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Krefeld: Rosenmontagszug auf sieben Kilometer langen Strecke

Karneval : Friedlicher und fröhlicher Umzug bei Niesel-Regen und Kälte

Das Comitee Crefelder Carneval hat am Rosenmontag pünktlich ab 12.11 Uhr den närrischen Lindwurm auf den Weg geschickt. Etwa 60 000 Besucher schauten zu. Laut Polizei hat ihre Präsenz die gewünschte Wirkung erzielt.

Der Krefelder Rosenmontagszug konnte ziehen. Anders als am Sonntag in Uerdingen und Gellep-Stratum, durfte der 2,3 Kilometer lange Lindwurm sich pünktlich um 12.11 Uhr auf seinen sieben Kilometer langen Weg quer durch die Innenstadt machen. Es regnete zwar leicht und beständig bei der Aufstellung des Zuges und im Laufe des Umzugs. Doch das hielt etwa 60 000 kleine wie große Zuschauer nicht davon ab, weite Strecken entlang den Weg zu säumen und die süßen und praktischen Wurfsachen aufzufangen. „All you need is Spass“, das lassen sich die Krefelder auch nicht von einem grauen Himmel und Regenwolken vermiesen.

Ohne Alkohol und gutgelaunt
ging es auf den langen Weg

Zugleiter Albert Höntges hatte immer wieder einen Blick auf das Regenradar seines Handys geworfen. Wären stürmische Windböen hinzugekommen, hätte er ihn absagen müssen. Bis 10 Uhr sollte das entschieden sein. Doch dazu gab es keinen Grund. Alle fast 1900 Teilnehmer im Zug ebenso wie die Zuschauer waren entsprechend warm und die meisten regenfest angezogen. Das Aufstellen der 67 Fest- und Mottowagen, 23 Fußgruppen, zehn Musikgruppen sowie ganz am Ende des Prinzenpaarwagens folgt einer festgelegten, erprobten Choreographie. Nur die Brillenträger hatten wegen der fehlenden Scheibenwischer auf ihren Gläsern zwischendurch nicht den klaren Durchblick.

Gut gelaunt waren alle dennoch — auch ohne Alkohol. Denn wie in den Jahren zuvor galt auch diesmal wieder: Absolutes Alkohlverbot im Zug. „So wenig wie in diesen Tagen trinke ich sonst nicht“, erzählt Ralf Mühlenberg, Vorstand der KG Verberg 1956 und des Comitees Crefelder Carneval (als Veranstalter).

Das Uerdinger Prinzenpaar samt Minister und Garden hatte das Angebot freundlich ausgeschlagen, im Krefelder Zug mitzuziehen. Sie wollen ihren Zug nachholen.

Den klassischen Anfang machte hoch zu Ross das 1. Amazonencorps der Stadt Krefeld 1977 gefolgt von der modernen Variante, zwei Segways mit Gerhard Wollenhaupt, Webmaster vom CCC, und seiner Frau Angelika. Damit auch jeder das Motto der Session parat hatte, folgte der Festwagen des Comitees Crefelder Carneval mit entsprechender Aufschrift. Hoch auf dem zweiten Wagen winkte Oberbürgermeister Frank Meyer, ohne Amtskette, dafür im Jogging-Anzug mit Stirnband. Er erinnerte an einen früheren Karnevalsprinzen, der wegen des damals ebenfalls schlechten Wetters gemeinsam mit seiner Prinzessin kurzerhand das Ornat gegen die Sportkleidung ausgewechselt hatte.

Meyer hingegen hatte dabei etwas im Sinn. Gemeinsam mit Vertretern der großen Sportvereine KFC, Pinguine, Ravens, HSG und CHTC war er per Motto für „Krefeld Verein(t) für Olympia“. Die großen von Florian Noever wieder entworfenen und gebauten Wagen legten so manchen Finger in Krefelds Wunden. Der Joseph-Beuys-Platz als Dauerbaustelle durfte nicht fehlen mit einem eingehausten Kaiser-Wilhelm, der über den Bretterrand schaut, auf dem zu lesen ist „Ich will hier raus“ (Wagen der Minister). Für die „Gute Schule 2020“ packt das Land nicht nur Millionen Euro an, sondern zwei Schüler helfen mit Hammer und Malerpinsel tatkräftig mit. „An ihr ist Sanierung Hauptfach“, steht darunter zu lesen.

Doch auch die Fußgruppen lenkten den Blick auf aktuelle Themen. „Die Krebse“, die Krefelder Behinderten Selbsthilfe-Gruppe im Rollstuhl, fragten: „Barrierefreiheit, geht da noch was?! Danke“. Die jungen Wilden nahmen sich des Klimawandels an. Den gebe es doch nicht, ist selbst von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zu hören. Das freut die als Papageien verkleidete Fußgruppe. Nachdenklich bei all dem Geplapper stimmt jedoch der Eisbär in Gruppe. „Wo kommt der denn her?“.

Die hohe Kunst bei Regen ist es, nicht zu weit zu werfen

Die 2004 von Redakteuren der Satire-Zeitschrift Titanic gegründete Partei „Die Partei“ macht ihrem Namen alle Ehre. Auf einem kleinen Handwagen mit Aufbau steht zu lesen: „Das Seidenweberhaus ist immer noch für’n Arsch“. Passenderweise werfen sie Klopapier-Rollen statt Kamelle in die Menge. Auch eine Form von Luftschlangen.

Eine Stunde auf dem Sprödentalplatz muss das Prinzenpaar Dirk I. und Marita I. in seinem Wagen ausharren, bevor auch er sich am Ende des Zuges in Bewegung setzt. Die hohe Kunst für alle bei diesem Wetter ist es, nicht zu weit zu werfen, sondern möglichst es den eifrigen Sammlern zuzuwerfen oder anzugeben. Was in die großen Regenpfützen fliegt, bleibt liegen.

Gelungen ist der Abzweig über den Theaterplatz. Vor der Bühne wird gefeiert und getanzt zu der Band Jeck United, Frontmann Volker Diefes kommentiert den Zug. Wäre das Wetter besser, wären wohl noch mehr nach dem Zugende geblieben.

Die Polizei ist zufrieden. „Insgesamt haben alle friedlich und gefeiert; die starke Polizeipräsenz hat Wirkung gezeigt“, sagt Katrin Wentker von der Pressestelle.

Bis 18:30 Uhr hat die Polizei sieben Strafanzeigen wegen Körperverletzungsdelikten gefertigt. Darunter kamen zwei Männer ins Gewahrsam, nachdem sie sich auf dem Nordwall / Friedrichsplatz geschlagen hatten. Auf dem Südwall und auf dem Friedrichsplatz kam es zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen jeweils zwei Frauen. Ein weiterer Mann kam ins Gewahrsam, weil er auf der Stephanstraße randalierte.

Ein Autofahrer erhält eine Strafanzeige. Er ignorierte auf der Blumentalstraße Ecke Eichenthal eine Absperrung und fuhr auf den Verkehrskadetten zu. Das wird Folgen haben