1. NRW
  2. Krefeld

Krefeld: Warum die Stadt verstärkt ausbildet

Ausbildung : Warum die Stadt verstärkt ausbildet

Die Zahl der Lehrlinge steigt stetig. Kommune will damit auch der anrollenden Pensionswelle zuvorkommen.

Die Stadtverwaltung wird in den nächsten zehn Jahren von einer hohen Pensionswelle erfasst. Die Baby-Boomer-Generation verabschiedet sich allmählich aus der Arbeitswelt. Allein bis 2025 sollen nach hausinternen Angaben 540 Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. In den fünf Jahren darauf etwa noch einmal so viele – ausschließlich altersbedingt. Die Stadt trifft daher schon seit mehreren Jahren Vorkehrungen und tritt damit in einen Wettstreit um die Auszubildenden mit der freien Wirtschaft. Sie funkt als einer der größten Arbeitgeber in Krefeld auf vielen Kanälen. Sie wirbt um die jungen Leute, kämpft gegen ein Bild eines etwas bräsigen Schreibtisch-Jobs zwischen Aktenordnern und Stechuhr, für ein Image des dynamischen und abwechslungsreichen Berufs, der bei der Stadt zudem eine langfristige Anstellung verspreche.

„Wir wollen Identifikation
mit der Stadt schaffen“

Sabrina Buttler, Ausbildungsleiterin der Stadt, sagt: „Wir haben eine soziale Verantwortung, jungen Menschen eine Ausbildung und ein duales Studium zukommen zu lassen.“ Die Stadtverwaltung nehme dabei auch eine Vorbildfunktion ein: „Wir wollen mit eigenen Nachwuchskräften Engagement für und Identifikation mit der Stadt schaffen.“

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Kamen in 2014 nur 28 Azubis hinzu, sind es in diesem Jahr bereits 100 gewesen. Für 2021 plant Buttler sogar mit 112 Auszubildenden. Die Zahlen wachsen stetig, so die Leiterin für das Gebiet Personalmarketing und Entwicklung. Das hänge auch mit der steigenden Zahl der Bewerber zusammen. 1473 waren es in 2015, bis heute hat Buttler in 2020 schon 2156 Anschreiben entgegengenommen.

Buttler und ihr Team von acht Mitarbeitern im Personalmanagement setzen auf die sozialen Netzwerke, wollen jung und authentisch kommunizieren und versprechen langfristige Perspektiven.

Die Nachwuchskräfte werden früh in die Prozesse eingebunden

Eine Hire & Fire-Mentalität gibt es bei der Stadtverwaltung ohnehin nicht. Man plant in langen Linien, nicht nur in den Bauprojekten, sondern auch beim Personal. „Die eigene Belegschaft fühlt sich bei uns wohl“, sagt Buttler. Azubis werden gleich in die Arbeit eingebunden. Sie sollen aktiv werden, in die Prozesse eingebaut werden, nicht nur zuschauen. Dazu kämen im Verlauf der Ausbildung auch Workshops, Mentoren-Programme, Hospitation, also Besuche und Lernen in anderen Fachbereichen hinzu, um ein Verständnis für neue Sachgebiete zu erlangen. „Sie werden aktiv auf Führung vorbereitet. Die Entwicklung des Personals ist uns total wichtig“, sagt die Ausbildungsleiterin. Einbindung, um die Mitarbeiter weiterzuentwickeln.

In einer Verwaltung mit 33 Fachbereichen und annähernd 4000 Mitarbeitern kommt da viel Bewegung und Austausch vor. Von vornherein festlegen auf ein Spezialgebiet muss man sich nicht. „Es ist ein Riesenvorteil, wenn man das nicht muss. Man kann sich so immer weiterentwickeln“, sagt Buttler. Neue Lernmethoden wie E-Learning und Online-Klausuren sollen zeigen, dass die Stadt den digitalen Wandel ernst nimmt und für sich nutzt.

Und dann wäre da auch noch diese wesentliche und wohlklingende Garantie, die es in der freien Wirtschaft nur noch selten bis gar nicht mehr gibt: „Wir übernehmen unsere Azubis zu fast 100 Prozent“, sagt Sabrina Buttler.

Dabei bietet die Stadt nicht mehr nur eine Beamtenlaufbahn, sondern auch normale Beschäftigungsverhältnisse an. So wolle man sich auch ausländischen Mitbürgern öffnen, diese für eine Mitarbeit in ihrer Kommune gewinnen. „Wir achten auf Vielfalt“, betont die Ausbildungsleiterin. Und das nicht nur bei der Nationalität. Bunt, unterschiedlich, gemischte Altersgruppen – so beschreibt Sabrina Buttler das Ziel der Personalauswahl. Die Stadtverwaltung der Zukunft soll schließlich auch die Krefelder Gesellschaft des 21. Jahrhunderts spiegeln. Die anrollende Pensionswelle soll damit gebremst werden.