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Seelöwe: Krefelder Zoo: Der "dicke Edu" hat abgespeckt

Seelöwe : Krefelder Zoo: Der "dicke Edu" hat abgespeckt

Mittlerweile kann der zu Beginn so scheue Seelöwe schon einige Tricks. Nur ins Maul gucken und anfassen lässt er sich noch nicht gern.

Krefeld. Nur ein klitzeklitzekleines bisschen Zahn ist zu sehen. Tierpfleger Knut Nielsen zieht dafür vorsichtig an der Seite des Seelöwen-Mauls. Versucht es noch einmal mit einem Kommando. Aber mehr mag der „dicke Edu“ von seinem eigentlich recht beeindruckenden Gebiss heute nicht zeigen. Was sein Maul angeht, ist der Bulle noch oft zurückhaltend.

Aber ansonsten ist der nach seinem Einzug ins Krefelder Wasserbecken so scheue Seelöwe schon deutlich aufgetaut. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Zoobesucher von ihm nur eines sahen: Schnaufen, Luft rein, untertauchen, dann 15 Minuten nichts, weil er unter Wasser so lange wie möglich seine Runden drehte, wieder auftauchen, einatmen, untertauchen.

Mittlerweile lässt sich Edu nicht nur ganz normal oberhalb der Wasseroberfläche blicken, sondern hat auch schon einige Tricks gelernt, die er bei der Fütterung fürs Publikum zum Besten gibt. Mit Anlauf, nein, mit Anschwimm gibt er im Becken Gas und springt in die Höhe, als wäre er nicht der Riese, der er ist. Das Gleiche wiederholt er dann auch noch mit einer Drehung in der Luft, schwimmt eine flotte Spirale im Wasser, um zum Schluss zur Freude der Zuschauer und unter großem Applaus noch einen Salto mit großem Platscher zu machen.

Und es sind nicht nur Lodde und Hering, die innerhalb von wenigen Sekunden aus Nielsens Eimer in die Mäuler der drei erwachsenen kalifornischen Seelöwen wandern, die den Bullen zu solcher Akrobatik bewegen. „Edu springt einfach gerne, das findet er ganz lustig“, hat Nielsen, der seit 1992 Tierpfleger im Zoo ist, mit seinem Kollegen Michael Kronfuß, der mit ihm Elefanten, Nashörner, Pinguine und eben die Seelöwen betreut, herausgefunden.

So hat meist jedes der Tiere seine ganz eigenen Vorlieben. Weibchen Kitai (6) beispielsweise balanciert gerne. Sie hält einen Ring, fängt einen Ball, auch mit dem Hinterteil in der Luft. Annie (ebenfalls 6) zeigt „noch nicht, was sie gerne mag“, sagt Nielsen. Wobei Seelöwen, wie Nielsen betont, grundsätzlich „gerne spielen, gerne lernen, ein Leben lang, es sind recht intelligente Tiere“. Wenn sie einmal etwas verstanden hätten, machten sie auch gerne mit. „Man versucht einfach, ihre Talente und Neigungen zu nutzen. Das Training soll ja auch Spaß machen.“

Aber vor allem soll es auch helfen, die Tiere untersuchen und behandeln zu können. „Es ist wichtig, dass sie uns vertrauen und sich überall anfassen lassen“, sagt der 44-jährige Tierparkmitarbeiter, „dass sie sich dafür auf Kommando auf eine bestimmte Stelle setzen, sich flach hinlegen und zum Beispiel mit Geduld ein paar Zähne angucken lassen.“ Mit kurzem Training könne man die Seelöwen-Damen wohl zu Ultraschall, Röntgen und Blutuntersuchung ohne Narkose trainieren. Und gerade die wolle man bei Seelöwen vermeiden, weil das Risiko groß sei, dass sie nicht mehr aufwachten.

Edu gibt sich momentan gerade beim Thema Anfassen und Zähne allerdings noch etwas störrisch. „Manchmal ist er stur, bricht ab und geht seiner Wege.“ Aber seit etwa drei Wochen gibt es auch immer mal wieder Gelegenheiten, bei denen der Zwölfjährige nicht bockt. „Das ist im Moment bei ihm also unser wichtigstes Projekt“, so Nielsen.

Was ihm und seinem Kollegen in die Hände spielt, ist Edus Appetit. „Der ist die beste Voraussetzung fürs Training, dann ist die Motivation am größten.“ Dann kann es mit Edu eigentlich nur bestens weitergehen. Denn er hat quasi immer Hunger. Als er im Sommer 2015 aus Gelsenkirchen nach Krefeld kam, dürfte er um die 300 Kilogramm gewogen haben, was ihm auch seinen Kosenamen „dicker Edu“ einbrachte. Mittlerweile hat er aber abgespeckt. Irgendwo zwischen 200 und 250 Kilogramm dürfte sein Gewicht jetzt liegen, schätzt Nielsen.

Immer noch sei er, wenn die Gier am größten ist, sehr unfreundlich „zu seinen Mädchen“, berichtet Nielsen. Und überhaupt sei im Moment in der Gruppe „Dynamik“, wie er es ausdrückt. Die Weibchen haben untereinander Stress. Annie ist, seit sie ihren Nachwuchs Alma hat, dem sie noch Milch gibt, nicht nur deutlich hungriger, sondern auch viel dominanter als vorher. Einige Zeit lang ließ sie Kitai zum Beispiel überhaupt nicht mehr auf die Mittelinsel kommen. „Das ist unter den beiden noch nicht ganz geklärt. Das bleibt spannend.“