelm-Museum war bis gestern in einer kleinen Sonderschau ein Teil des kostbaren Konvoluts von italienischen Renaissance-Madonnen aus der Sammlung von Beckerath zu besichtigen (die WZ berichtete). Bei einer Versteigerung im Kölner Auktionshaus Lempertz wurde vor einigen Wochen ein weiterer, bisher nicht bekannter Teil privater Krefelder Sammlertätigkeit aus dieser Zeit abgewickelt.

Insgesamt 105 Blätter berühmter japanischer Holzschnitte kamen unter den Hammer, gesammelt von Walter von Schewen, dessen Begierden offenbar im Jahre 1902 bei einer Reise in den fernen Osten geweckt wurden. Von Schewen, damals künftiger Chef einer großen hiesigen Seidenweberei, sollte sich, wie es im Auktionshaus Lempertz hieß, mit den dortigen Gegebenheiten vertraut machen. Seine Sammeltätigkeit setzte erst später ein, nach der Rückkehr in die Heimat.

Dort war das Feld bereitet, hatte doch schon die Vorliebe für ostasiatische Kunstgegenstände eingesetzt und der Handel reagiert. Ein weiteres Mitglied der Familie von Schewen hatte Erfolg als Bildhauer. Eine Skulptur befindet sich in Krefelder Besitz und war zeitweise im Rathaus ausgestellt.

Vor allem nach dem Ersten Weltkrieg trug Walter von Schewen die glanzvollsten Blätter zusammen, die Hokusais und Hiroshiges, darunter die berühmte "Woge" des Hokusai. Unter diesen Blättern, die zumeist Ende des 18. Jahrhunderts entstanden sind, befinden sich auch seltene Exemplare von Shuncho, und Utamaro, zudem mehrere Arbeiten aus dem Zyklus der "36 Ansichten des Fuji" von Hokusai. Ein solches Angebot von japanischen Holzschnitten hatte es, so hieß es bei Lempertz, seit vielen Jahren nicht mehr gegeben.

Die Reaktion bei der Auktion war entsprechend. Bei den Bietergefechten des international besetzten Publikums, vor allem aus den USA und aus Japan, gingen viele Blätter für das Drei- bis Vierfache des Ansatzes über den Auktionstisch. Mit 52000 Euro ging "Die Woge" Hokusais ins Ausland. Blätter aus den "Ansichten" und anderes erreichen Hammerpreise von 34000 Euro oder 29000 Euro.

Besonders stolz ist das Kölner Haus darauf, dass der einstige Sammler Walter von Schewen einen Teil seines Schatzes in den 20er-Jahren selbst bei Lempertz erworben hatte. Ein Kreislauf. Allerdings: Nun ist die Sammlung in alle Welt zerstreut.

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